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Referenten stellen sich Fragen des Publikums

Betriebliches Gesundheitsmanagement Referenten stellen sich Fragen des Publikums

„Hilfe! Ein Familienmitglied wird zum Pflegefall. Was tun?" Dieser Frage ging das betriebliche Gesundheitsmanagement der Eisengießerei Fritz Winter bei einer Informationsveranstaltung nach.

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Auf dem Podium saßen Simone Kretschmar (von links), Michael Goetz, Dr. Anna Stach und Dieter Kurth.

Quelle: Klaus Böttcher

Stadtallendorf. „2,6 Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig und jeder Fünfte hat in seinem Umfeld einen Pflegebedürftigen“, erklärte der Personalleiter der Firma Winter, Andreas Fiedler, im Parkhotel bei der Begrüßung.

Viele würden sich die Frage stellen, was passiere, wenn jemand in der Familie zum Pflegefall werde. Da diese Frage für alle wichtig sei, habe die Firma die Informationsveranstaltung zu einer öffentlichen Veranstaltung für alle interessierten Bürger erklärt. Der Sozialberater und -betreuer der Firma Winter, Hans-Jürgen Decher, hatte das Programm gestaltet, fachkompetente Referenten eingeladen und moderierte den Abend.

Vom Pflegestützpunkt des Landkreises waren Simone Kretschmar aus Stadtallendorf und Dieter Kurth aus Marburg gekommen. Simone Kretschmar zeigte in ihrem Kurzreferat, wo man Hilfe erhalten kann und welche Leistungen im Pflegefall möglich sind. Ihr Kollege Dieter Kurth erklärte den rund 50 interessierten Besuchern, wie man Pflege und Beruf miteinander vereinbaren kann.

Längere Freistellungen sind nach Absprache möglich

Die Fachleute verdeutlichten einige Grundsätze in ihren Referaten und später in der Diskussion. Daraus wurde deutlich, dass die Personen, die plötzlich vor der Frage der Pflege stehen, nicht alleine sind. Zu den Pflegestützpunkten kann jeder gehen, es gibt eine kostenlose Erstberatung und den Hilfesuchenden wird geholfen. Wenn es sein muss, kommen die Mitarbeiter des Pflegestützpunktes auch nach Hause, um vor Ort zu beraten und eventuell anfallende Umbauten mit den Betroffenen zu besprechen. Denn häufig wird zu Hause gepflegt. Das wurde aus den Zahlen deutlich, die Kretschmar erläuterte.

Von den 2,6 Millionen Pflegebedürftigen leben nur 20 Prozent in Heimen und 1,9 Millionen von ihnen werden zu Hause gepflegt. Im Landkreis gibt es 9000 Menschen, die Pflegeleistungen in Anspruch nehmen, von ihnen werden 75 Prozent durch Angehörige gepflegt. Dieter Kurth erklärte anschaulich, wer Pflegeunterstützungsgeld bekommen kann und im akuten Pflegefall zehn Tage zu Hause bleiben darf. Der Arbeitgeber müsse weitere zehn Tage unbezahlten Urlaub dazugeben. Außerdem seien mit zeitlichem Vorlauf und Absprache mit dem Arbeitgeber längere Freistellungen möglich.

Der Stadtallendorfer Fachanwalt für Sozialrecht, Michael Goetz, referierte zu der Frage, wer die stationäre Pflege bezahlt, wer wie viel zahlen muss und was er behalten darf. Er verdeutlichte das anhand von Zahlen und Beispielen. Goetz betonte, dass Unterhaltsansprüche nur bei Eltern gegen Kinder und umgedreht bestünden. Aus seinen Schilderungen wurde deutlich, dass der zu zahlende Anteil meistens nicht so hoch sei, wie viele annähmen. Allerdings richte sich der Betrag nach den jeweiligen Einkommens- und Vermögensverhältnissen.

Referenten führen auch Einzelgespräche

Schließlich beleuchtete Dr. Anna Stach vom Marburger Verein für Selbstbestimmung und Betreuung das Thema rechtliche Betreuung und Vorsorge. Aus ihren Schilderungen wurde deutlich: Wenn man nicht möchte, dass ein Fremder zum Betreuer bestellt wird, sollte man rechtzeitig eine Vorsorgevollmacht erstellen.

Alle vier Referenten stellten sich auf dem Podium der Diskussion und beantworteten Fragen, standen später auch für Einzelgespräche zur Verfügung. Es ging ebenso um häusliche Pflege, wie um Arbeitsersatzleistungen, den Selbstbehalt bei Heimunterbringung oder die Frage, ob der Ehepartner des Pflegebedürftigen das Haus behalten dürfe. Auch die finanzielle Unterstützung bei nötigen Umbauten wurde ebenso thematisiert wie die Beschaffung von Pflegemitteln wie Pflegebett oder Rollator. Die vielen Fragen wurden oftmals mit praxisorientierten Beispielen beantwortet.

von Klaus Böttcher

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