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Preise für gut geformte Möbel

Tischler-Handwerk Preise für gut geformte Möbel

Im Marburger Landgrafenschloss kamen am Donnerstag die besten Tischlergesellen Hessens zusammen. Beim Wettbewerb "Gute Form 2013" wurden die schönsten Gesellenstücke des Jahres ausgezeichnet.

Marburg. „Für ein Gesellenstück reicht im Prinzip schon ein Nachtschränkchen aus“, sagte Landesinnungsmeister Reinhard Nau in seiner Rede zur Preisverleihung. Das, was aber die 19 anwesenden Innungsbesten geleistet hätten, gehe „weit über die Anforderungen hinaus“. Anspruchsvolle Werke wie ein Hängeschrank, ein Schreibtisch oder Doppelbett konnten bei der Ausstellung im früheren Fürstenwohnsitz von den Zuschauern begutachtet werden.

Etwa 80 Personen waren gekommen, um die Preisverleihung zu sehen und beglückwünschten den Sieger Max Keller. Der Nachwuchstischler, der seine Ausbildung im Betrieb von Winfried Fröhlich in Fulda geleistet hatte, überzeugte die Jury durch „die spielerische Dopplung der Form“ an seinem Sekretär mit Hocker. „Die schlichte Eleganz der äußeren Erscheinung“ kontrastiere mit der „klassischen Funktionalität des Innenaufbaus“, so die Begründung.

Auch der zweitplatzierte Elias Heep aus der Henche Möbelwerkstätte in Limburg-Weilburg erhielt ein Lob der Juroren, die besonders seinen „geschickten Umgang mit dem Reglement“ hervorhoben. Der Schubkasten an seinem Wohnzimmertisch aus Nussbaum und massivem Kirschholz sei derart konzipiert worden, dass „sein Entfernen keine Lücke hinterlässt“. Stattdessen entstehe dadurch „eine starke, klare Form mit dynamischer Linienführung.

Dritter wurde Florian Biesel vom Betrieb Baum und Söhne in Kassel. Sein Sideboard bestach durch eine „zeitgemäße Optik, unterstützt durch die besondere Materialwahl“. Auch Karolin Reuter von der Schreinerei Bonifatiuskloster in Hünfeld erhielt für ihren Säulenschrank aus Rüster ein besonderes Lob.

Als Kandidat aus dem Landkreis war Johann Leont angetreten, der seine Ausbildung bei Peter Fus und Sohn in Kirchhain machte. Er fertigte einen Couchtisch aus Nussbaum und wurde wie alle anderen Gesellen für seine Teilnahme geehrt.

Welch Aufwand hinter den Leistungen steckt, verdeutlichte Landesinnungsmeister Nau. Oft benötige es fünf oder sechs Anläufe, um ein Modell so zu fertigen, wie man es sich vorgestellt habe. Nau ist sicher, „dass einige bestimmt kurz davor waren, aufzugeben“. Was er von den Teilnehmern gesehen habe, zeige, welche Kreativität im Tischlerberuf stecke.

Uni-Vizepräsident ProfessorJoachim Schachtner freute sich besonders über den Ort der Preisverleihung. Die Universität habe mit dem Handwerk gemeinsam, dass sie junge Leute ausbilde. Der Ort, an dem sie ihre Absolventenfeiern veranstalte, sei daher sehr gut auch für eine solche Feier geeignet. Zudem stünden einige Exponate von den „Vorgängern der jungen Tischler“ dort, sodass es einen schönen Vergleich ergebe.

Der hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) sagte, der Wettbewerb sei sehr vielfältig und ein gutes Beispiel für das hohe Niveau im deutschen Handwerk. Das Handwerk sei „eine der wesentlichen Stärken unseres Landes“ und eine solide Basis für die Wirtschaft. Es liege in seinem Charakter, dass junge Menschen Verantwortung für den eigenen Betrieb und darüber hinaus übernähmen. Daher sei es wichtig, dass das Handwerk weiterhin eine „Lokomotive“ bleibe und junge Leute - auch aus südeuropäischen Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit - ausbilde.

von Peter Gassner

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