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Reiselust nach Griechenland hält an

Trotz Finanzkrise Reiselust nach Griechenland hält an

Jetzt erst recht, sagen Menschen aus dem Landkreis, die ihren Urlaub am liebsten in Griechenland verbringen. Und so mancher Skeptiker lässt sich von den derzeit günstigen Preisen überzeugen, berichten Reisebüros.

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Touristen auf der Akropolis in Athen. Die meisten Griechenland-Urlauber haben ihre Reise schon länger gebucht. Stornierungen gibt es so gut wie nicht, berichten Reiseanbieter.

Quelle: Kay Nietfeld / dpa

Marburg. „Ich würde immer hinfliegen – egal, ob Krise oder nicht“, sagt Rita Radki. Die Geschäftsinhaberin aus Niederweimar verbringt mit ihrer Familie seit 35 Jahren ihren Urlaub im Süden der Insel Kreta. Immer im selben Hotel. „Nach so vielen Jahren ist Kreta meine zweite Heimat geworden“, sagt Radki. „Der Kontakt zur Bevölkerung ist für mich das Wichtigste“, sagt sie. Der griechische Hotelier wurde zum Patenonkel ihres Sohnes. Radki war vor Kurzem wieder auf Kreta, von der Krise habe sie nicht viel gemerkt.

„Die Griechen organisieren es immer, dass alles läuft. Sie sind Künstler. Ich bewundere das als Geschäftsfrau“, sagt Radki. Ähnlich äußert sich auch die Marburger Geschäftsinhaberin Andrea Balser, die vor Kurzem auf Rhodos war. Sie sei davon so begeistert gewesen, dass ihre Mitarbeiterin vergangene Woche auch nach Rhodos gereist sei. Das Hotelpersonal berichtete der Marburgerin von harten Lohneinbußen.

Um die Gäste hätten sich die Mitarbeiter aber bestens gekümmert, so Balser. Auch sie würde wieder nach Griechenland reisen, nur eben mit mehr Bargeld als sonst. Das Marburger Ehepaar Tatjana und Hans-Jörg Meier reist seit zirka 15 Jahren jährlich nach Griechenland. „Wir haben uns vor zehn Jahren dann in die Insel Karpathos verliebt“, sagt Tatjana Meier. Seitdem fährt die Familie jedes Jahr ins gleiche Dorf, ins gleiche Appartement.

„Ein klein wenig mulmig“

„Wir fühlen uns bei den Menschen dort sehr gut aufgehoben.“ Das Meer, die Menschen, das Essen und vor allem das Licht auf den Inseln sei ganz besonders. „Es leuchtet heller und klarer“, sagt Tatjana Meier. Dass es für viele Griechen dennoch düster aussieht, wissen Meiers. „Für uns ist allerdings klar, dass wir auch dieses Jahr dorthin fahren. Natürlich ist uns ein klein wenig mulmig, da die politische Situation sehr angespannt ist und wir nicht so recht wissen, wie die Menschen dort auf uns reagieren“, sagt Meier. „Wenn ich meinen Urlaub dort verbringe, unterstütze ich die Menschen und das Land. Und das ist wichtig.“

So denken offenbar viele deutsche Urlauber. Es gebe keine vermehrten Hinweise auf geänderte Reisepläne, erklärt der Deutsche Reiseverband. Griechenland zähle in diesem Sommer erneut zu den beliebtesten Zielen der Deutschen. Das bestätigt auch der deutsche Branchenprimus Tui: Es gebe keine Anfragen der Kunden wegen Stornierungen oder Umbuchungen. Flüge von Frankfurt nach Athen sind in den kommenden Tagen so gut wie ausgebucht. Last-Minute-Angebote gibt es aber noch reichlich als Pauschalreisen.

Keine Stornierungen, aber zögerliche Nachfrage

Und die Preise sind deutlich gesunken, sagt Jessica Pawlowski vom L‘tur-Reisebüro in Marburg. „Unsere Kampagne ‚Wir sagen Ja zu Griechenland‘ läuft wunderbar.“ Man habe mit Hotels in Griechenland vertraglich gute Konditionen ausgehandelt. Auch wenn Kunden, denen sie Pauschalreisen nach Griechenland anbiete, im ersten Moment zögern, verfliege die Skepsis, sobald der Preisvergleich komme. Axel Moser vom Ahrens-Reisebüro spricht von einem „ganz normalen Buchungsverlauf“. Die meisten hätten ihre Reise ohnehin schon längst geplant, storniert habe bisher kein Einziger. „Eher sagen viele: Da wollen wir jetzt erst recht hin, um die Griechen zu unterstützen.“

Auch das Marburger Reisebüro Mundial hat bis jetzt keine Stornierungen oder Umbuchungen für Griechenland. „Die Nachfrage ist allerdings zögerlich, somit werden es wohl weniger Reisende werden als im letzten Jahr“, sagt Gabi Peil. „Laut unseren bereits zurückgekehrten Kunden, gibt es keinerlei Beeinträchtigungen. Das Einzige, was man beachten sollte, ist Bargeld in kleinen Scheinen mitzuführen“, sagt Gabi Peil.

Das Auswärtige Amt rät Reisenden nach Griechenland, sich mit ausreichend Bargeld und mit absehbar benötigten Medikamenten zu versorgen. Die Banken sind vorerst bis zum 13. Juli geschlossen; obwohl die Geldabhebungen an Automaten nur für griechische Bankkarten beschränkt sind, kann es vereinzelt dennoch zu Engpässen kommen.

von Anna Ntemiris

 
Touristenzahlen

Griechenland hat zu Beginn dieses Jahres einen spektakulären Anstieg der Touristenzahlen verzeichnet. Wie das Statistikamt (Elstat) am Donnerstag in Athen mitteilte, erhöhte die Zahl der ausländischen Urlauber sich im ersten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45,6 Prozent auf 1,7 Millionen. Die Statistik berücksichtigt nur die Zeit vor der dramatischen Zuspitzung der Finanzkrise in Griechenland. Für die Auswirkungen der Bankenschließungen und der Einschränkungen im Kapitalverkehr auf den Tourismus liegen noch keine genauen Zahlen vor.

Nach Angaben der Behörde stieg in der Zeit von Januar bis März 2015 die Zahl der Touristen aus EU-Ländern um 70,6 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2014. Besonders hohe Zuwachsraten gab es bei den Urlaubern aus Portugal (560 Prozent), Bulgarien (154), Italien (105) und Frankreich (94). Die Zahl der deutschen Griechenland-Touristen erhöhte sich um 36 Prozent auf 110.000.

von unserer Agentur

 
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