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Protest auf schnellen Sohlen

YKK-Betriebsrat protestiert gegen Tarifflucht Protest auf schnellen Sohlen

Der Reißverschlusshersteller YKK ist aus dem Tarifvertrag ausgestiegen. Das wollen sich Betriebsrat und Mitarbeiter nicht 
gefallen lassen – und 
 haben mit einem Staffellauf dagegen

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Die Staffelläufer von Betriebsräten verschiedener hessischer Firmen und Gewerkschaften zeigten körperlichen Einsatz, um gegen die Tarifflucht von YKK zu demonstrieren.

Quelle: Patricia Grähling

Wenkbach. Einsatz für den Tariflohn: In Wenkbach sind am Samstagmorgen vor den Toren des Reißverschlussherstellers motivierte Läufer gestartet. Der Betriebsrat von YKK und die IG Metall haben einen Staffellauf durch Wenkbach und die Nachbardörfer organisiert, um damit auf die Tarifflucht des Unternehmens hinzuweisen und dagegen zu protestieren.

In Teams aus jeweils drei Personen sind Betriebsräte verschiedener Firmen an den Start gegangen, die selbst noch einen Tarifvertrag haben. Vertreten waren etwa die Belegschaft von Fritz Winter aus Stadtallendorf, von der Uni-Klinik und CSL Behring in Marburg, von Kamax in Homberg oder Mahle in Wölfersheim.

Unternehmen lehnte Gespräche bisher ab

„Wir wollten in irgendeiner Form zeigen: Wir sind bereit uns einzusetzen“, erklärte Betriebsratsvorsitzender Reiner Ruse die Idee zum Staffellauf. Dabei setzen die 160 Mitarbeiter von YKK in Wenkbach sich laut Ruse nicht nur für einen fairen Lohn ein, sondern auch für die Firma. Das hätten sie in der Vergangenheit oft bewiesen: Mit der Bereitschaft zur 40-Stunden-Woche und vor allem damit, dass sie jeden Tag eine Stunde kostenlos gearbeitet hatten, als es der Firma nicht so gut gegangen sei. „Und jetzt, wo es der Firma wieder gut geht, entzieht sie uns den Boden“, kritisiert er. Das sei unfair und unsozial.

Hilfe bei der Organisation hatte der Betriebsrat von der IG Metall. Ferdinand Hareter war als Vertreter beim Lauf am Samstag dabei und erklärte: „Unser Hauptziel ist es, den Arbeitgeber wieder in die Tarifbindung zu bekommen.“ Passiere dies nicht, bekomme die Belegschaft bereits dieses Jahr keine Lohnerhöhung mehr. Das wollen sich die Mitarbeiter nicht gefallen lassen. Das Unternehmen habe bisher jegliche Gespräche abgelehnt, „also werden wir keine Ruhe geben“, sagt der Gewerkschafter.

„Wir hören erst dann auf, wenn der Arbeitgeber uns entgegenkommt und wieder der Tarifbindung beitritt“, betonte auch Betriebsrat Ruse. Die Mitarbeiter demonstrierten am Samstag auch ihren Zusammenhalt: Sie feierten vor den Toren von YKK ein kleines Fest bei Kaffee und Kuchen. Mittlerweile sind mehr als 120 von ihnen Mitglied in der IG Metall.

Mit dabei waren auch Betriebsräte der Hessischen Schraubenfabrik Welter. Die verkündeten einen kleinen Erfolg im eigenen Betrieb: So sei dort angedeutet worden, dass das Unternehmen ebenfalls aus dem Tarifvertrag austreten wolle. Der Betriebsrat habe daraufhin Informationen über die Aktivitäten und Zeitungsberichte über YKK in der Firma verteilt. „Nun haben wir die schriftliche Zusage, dass zumindest bis zum 30. Juni nichts passiert“, verkündete der gastierende Betriebsrat.

  • Gewonnen hat das Team von YKK, gefolgt vom Team der Eisengießerei Winter und dem Gemeinschafts-Team DGB Mittelhessen / Kamax. Der Erlös soll an den Verein krebskranker Kinder in Gießen gespendet werden.

von Patricia Grähling

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