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Projekt soll in Ausbildung münden

„Wirtschaft integriert“ Projekt soll in Ausbildung münden

Flüchtlingen eine Perspektive durch Arbeit bieten: Das ist Inhalt des Projekts „Wirtschaft integriert“, das im Idealfall in einer Ausbildung gipfelt.

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Der Verwaltungsausschuss der Arbeitsagentur Marburg informierte sich im Bildungszentrum der Bauwirtschaft über das Projekt „Wirtschaft integriert“, das Flüchtlingen eine Chance auf Ausbildung ermöglichen soll.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Jüngst informierte sich der Verwaltungsausschuss der Marburger Agentur für ­Arbeit über das Projekt, das in Marburg im Bildungszentrum der Bauwirtschaft am Afföller angeboten wird – und das nun bereits mit dem dritten Kurs.

„Wirtschaft integriert“ soll jungen Menschen mit erhöhtem Sprachförderbedarf den Weg in die Ausbildung ermöglichen. Zielgruppe sind laut Hessischem Wirtschaftsministerium Menschen unter 27 Jahren, die noch nicht genug Deutsch sprechen, um ­
eine Ausbildung ohne Hilfe zu absolvieren. Teilnehmen 
können schon länger­ hier 
lebende Menschen mit Migrationshintergrund – ­anerkannte 
Flüchtlinge ebenso, wie Asylbewerber mit ­Bleibeperspektive sowie ­geduldete junge Menschen ohne Arbeitsverbot.

Das Projekt besteht aus drei Phasen: Der Berufsorientierung, der Einstiegsqualifizierung (EQ) und der betrieblichen Ausbildung. Alle werden von berufsbezogener Sprachförderung flankiert.

Manuela Breuer und Steffen Uhde vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft erläuterten das Projekt. „Alles beginnt mit der Berufsorientierung ,BO plus‘, die in der Regel drei ­Monate dauert“, so Breuer. Innerhalb dieser Zeit könnten die jungen Menschen verschiedene handwerkliche Berufe austesten, bekämen eine Sprachförderung – und zugleich würden ihnen auch Werte und Normen in Deutschland vermittelt.

Auch während Ausbildung findet eine Begleitung statt

„Dabei werden sie zusätzlich von Sozialpädagogen begleitet“, erläuterte Breuer. Ziel sei es, in dieser ersten Phase einen Betrieb zu finden, „in dem die jungen Menschen dann entweder eine Einstiegsqualifizierung oder eine Ausbildung absolvieren können“. Im Regelfall solle die Einstiegsqualifizierung (EQ) in einer Ausbildung münden.

Die EQ – als zweite Phase des Projekts – dauere in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten. „Während dieser Zeit bekommen die Teilnehmer auch einen Stütz- und Förderunterricht an eineinhalb Tagen in der Woche, und zwar in Deutsch und in berufsbezogener Unterstützung“, verdeutlichte Manuela Breuer. Der große Unterschied zur „normalen“ EQ liege darin, dass die Teilnehmer nicht die Berufschule besuchten, „der Unterricht findet im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft statt“. Während der EQ gebe es eine Praktikumsvergütung, die von der Arbeitsagentur oder dem Kreisjobcenter gezahlt werde. „Alle weiteren Kosten trägt das Hessische Wirtschaftsministerium“, sagte Breuer.

Dritte Phase des Projekts ist die „Ausbildungsbegleitung plus“. Das bedeutet: Wenn die Jugendlichen einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben, werden sie weiterhin mit Stütz-­Unterricht und durch ­Sozialpädagogen begleitet.

Wichtig sei, dass die Teilnehmer von Beginn an Interesse an einer Ausbildung hätten. „Wenn man einen jungen Menschen hat, der sagt, dass er studieren möchte, ist das Projekt nicht ­geeignet“, sagte Breuer.

Prinzipiell eigne sich das Projekt für alle Ausbildungsberufe in der Dualen Ausbildung. „Dadurch, dass wir mit dem BZ Bau zusammenarbeiten, liegt der Fokus zunächst auf handwerklichen Berufen. Aber wer in einem anderen Bereich seine Ausbildung machen möchte, dann ist das ebenfalls möglich“, verdeutlichte Breuer.

Vermittlungsquote liegt bisher bei rund 66 Prozent

Koordinator Steffen Uhde erläuterte, dass vor allem in der ersten Phase die Teilnehmer zunächst in der ersten Woche ausprobieren würden, ob eine Ausbildung für sie infrage käme oder die Deutschkenntnisse ausreichten. „im ersten Kurs hatten wir 15 Anfragen, 9 Teilnehmer haben die erste Phase abgeschlossen“, sagte er. Von diesen seien fünf in die EQ-Phase übergegangen, der Rest sei in Deutschkurse oder andere Projekte vermittelt worden.

Ähnlich sah es im zweiten Kurs aus: 16 Interessenten gab es, 9 absolvierten die Berufsorientierungs-Phase. „Sechs Teilnehmer gingen dann in eine EQ über“, so Uhde – die Vermittlungsquote liege also bisher bei rund 66 Prozent.

Ende Januar hat der dritte Kurs im BZ Bau begonnen – mit 14 Teilnehmern. „Wir sind schon gespannt, wie hier die Vermittlung in die EQ ablaufen wird“, so Uhde.

Rudolf Paulus vom BZ Bau verdeutlichte, dass die Berufe, die die jungen Leute in der Orientierungsphase ausprobierten, zunächst gar nicht so wichtig seien. „Viel wichtiger ist, dass man sieht, wie sich die Teilnehmer integrieren, ob sie pünktlich und zuverlässig sind“, sagte er.

„Wenn jemand hinterher Friseur werden möchte, dann lässt sich das immer noch realisieren – auch, wenn sie sich hier zunächst in Bauberufen ausprobieren. Wir vermitteln sie dann auf jeden Fall weiter“, so der Ausbildungsleiter. Die Erfahrungen mit den bisherigen Kursen seien bisher auf jeden Fall sehr positiv.

  • Gefördert wird „Wirtschaft integriert“ vom Land Hessen, dem europäischen Sozialfonds, den Agenturen für Arbeit sowie den Jobcentern. Koordinator für die Region Mittelhessen ist Steffen Uhde. Kontakt: Telefon 0641/9823828, E-Mail: uhde.steffen@bwhw.de.

von Andreas Schmidt

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