Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Reißverschlüsse für Escada, Bogner und Boss

YKK in Wenkbach Reißverschlüsse für Escada, Bogner und Boss

Die Produkte von YKK finden reißenden Absatz: Der Weltmarktführer produziert Reißverschlüsse. Das Unternehmen öffnet nur selten seine Pforten für die Öffentlichkeit. Die OP besichtigte das Werk in Wenkbach.

Voriger Artikel
Sexuelle Belästigung als Zeichen der Macht
Nächster Artikel
Drei Jahre auf eine Lunge gewartet

Das „Kleingedruckte“ bei Reißverschlüssen verrät die Marke: Verschiedene Bekleidungshersteller, darunter namhafte Designer, verwenden Reißverschlüsse, die im Weimarer Ortsteil Wenkbach hergestellt werden.

Marburg. Ob als teilbarer oder unteilbarer Reißverschluss in X-, O- oder Schlaufen-Form: Kaum einer kommt ohne Reißverschlüsse aus. Die Modebranche nicht, die Zelthersteller oder die Inneneinrichter. Sie sind es, die in Massen beim Weltmarktführer YKK bestellen, demSpezialisten für Reißverschlüsse und Verschlüsse aller Art. YKK war in den 70ern eine der ersten japanischen Firmen, die in Deutschland produzierte.

Japanische Maschinen nach amerikanischen Standards

Eine Produktionsstätte ist in Wenkbach in der Gemeinde Weimar. Daher ist der kleine mittelhessische Ort in der Branche ein Begriff. Dort arbeiten 173 von den weltweit 39000 Beschäftigten, also weniger als0,5 Prozent, rechnet Personalleiter Klaus Richter vor. YKK in Wenkbach hat laut Richter einen Frauenanteil von 42 Prozent. Und etwa die Hälfte der 173 Mitarbeiter sind ungelernte Beschäftigte. In den vergangenen 48 Monaten hat das Unternehmen 41 neue Mitarbeiter eingestellt - ein Zuwachs von 25 Prozent, so Richter.

Fachkräfte und Auszubildende werden weiterhin gesucht, sagt er. Ungelernte Produktionshelfer dagegen haben mit einer Bewerbung heute kaum noch eine Chance, sagt er. Der Grund: Die Arbeit sei komplex: Mehr als 700 Maschinen sind in Wenkbach im Einsatz. „Jeder Mitarbeiter muss mehr als eine Maschine bedienen können.“

Und da die japanischen Maschinen nach amerikanischen Standards gebaut sind, könne nicht jeder in Deutschland ausgebildete Mechatroniker damit umgehen, Neueinstellungen bekommen zunächst einen Zeitvertrag, bevor sie zur Kernmannschaft von YKK dazugehören.

Innerhalb von fünf Tagen wird an Kunden geliefert

„Und dann behalten wir die Kollegen am liebsten bis zur Rente. Das Knowhow anlernen dauert schließlich lange.” Ein Drittel der Mitarbeiter in Wenkbach ist älter als 50 Jahre - eine Herausforderung für die Firma, wenn nach und nach erfahrene Kräfte ausscheiden. Eine Zahl beeindruckt besonders: 150000 Reißverschlüsse werden im Schnitt am Tag in Wenkbach produziert für Marken wie Escada, Boss oder Bogner zum Beispiel.

Imitate aus China bereiten große Probleme

Je nach Mode und Marke gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Längen, Stärken und Farbe. Insgesamt sind es rund 1400 Farben, die angeboten werden.

Die Färberei sei daher die wichtigste Abteilung der Produktionsstätte in Wenkbach.

Jeder Schieber für Kunststoff- oder Spritzgieß-Reißverschlüsse muss in den High-Tech-Farbtopf. Bevor eine Charge in den Vertrieb und zum Kunden geht, wird in der Wenkbacher Qualitätskontrolle die Zipper bis zum Zerreißen geprüft: Die Produkte werden getestet. „Der Kunde erwartet, dass wir innerhalb von fünf Tagen liefern”, erklärt Richter.

Das bedeutet: Die Belegschaft produziert im Wechselschichtbetrieb,gegebenenfalls auch samstags. Große Probleme bereiten den Japanern die Imitate aus ihrem Kontinent: Es gäbe Merkmale, um Fälschungen zu erkennen, sagt Richter.

Selten dürfen Besucher das Werk betreten

Die Furcht vor den Nachahmern aus China ist in Wenkbach groß, daher zeigt das Unternehmen nur selten der Öffentlichkeit seine Maschinen, die es selbst herstellt. Fotografieren ist ohnehin nicht erlaubt. Für die Mitglieder des örtlichen Arbeitskreises „Schule und Wirtschaft“ öffnete YKK kürzlich jedoch seine Türen und führte durch die Produktion. „Lehrer sind für uns sehr wichtig, sie bilden diejenigen aus, die zu uns kommen”, sagte Richter den Besuchern, die sich auch über die Ausbildung informierten.

YKK steht für...

Y steht für den Namen Yoshida, KK steht für Industrie und Aktiengesellschaft. 1934 wurde das Unternehmen durch Tadao Yoshida in Japan gegründet, 1967 wurde die YKK Deutschland GmbH mit Sitz in Mönchengladbach gegründet. 1972 startete der Produktion von Reißverschlüssen in Wenkbach.

YKK nutzt in Wenkbach derzeit weniger als die Hälfte seiner Fläche von rund 56 000 Quadratmetern. Der Rest ist an einen Landwirt verpachtet. Seit 1975 befindet sich der Firmensitz in Mainhausen.
In anderen Produktionsstätten stellt YKK nach eigenen Angaben auch Knöpfe, Bikini- oder BH-Verschlüsse oder Kurzwaren her.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr