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Vermittlung „abseits von Standards“

Regionales Kompetenzzentrum Arbeit Vermittlung „abseits von Standards“

Vor rund einem Jahr startete das Projekt „Regionales Kompetenzzentrum Arbeit“ von Integral und Kreisjobcenter. Nun 
stellten die Beteiligten ein Fazit vor.

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Stellten die Bilanz des „Regionalen Kompetenzzentrums Arbeit“ in Marburg vor: Uwe Kreiter (von links), Dörte Ahrens, Claudia Gotscher, Marian Zachow, Helge Micklitz und Simone Gsöllpointner.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Vor allem Langzeitarbeitslose scheinen von der positiven Entwicklung des Arbeitsmarkts abgekoppelt. Denn während die Arbeitslosenquote Monat für Monat auf neue Rekordtiefen sinkt, braucht es wesentlich stärkere Bemühungen, um auch für Langzeitarbeitslose wieder positive Perspektiven durch ihre Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Arbeit zu schaffen.

Diesem Problem wollte das „Regionale Kompetenzzentrum Arbeit“ (RKA) von Integral und dem Kreisjobcenter (KJC) entgegentreten: Sie bewarben sich erfolgreich um ein Projekt des Hessischen Sozialministeriums mit dem Titel „Kompetenzen entwickeln – Perspektiven fördern“ und erhielten eine Fördersumme in Höhe von 750.000 Euro.

Claudia Gotscher vom Referat „Hessische Arbeitsmarktförderung“ erläuterte, dass insgesamt elf Projekte in Hessen gestartet seien – für diese stünden bis 2019, also bis zum Ende der Legislaturperiode – 
10 Millionen Euro zur Verfügung. Die Projekte hätten das Ziel, „Langzeitleistungsbeziehende in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung einmünden zu lassen. Wie die Träger dieses Ziel erreichen, oblag dem einzelnen Träger“, erläuterte sie.

Projekt setzte viel 
kreatives Potenzial frei

Der Rahmen sei sehr breit gesteckt gewesen, „die Träger haben kreative Ansätze entwickelt und die Flexibilität sehr gut genutzt“. Dörte Ahrens, Leiterin des Referats „Hessische Arbeitsmarktförderung“ beim Sozialministerium, erläuterte, dass man mit dem Projekt bewusst andere Wege habe gehen wollen. „Es gibt viel Verantwortung bei den Trägern und den Jobcentern für ihr Klientel – verbunden mit viel Know-how.“

Durch das Projekt und die unterschiedlichen Ansätze hätten sich bereits zahlreiche Impulse ergeben, wie man Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit bringen könne. „Der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig“, stellte Ahrens fest, die Projekte würden Barrieren und Vermittlungshemmnisse abbauen, indem sie „abseits von Standards, aber dennoch nach Regeln arbeiten“.

Helge Micklitz, Geschäftsführer von Integral, erläuterte, dass „wir frei denken konnten – und unter Zielvorgaben frei waren“. Wenn man zwar ein Ziel habe, „aber nicht gesagt bekommt, wie man es erreichen soll, dann wird viel kreatives Potenzial freigesetzt“. Das werde beim RKA sichtbar.

Authentische Rollenspiele als Übung

Neben klassischem Bewerbungstraining oder EDV-Grundlagen gibt es etwa auch eine Beratung zu den Themenfeldern Gesundheit, Ernährung und Entspannung. So beinhalten die Kurse etwa Gymnastik-Übungen, um die Mobilität der Teilnehmenden anzuregen – oder auch Nordic-Walking-Einheiten.

Beim Training für Vorstellungsgespräche setzt das RKA auf die Zusammenarbeit mit Schauspielern für authentische Rollenspiele. Der Themenblock „Körpersprache und Kommunikation“ wird mittels Video-Analyse unterstützt.

Micklitz weiß: „Viele Menschen, die schon länger langzeitarbeitslos sind, haben eine Misserfolgs-Karriere.“ Daher müsse man diese Menschen zunächst erreichen – im Kopf, auf der Gefühlsebene und durch aufsuchende Arbeit auch durchaus räumlich. Und dann gebe es ein individuelles Coaching – dabei werde den Coaches gespiegelt, dass die Teilnehmer schon positiv überrascht seien, dass sich jemand Zeit für sie nehme. „Wir wecken in den Menschen den Glauben, dass sie noch einmal neu anfangen können – sie glauben dann daran, dass sie wieder eine Chance haben.“

Ganzheitlicher Ansatz stärkt die Kursteilnehmer

Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow verdeutlicht: „Gerade bei der Arbeitsmarktvermittlung kommt es nicht nur auf die Beratung an. Denn oft stecken die Hemmnisse in ganz anderen Bereichen.“ Ob Bildung, Gesundheit, Familiensituation – „wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der auf jede einzelne Person ausgerichtet ist. Hier geht es auch um Persönlichkeitsbildung“.

Zu diesem Prozess gelte es auch, die Arbeitgeber für die Langzeitarbeitslosen zu sensibilisieren – dies gelinge ebenfalls langsam, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. „Menschen, die erstmal gestärkt sind, sind letzten Endes auch stärker am Arbeitsmarkt“, ist sich Zachow sicher.

Dass der Ansatz des RKA funktioniert, belegen die Zahlen: Im ersten Jahr konnten 84 Teilnehmer in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden, 53 davon in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse.

Das entspreche bei 260 Teilnehmern einer Quote von 33 Prozent – im Konzept habe man sich zu 20 Prozent verpflichtet. „Und die Kurve zeigt weiter nach oben“, erläutert Micklitz.

von Andreas Schmidt

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