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Psychische Erkrankungen nehmen zu

DAK-Gesundheitsbericht Psychische Erkrankungen nehmen zu

Zunächst die gute Nachricht: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Krankschreibungen im Landkreis Marburg-Biedenkopf um 0,3 Prozent leicht gesunken. Allerdings gibt es mehr Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen.

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Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber. Laut DAK-Studie ist die Zahl der Krankschreibungen im Kreis konstant geblieben.Foto: Arno Burgi

Quelle: Arno Burgi

Marburg. Wie in jedem Jahr hat die gesetzliche Krankenkasse DAK-Gesundheit auch für das Jahr 2012 Daten über ihre 30000 Versicherten im Landkreis Marburg-Biedenkopf erhoben und nun einen repräsentativen Gesundheitsbericht vorgelegt. Mit der Höhe des Krankenstands liegt der Landkreis mit 4,4 Prozent über dem Landesdurchschnitt von 4,0 Prozent und auch deutlich über den Großstädten wie Frankfurt (3,4 Prozent), Offenbach (3,7 Prozent) oder Wiesbaden (3,7 Prozent), aber deutlich hinter beispielsweise dem Landkreis Gießen, der 2012 einen Krankenstand von 4,8 Prozent aufwies.

Aber auch wenn die Zahl der Erkrankten nahezu gleichblieb, gibt es eine auffällige Verschiebung, was die Art der Erkrankungen betrifft. Im Vergleich zum Jahr 2000 gingen Krankschreibungen auf Grund einer Erkrankung des Kreislaufsystems und der Atemwege zurück, stattdessen stiegen Fehltage auf Grund Erkrankungen am Muskel-Skelett-System (Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfälle) und vor allem psychischer Erkrankungen stark an. Letztere verzeichnen eine Zunahme in den vergangenen zwölf Jahren von 83 Prozent. Dieser Trend zeigt sich auch auf Bundesebene.

Im vergangenen Jahr gingen im Landkreis 232 Fehltage auf das Konto psychischer Erkrankungen, 242 Fehltage auf Atemwegserkrankungen und 378 Fehltage ließen sich auf das Muskel-Skelett-System zurückführen.

Psychisch Kranke nicht stigmatisieren

„Führt eine verbesserte Kompetenz der Hausärzte sowie eine Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen dazu, dass Ärzte und Patienten eine solche Diagnose eher stellen, beziehungsweise zulassen?“, fragt die DAK in ihrem Bericht. Und außerdem: „Welche Rolle spielt die Arbeitswelt dabei? Haben Belastungen durch Arbeitsverdichtung, Flexibilisierung etc. so stark zugenommen, dass diese (Mit-)Verursacher für diese Entwicklung sind?“ Exemplarisch untersuchte die DAK das Phänomen der ständigen Erreichbarkeit im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen und Burnout. Dabei wird festgestellt, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten (fast) nie außerhalb der Arbeitszeiten angerufen wird, oder E-Mails überprüfen muss. Von denjenigen Patienten mit depressiver Symptomatik wiesen aber etwa ein Viertel vorher ein „hohes Maß an Erreichbarkeit“ auf.

Gefährdet sind Jugendliche, die ständig erreichbar sind

Besonders gefährdet seien dabei die Jugendlichen, die ohnehin ständig erreichbar sind, so Dr. Birgit Wollenschläger vom Marburger Gesundheitsamt. Die Krankenkasse will nun noch stärker auf die Ausweitung der Gesundheitsvorsorge in Betrieben setzen. Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten Mc Govern, der im Landkreis unter anderem zuständig für den Bereich Gesundheit, sagt, in den Betrieben müsse stärkere Aufklärung, zum Beispiel durch Fortbildungen für Führungskräfte, betrieben und Bewegung in den Alltag integriert werden.

Die Arbeitgeber seien aufgefordert sensibler zu agieren, auf der anderen Seite müsse aber auch jeder selber schauen, dass es ihm gut geht. Hinzu komme, dass Ärzte - auch strukturell durch den Zeitmangel bedingt - es sich häufig leicht machen, nicht richtig hinschauen und möglicherweise zu schnell krankschreiben. McGovern fordert, psychisch Erkrankte nicht zu stigmatisieren. von Kristina Gerstenmaier

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