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Reichwein-Schüler erkunden Israel

Austausch zwischen Marburgern und Israelis Reichwein-Schüler erkunden Israel

Schüler im Ausbildungsschwerpunkt Medien- 
und Gestaltungstechnik des Beruflichen Gymna­siums und der Höheren Berufsfachschule nahmen am ersten Israel-Austausch der Adolf-Reichwein-Schule teil.

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Die Gruppe in der „Halle der Namen“ der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, in der auch die ­Namen einiger Marburger hängen.

Quelle: Christoph Paul

Marburg. „Jerusalem ist die schönste Stadt, die ich je gesehen habe“, erklärt Bobbi-Jo Brown, Schülerin der Adolf-Reichwein-Schule (ARS). „Und das, obwohl ich schon viel gereist bin“, fügt die 19-Jährige an. Gemeinsam mit neun anderen Schülerinnen und Schülern und zwei Lehrern war sie für eine Woche in Israel – als Gegenbesuch. Denn im November war eine Gruppe israelischer Schüler aus dem Ayanoth-Jugenddorf südlich von Tel Aviv zu Gast bei der ARS.

„Das muss man sich wie ein Internat oder Landschulheim vorstellen“, erklärt Lehrer Christoph Paul, der die Schüler mit seinem Kollegen Dirk Arnold begleitet hat. Es sei 1930 gegründet worden, mit der Absicht, jüdischen Einwanderer-Kindern ein Zuhause zu geben. Heute seien teils auch Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen dort untergebracht.

Ähnlich wie an der ARS gebe es auch dort einen Ausbildungsschwerpunkt Medien- und Gestaltungstechnik. Daher setzten die Schüler dort ihre Auseinandersetzung mit dem Thema „Flüchtlinge in deinem und in meinem Land“ fort, diesmal mit dem Medium Video.

In gemischten Kleingruppen erstellten sie vier Clips von wenigen Minuten. Einer davon zeigt beispielsweise einen jungen Mann, der nachts im Freien schläft und dann von den Geräuschen eines Mannes mit Spürhund geweckt wird. Dazu hört man anfangs eine Stimme aus dem Off, die erzählt, warum der junge Mann auf der Flucht ist. Sie gehört einem Sudanesen, den die Schüler auf einem Spielplatz in einem Viertel von Tel Aviv getroffen haben.

Er ist illegal in Israel, deshalb wollten sie ihn an einem unverfänglichen Ort treffen. „Er hätte in der Armee gegen seine eigene Volksgruppe kämpfen müssen“, erklärt Lehrer Paul. Daher habe er sich stattdessen den Rebellen angeschlossen. Wenn er danach zu seiner Familie zurückgekehrt wäre, hätte ihm das Gefängnis oder der Tod gedroht. Daher habe er nicht wieder in seine Heimat gehen können. In Israel sei er dann in einem Erstaufnahmelager untergebracht worden.

Präsentation für Vertreter der Botschaft

Inzwischen habe er mit einer Israelin ein Kind. „In Israel ist er zwar sicher, aber illegal, eine Dilemma-Situation.“ „Wie sie mit Flüchtlingen umgehen ist vor ihrem eigenen historischen Hintergrund schon seltsam“, findet die Schülerin Brown. Bevor die Gruppenarbeit im Jugenddorf begann, haben sich die Schülerinnen und Schüler in Jerusalem Yad Vashem ­eine Holocaust-­Gedenkstätte angeschaut. In der „Halle der Namen“ soll an alle Menschen erinnert werden, die starben. „Auch Marburger sind darunter“, erklärt Lehrer Paul.

Die Altstadt, die Klagemauer und die Grabeskirche haben sie sich auch angeschaut. In 
En Gedi am Toten Meer übernachteten sie in einem Kibbuz, wanderten zum Sonnenaufgang auf die Festung Masada, die einst Herodes baute.

Auch Tel Aviv als eine sehr moderne Stadt, die erst nach Staatsgründung entstanden sei, hätten sie besichtigt. Am Abschlussabend seien die Videos präsentiert worden, auch ein Vertreter der deutschen Botschaft und des israelischen Erziehungsministeriums seien unter den Gästen gewesen.

„Wir sind alle gleich, lasst uns eine bessere Zukunft erschaffen“, steht am Ende auf Englisch in einem der Videos. Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln des Programms „Europeans for Peace“ von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ).

von Freya Altmüller

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