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Praktiker ist insolvent: null Prozent auf nichts

50 Arbeitsplätze bedroht Praktiker ist insolvent: null Prozent auf nichts

Die mächtige Schuldenlast hat die Baumarktkette Praktiker in die Insolvenz getrieben. Vorstand und Anteilseigner hoffen im hart umkämpften Heimwerkermarkt dennoch auf Rettung.

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Marburg. Der jüngste „Sommerschlussverkauf“ mit satten Rabatten hat den Praktiker-Märkten nicht geholfen. Zu stark drückte schon die Schuldenlast von netto knapp 500 Millionen Euro (2012). Dann lief das Frühjahrsgeschäft wegen des langen Winters nicht gut und der fest einkalkulierte Verkauf einer Baumarkt-Beteiligung in Luxemburg platzte.

Jetzt zog der Vorstand die Reißleine und stellte Insolvenzantrag für acht Tochterfirmen in Deutschland. Daraufhin stürzte die Aktie am Donnerstagmorgen zunächst um rund 70 Prozent ab. Sie erholte sich im Tagesverlauf aber leicht auf rund 0,13 Euro.

Der Marburger Praktiker-Markt mit seinen 50 Mitarbeitern sollte eigentlich im August dieses Jahres als Max-Bahr-Markt neu eröffnet werden. Die Praktiker-Tochter Max Bahr ist nicht von der Insolvenz betroffen. Praktiker-Sprecher Harald Günter konnte auf Anfrage keine Auskunft dazu geben, was nun mit den Märkten geschieht, die eigentlich auf die ertragsstärkere Marke Max Bahr umgestellt werden sollten.

Auslandsgeschäft nicht betroffen

„Das liegt jetzt in den Händen des vorläufigen Insolvenzverwalters“, sagte Günter. Zunächst seien aber alle Standorte vom Insolvenzverfahren betroffen, die noch unter dem Namen Praktiker firmieren. „Insolvenz heißt aber nicht, dass Filialen dicht gemacht werden“, betonte Günter. Die Umbauplanung sei durch die Insolvenz erst einmal gestoppt. Die Leitung der Marburger Filiale wollte sich am Donnerstag nicht zum Insolvenzverfahren äußern.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Christopher Seagon von der Heidelberger Kanzlei Wellensiek ernannt. Wie die Max-Bahr-Märkte ist auch das Auslandsgeschäft nicht betroffen. Der erst seit Oktober 2012 amtierende Vorstandschef Armin Burger wollte das Unternehmen im harten Wettbewerb wieder auf Kurs bringen - wie er auch den Mitarbeitern versicherte.

Er schrieb ihnen aktuell vom „Kampf um das Fortbestehen“, aber auch von einer Geschäftslage, die sich in den vergangenen Wochen dramatisch verschärft habe. Zwar stundeten unter anderem Lieferanten ihre Forderungen - doch das half nur bis Ende Juni. Eine „tragfähige Anschlussfinanzierung“ ­fehlte.

40 Millionen fehlen

Doch die Hoffnung auf eine Fortführung der Praktiker-Kette geben Vorstand und Großaktionäre nicht auf - allen voran die österreichische Aktionärsvertreterin Isabella de Krassny. Die Managerin hatte bei der turbulenten Hauptversammlung 2012 für Furore gesorgt. Selbstbewusst, wortgewandt und eindrucksvoll las sie dem Ex-Vorstand die Leviten.

Sie drückte zwei Aufsichtsräte und später den jetzigen Vorstandschef Burger durch. Auf dieser Hauptversammlung malte der damalige Vorstand eine drohende Insolvenz an die Wand. Diese konnte aber im Herbst mit frischem Geld abgewendet werden: Im Oktober 2012 wurde ein Finanzierungspaket mit einem 40 Millionen Euro schweren Darlehen unter Dach und Fach gebracht. Zur aktuellen Lage wird Krassny in der „Wirtschaftswoche“ zitiert:

„Wenn jetzt alle Beteiligten an einem Strang ziehen, lässt sich Praktiker auch in der Insolvenz sanieren.“ Doch dafür fehlen nach ihrem Bekunden wieder mindestens 40 Millionen Euro. Der Vorstand appellierte unterdessen an seine konzernweit rund 20000 Mitarbeiter: Ziel müsse es sein, den Geschäftsbetrieb so reibungslos wie möglich aufrecht zu erhalten. Je besser dies gelinge, desto besser sei die Basis für die Fortführung und die Sanierung des Unternehmens, schrieb Burger den Beschäftigten.

Tengelmann-Chef: Rabattstrategie kann nicht aufgehen

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Insolvenznachricht als Tragödie für die Mitarbeiter. Sie seien bereit gewesen, für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes zu verzichten. Angesichts solcher Turbulenzen in der Heimwerkerbranche sprach Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub von einem „denkwürdigen Tag“. Zu Tengelmann gehört auch Branchenprimus Obi.

Haub urteilte, eine jahrelange Rabattstrategie könne nicht aufgehen. Praktiker war für den Slogan „20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“ bekannt. Diese Marketingstrategie kritisierte auch der Chefredakteur des Fachblattes „Baumarkt-Manager“, Claus Albus: „Der Kunde hat nur noch auf die 20-Prozent-Rabattaktionen gewartet, das war sicherlich die missliche Ausgangsposition für Praktiker selbst“, sagte er.

Dagegen biete Max Bahr ein höherwertigeres Sortiment. Diese 132 Filialen sind nicht von den Insolvenzanträgen betroffen. Der seit 1879 existierende Baumarktbetrieb wurde 2006 von Praktiker übernommen, damals hatte Max Bahr nur 76 Filialen. Nun sollen die Filialen mit dem gelben Anstrich das neue Fundament des Konzerns werden.

von Almut Kipp

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