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Reine Luft für China – made in Marburg

Start-up-Unternehmen „CL.AIR“ Reine Luft für China – made in Marburg

Einen ungewöhnlichen Weg geht das heimische Start-up „CL.AIR“: Statt seine Luftreiniger in China herstellen zu lassen, 
produziert das Unternehmen in Elnhausen – um die Geräte in China zu verkaufen.

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Lothar Schneider (links) zeigt das Filterelement, André Treu steht hinter dem montierten Luftreiniger von „Cl.Air“.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Gegründet wurde „CL.AIR“ vergangenes Jahr von Lothar Schneider. Der Diplom-Ingenieur beschäftigt sich bereits seit gut 20 Jahren intensiv mit Lüftungstechnik und war unter anderem maßgeblich an der Entwicklung von Passivhäusern beteiligt.

Der Anstoß, ein neues Luftreinigungssystem zu entwickeln, kam jedoch von einem chinesischen Kunden. Denn dort überschreiten mehr als 90 Prozent der 190 Städte, die ihre Luftwerte registrieren, die nationalen Grenzwerte für Feinstaub. Die Messwerte übersteigen die zulässige Höchstgrenze der Weltgesundheitsorganisation zum Teil um das 34-Fache. Eine aktuelle Studie geht davon aus, dass jedes Jahr 350.000 bis 500.000 Chinesen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben.

Saubere Luft ist also ein wertvolles Gut. Doch Schneider und André Treu, Geschäftsführer bei „CL.AIR“, wissen, dass die Konkurrenz groß ist: Es gibt schon zahlreiche Luftreinigungssysteme auf dem chinesischen Markt. Es mussten also innovative Ideen her.

„Drei Parameter sind zunächst entscheidend“, weiß André Treu: „Die Filterleistung, die Geräuschentwicklung und der Energieverbrauch.“ Außerdem sollen die Luftreiniger des Start-ups auch ästhetischen Ansprüchen genügen, „sie sollen sich unaufdringlich in den Wohnraum einfügen – wie ein schönes Möbelstück“, erläutert er im Gespräch mit der OP. Und Treu und Schneider wissen auch: „Made in Germany ist in China ein absoluter Qualitätsbegriff“ – daher würden die Geräte in Elnhausen produziert und zwar bisher einzeln in Handarbeit.

Filter absorbiert 
auch kleinste Partikel

Kernstück der Luftreiniger ist das Filterelement. Es besteht zunächst aus einem Vorfilter, der bereits die gröbsten Partikel aus der Luft entfernt. Dann folgt ein Hepa-Filter, der unter anderem Pollen, Staub, Schimmelpilze und mehr absorbiert. Den Abschluss bilden ein Formaldehyd- und ein Aktivkohlefilter.

So würden 100 Prozent von Partikeln gefiltert, die zehn Mikrometer groß sind. „Entscheidend sind aber Partikel, die 2,5 Mikrometer klein sind – das sind 0,0025 Millimeter“, erläutert Treu. Im Vergleich: Ein menschliches Haar ist 28-mal dicker.

Diese winzigen Partikel seien „lungengängig“, könnten sich in den Atemwegen festsetzen und so schwere Erkrankungen verursachen. „Die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt diesen Wert in ihrer Luftgüten-Richtlinie vor“, erläutert Treu – die Geräte von CL.AIR filterten mehr als 99,97 dieser Partikel aus der Luft. Nach einem Jahr müssen die Filter gewechselt werden, was mit wenigen Handgriffen und ohne Werkzeug erledigt ist. Sie kosten – je nach Aufbau – zwischen 149 und 199 Euro.

„Wir haben natürlich auch die Geräte der Wettbewerber analysiert“, sagt Lothar Schneider. „Und wir übertreffen diese in 
allen wesentlichen Punkten.“ So hätten neben der Filterleistung vor allem Energieeffizienz und Lautstärke im Fokus der Entwicklung gestanden.

„Wir zielen bewusst auf die Oberschicht ab“

„Unser Gerät läuft auf der niedrigsten Stufe so leise, dass man es problemlos im Schlafzimmer betreiben kann“, versichert André Treu. Und der Energieverbrauch betrage lediglich 79 Watt. Erreicht werden diese Werte durch hochwertige Komponenten, die von jeweiligen Marktführern zugeliefert werden.

Der Preis beträgt – je nach Filter – zwischen 1190 und 1240 Euro. „Wir zielen damit bewusst auf die Oberschicht in China ab“, erläutert Treu. Man verfüge bereits über ein recht großes Auftragsvolumen, da man zwei Vertriebspartner in China gewinnen konnte. Selbstverständlich sind die Geräte auch in Deutschland erhältlich. „Bei uns sind sie vor allem für Allergiker sehr interessant“, ist sich Schneider sicher.

Das Konzept von „CL.AIR“ wurde bereits ausgezeichnet: Bei einem Start-up-Wettbewerb von „Promotion Nordhessen“ landete das Unternehmen auf dem dritten Platz. Und die Entwicklung geht bereits auf die nächste Stufe: Ein renommierter Fensterhersteller hat das Marburger Unternehmen damit beauftragt, ein Lüftungssystem zu entwickeln, das in Fenster eingebaut werden kann. „Ein toller Erfolg“, freut sich Schneider, der bereits voll in der Entwicklung steckt.

Für das junge Unternehmen stehen die Zeichen also auf Expansion: Bis Ende 2016 sind 
13 Mitarbeiter geplant, viele als Werkstudenten. „Diese Zahl wollen wir bis 2018 verdoppeln“, sagt André Treu.

von Andreas Schmidt

 
Student Andreas Meß beim Zusammenbau eines Luftreinigungsgeräts. Foto: Andreas Schmidt
 
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