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Querdenken als Schlüssel zum Erfolg

Job-Akademie Querdenken als Schlüssel zum Erfolg

Die Job-Akademie des Landkreises hat mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft einen neuen Kooperationspartner und ist nun in der Temmlerstraße 3 in größere Räume gezogen.

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Yvonne Engel (links), Teilnehmerin der Job-Akademie des Kreisjobcenters, arbeitet gemeinsam mit Job-Coach Verena Köhler an ihrer Bewerbung in den neuen Räumen der Akademie in der Temmlerstraße 3.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) bezeichnet die Job-Akademie „als eine unserer Erfolgsgeschichten“. Er gibt zwar zu, dass die Idee der individuellen Vermittlung und Qualifizierung von Kunden des Kreisjobcenters (KJC) ursprünglich aus den Niederlanden stamme. Doch sie passe hervorragend in das Konzept des KJC, denn: „Wir suchen immer nach neuen Lösungen und neuen Modellen, wie wir die Kunden noch besser betreuen können, damit sie noch schneller wieder in Arbeit kommen.“

Allerdings dürfe man sich auf Erfolgen nicht ausruhen, sondern Konzepte immer weiter optimieren. Und das sei nun geschehen: Die Job-Akademie hat nun neue Räume in der Temmlerstraße 3 bezogen. Gleichzeitig wurde mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft ein neuer Kooperationspartner ins Boot geholt. Nötig sei dies geworden, weil „das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die bisherige Form der Selbstvornahme durch die Jobcenter nicht mehr unterstützte. Dadurch gab es sehr restriktive Vorgaben“, erläutert Andrea Martin, Leiterin des KJC. So habe das Ministerium zur Auflage gemacht, dass das KJC eine Zertifizierung als Bildungsträger absolvieren müsse, wenn es die Eigenverwaltung beibehalten wolle. Doch das sei nicht möglich gewesen, so Martin. Noch dazu, wo dem KJC seit Jahren drastisch die Mittel gekürzt werden.

Das Geld fließe besser in die Vermittlung und Qualifizierung der Kunden des KJC. Und dass diese erfolgreich sei, unterstrich die Leiterin mit Zahlen: So gab es seit Beginn der Job-Akademie im Januar 2008 bis zum Stichtag 31. Mai dieses Jahres 2414 Teilnehmer - von diesen konnten 1502 erfolgreich in sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt werden, was einer Quote von 62,2 Prozent entspricht.

„Dabei wurden wir im Laufe der Jahre immer erfolgreicher“, so Martin. Denn so wurden im ersten Halbjahr von 174 Teilnehmern 148 vermittelt - was einer Quote von 85,05 Prozent entspricht.

Warum die Job-Akademie so erfolgreich ist, erläutert Thomas Dolla-Friedrich, einer der Job-Coaches: „Wir schauen immer auf die individuellen Fähigkeiten der Teilnehmer.“ So sei es während der achtwöchigen Kursdauer wichtig, berufliche Perspektiven zu entwickeln. „Wer beispielsweise ein Soziologiestudium absolviert hat, sucht zunächst nach Soziologie-Stellen - und findet nichts. Wir arbeiten die Skills der Teilnehmer heraus, schauen auch auf die sonstigen Erfahrungen, etwa durch ehrenamtliche Arbeit und mehr.“

Blick über den Tellerrand

So habe die Job-Akademie kürzlich einen Teilnehmer vermittelt, der Orientwissenschaft studiert habe. „Er ist jetzt Koordinator für Migrationsarbeit in Osnabrück geworden. Das ging nur, weil wir einen anderen Blickwinkel miteinander entwickelt haben - er konnte nämlich arabisch und kennt andere Kulturen, weil er in Ägypten gelebt hat.“ Diese interkulturellen Kompetenzen hätten den Ausschlag gegeben. „Querdenken ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg“, ist sich der Job-Coach sicher.

„Es stärkt natürlich auch das Selbstwertgefühl und die Motivation der Menschen, wenn sie sich auf ihre Stärken besinnen. Das bringt mehr als die Leute einzuladen und zu sagen, bitte zehn Eigenbemühungen bis zum nächsten Termin vorzuweisen“, ergänzt Andrea Martin. Wichtig sei dabei auch die enge Verzahnung mit dem Arbeitgeber-Personalservice des KJC.

In den Regionalcentern Biedenkopf mit dem Projekt „JobOffensive“ und Stadtallendorf mit „Job Direkt“ wird den Kunden jeweils vor Ort und ebenfalls mit Unterstützung von Bildungsträgern ein identisches Angebot unterbreitet.

Hintergrund:

Die Idee der Job-Akademie des Kreisjobcenters ist an die erfolgreiche „Werkakademie“ aus den Niederlanden angelehnt. Sechs Fallmanager des KJC hatten in 2007 gemeinsam mit dem Gründer der Werkakademie ein Konzept für die Umsetzung im Landkreis entwickelt. Entstanden ist die Job-Akademie, die am 28. Januar 2008 im Kreis an den Start ging – damals mit 2 Coaches und 15 Teilnehmern. Mitte 2008 war die Nachfrage bereits immens gestiegen: Die Teilnehmerplätze wurden auf 60 und die Coaches auf 4 aufgestockt. Eine nächste Erweiterung folgte im Januar 2012 auf 75 Plätze.

Seit dem 10. Juni dieses Jahres wurde die Zahl der Teilnehmerplätze durch die Kooperation mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft auf 90 erhöht, die Teilnehmer werden seither durch 4,5 Coaches betreut.

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