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„Regionale Schlachtung ist möglich“

Schlachthof-Alternative „Regionale Schlachtung ist möglich“

Nach der Einstellung der Schlachtung am Marburger Schlachthof müssen die heimischen Metzger mitunter lange Wege in Kauf nehmen. Ein Metzger aus Niederasphe hat seinen Schlachtbetrieb nun erweitert.

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Marc Mattes von der Metzgerei Engelbach in Niederasphe möchte den heimischen Metzgern eine Alternative bieten.

Quelle: Andreas Schmidt

Niederasphe. Im Schlachtgeschäft kennt sich Marc Mattes bestens aus. Er ist Inhaber der Metzgerei Engelbach in Niederasphe - und schlachtet derzeit schon rund 120 Schweine in der Woche.

Jetzt hat er seinen Schlachtbetrieb deutlich ausgebaut: Vom Regierungspräsidium in Gießen hat er seine Schlachtanlage überprüfen lassen und hat nun eine Genehmigung, dass er 200 Tiere in der Woche schlachten darf.

Doch Mattes ist auch verärgert - denn der Obermeister der heimischen Metzger-Innung, Hermann Rhiel, habe bei der Jahreshauptversammlung deutlich gesagt, dass die Tiere nach der Einstellung des Schlachtbetriebs in Wehrda nun „60 Kilometer und mehr“ gefahren werden müssten. „Wir sind auch noch da“, sagt Mattes. „Und wir sind nur knapp 30 Kilometer von Marburg weg. Eine regionale Schlachtung ist möglich.“ Das werde aber vom Obermeister ignoriert.

Langjährige Kunden hat Mattes bereits im Landkreis, von Biedenkopf bis in den Südkreis. Darüber hinaus bedient er auch schon den Lahn-Dill-Kreis, etwa mit Kunden in Dillenburg, „und das schon seit mehr als 25 Jahren“. Dabei bietet Mattes seinen Kunden einen Service, der der Sicherheit dient: „Ich hole die Schweine bei den Kunden der Metzger ab, schlachte sie hier - und die Metzger bekommen ihre Schweine wieder“, erläutert er. „Also genau so, wie es der Verbraucher gerne hätte“, führt er aus. Kühl-Laster, Anhänger, Viehtransporter - alles ist dafür bei Mattes vorhanden. Der Metzger sagt: „Wir waren nach dem Schlachthof schon immer der größte Schlachtbetrieb in der Region.“ Und das zu konkurrenzfähigen Preisen, wie er versichert.

Er wisse, dass der Schlachthof zum Schluss etwa 120 Schweine pro Woche geschlachtet habe, „diese Kapazität kann ich locker abdecken. Aber ich wünsche mir, dass der Obermeister auch auf das Angebot hinweist“, so Mattes. Denn: Je mehr Kollegen sein Angebot annähmen, desto besser könnten die Metzger mit der Regionalität des Fleischs werben.

Dass der Schlachthof verkauft sei (die OP berichtete), war Mattes nach eigenen Angaben schon lange bekannt. „Daher haben wir uns immer gewundert, dass die Politik noch zur Rettung eingeschaltet wurde“, sagt Mattes. Denn als die Diskussion aufgekommen sei, habe der Kaufvertrag nach seinen Informationen bereits vorgelegen.

Dass es für den Schlachthof bei sinkenden Schlachtzahlen letztendlich keine Möglichkeit mehr gegeben habe, sei ihm völlig klar: „Das ist ein Riesenbetrieb, die Infrastruktur muss trotz weniger Schlachtungen weiter betrieben werden - das konnte nicht mehr wirtschaftlich sein“, ist er sich sicher.

Hinzu komme beispielsweise auch, dass der Schlachthof für viele Dinge, mit denen Großschlachtereien Geld verdienen würden, sogar Entsorgungsgebühren zahlen müssten. „Pfoten und Ohren mussten in Wehrda teuer entsorgt werden. Für einen Großschlachter ist dies ein Zusatzgeschäft, denn Schweine-Ohren gelten beispielsweise in China als Delikatessen.“ Da sei es beispielsweise für den Branchenprimus Tönnies kein Problem, „mal schnell einen Container voll zu machen und nach China zu verschiffen“.

Auch in seinem Betrieb sei dieses Zusatzgeschäft natürlich nicht möglich. Aber obwohl Mattes seinen Betrieb in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert habe sei es letztendlich „ein Betrieb, in dem handwerklich gearbeitet wird.“ Eben wie im Schlachthof Wehrda - nur eben kleiner“.

Auch mit dem Veterinäramt habe er bereits gesprochen, um die Ausbildung der Veterinärmedizinstudenten sicherzustellen. „Wir haben noch Platz auf dem Grundstück, dort wäre ich bereit, einen Anbau zu schaffen, wenn die Untersuchungsmöglichkeiten in Wehrda wegfallen.“ Darüber sei jedoch noch nicht entschieden worden. „Aber ich stehe bereit“, versichert er.

von Andreas Schmidt

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