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Private Pleiten im Landkreis nehmen zu

Weniger Firmeninsolvenzen Private Pleiten im Landkreis nehmen zu

Die Zahl der angemeldeten Firmeninsolvenzen beim Amtsgericht Marburg hat sich in diesem Jahr – parallel zum Bundestrend – erneut rück­läufig entwickelt.

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Im Landkreis meldeten in diesem Jahr weniger Firmen, aber mehr Privatleute, Insolvenz an.

Quelle: Soeren Stache

Marburg. Laut Marité Friedel-Dilling, der Pressesprecherin des Amtsgerichts Marburg, gingen beim Amtsgericht Marburg bis Dienstag 166 Insolvenzanträge von Firmen ein. Im Vorjahr waren es noch 196 Anträge – das entspricht einem satten Minus von 15,3 Prozent. Von diesen Verfahren wurden bisher 74 eröffnet.

Gegen den Bundestrend entwickelten sich indes die Privatinsolvenzen: Gab es beim Amtsgericht Marburg, das für die Insolvenzen von Schwalmstadt über Biedenkopf bis Marburg zuständig ist, im vergangenen Jahr noch 351 Anmeldungen von Privatinsolvenz, waren es in diesem Jahr bis Dienstag 397 Anträge – das entspricht einem Plus von 13,1 Prozent. Bei den Privatinsolvenzen wurden bisher 348 Verfahren eröffnet. Zum Vergleich: Bundesweit wurden in diesem Jahr 79 030 Privatinsolvenzen gezählt – was einem Rückgang um 8,6 Prozent entspricht.

Dank Rekordbeschäftigung, stabiler Konjunktur und niedriger Zinsen ist die Gesamtzahl der Pleiten bundesweit allerdings 2015 auf ein Zehnjahrestief gerutscht. Dabei mussten 23 230 Unternehmen nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform den Gang zum Amtsgericht antreten. Das waren 3,3 Prozent weniger als 2014 und sogar so wenige wie nie seit Einführung der Insolvenzordnung 1999.

Trotzdem müssen Tausende Mitarbeiter um ihren Job und Zehntausende Gläubiger um ihr Geld bangen. Und: Die Talfahrt der Pleiten dürfte 2016 an Tempo verlieren, sagt der leitende Wirtschaftsforscher von Creditreform, Michael Bretz, voraus. Er rechnet im nächsten Jahr mit ähnlich vielen Unternehmensinsolvenzen wie 2015.

Bonität von gut 300.000 Unternehmen ist schwach

Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht warnt: Schon kleine Änderungen beispielsweise beim Zinsniveau könnten die Lage verschärfen. Denn Hunderttausende Unternehmen seien finanziell schmal aufgestellt – und Millionen Menschen überschuldet.

Ulbricht schätzt die Bonität von fast 311 000 Unternehmen als schwach ein. „Das ist eine bedenkliche Größe. Bezogen auf rund 3,3 Millionen wirtschaftsaktive deutsche Unternehmen sind dies 9,4 Prozent – bei 0,7 Prozent Insolvenzen.“ Sollte die Konjunktur schwächeln oder die Finanzierung etwa von Investitionen erschwert werden, drohten schnell deutlich mehr Firmenpleiten.

Auch die Wirtschaftsauskunftei Bürgel warnte kürzlich: „Immer mehr Firmen in Deutschland haben finanzielle Probleme.“ Das gelte vor allem für Betriebe aus dem Gastgewerbe und der Logistik. Jedoch sind Zinserhöhungen vorerst nicht in Sicht. Die Europäische Zentralbank wird das Geld noch mindestens bis 2017 billig halten.

Für die 6,7 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die ihre Rechnungen schon heute nicht begleichen können, gilt ebenfalls: Wer seinen Job verliert, rutscht oft schnell in die Privatinsolvenz. 2015 ging die Zahl der Verbraucherinsolvenzen allerdings bundesweit deutlich um 8,6 Prozent auf 79.030 und damit auf den niedrigsten Stand seit 2005 zurück.

Schaden für die Gläubiger ist deutlich gesunken

Weil am Arbeitsmarkt 2016 noch keine Rückschläge zu erwarten sind, rechnet Bretz vorerst mit einem weiteren Rückgang der Verbraucherinsolvenzen auf etwa 76 500. Tatsächlich sind die Aussichten am Arbeitsmarkt gut, wie die Deutsche Bundesbank in ihrem Konjunkturausblick betont.

Insgesamt dominieren bei den Firmenpleiten in Deutschland Kleinstinsolvenzen. Vier von fünf Unternehmen, die 2015 Insolvenz angemeldet haben, hatten höchstens fünf Mitarbeiter. So sank der mögliche Schaden aus Firmenzusammenbrüchen für die Gläubiger von 26,1 Milliarden Euro im Vorjahr auf 19,6 Milliarden Euro. Mit 225.000 Arbeitnehmern müssen auch deutlich weniger (minus 14,8 Prozent) wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers ­einen Jobverlust fürchten.

Die größte Firmenpleite des Jahres trieb ausgerechnet dem Management des Berliner Pannenflughafens einmal mehr den Schweiß auf die Stirn: Der Gebäudeausrüster Imtech – am Hauptstadtflughafen BER zuständig unter anderem für Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten – meldete Anfang August Insolvenz an. 3500 Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Auch manches Traditionsunternehmen geriet in die Krise. Der Kettcar-Hersteller Kettler aus dem Sauerland musste ebenso die Notbremse ziehen wie die Modellbahn-Firma Fleischmann mit Sitz in Heilsbronn. Auf Investoren hofft der angeschlagene Elektronik-Hersteller Blaupunkt aus Hildesheim. Lange war Blaupunkt etwa mit Autoradios weltweit bekannt. Doch zuletzt ging es bergab mit der früheren Bosch-Tochter.

von Andreas Schmidt
 und unserer Agentur

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