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Postler machen ihrem Ärger Luft

Tarifstreit Postler machen ihrem Ärger Luft

Am Mittwoch demonstrierten die Post-Mitarbeiter in Marburg: Rund 150 Streikende zogen durch die Stadt, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

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Vom Georg-Gaßmann-Stadion aus liefen die Demonstranten zum Elisabeth-Blochmann-Platz – und machten ihrem Unmut auch mit Trillerpfeifen Luft.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Nach eineinhalb Wochen Streik bei der Post ist ein baldiges Ende des Ausstands nicht absehbar. Beide Seiten reden nach Angaben der Gewerkschaft Verdi im Moment nicht miteinander. Es herrsche „totale Funkstille“, sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk am Mittwoch. Der Streik werde deshalb weiter Schritt für Schritt ausgeweitet.

 

Nach Angaben der Gewerkschaft waren am Mittwochvormittag bundesweit mehr als 20.000 Post-Mitarbeiter im Arbeitskampf. Darunter seien Beschäftigte in den Briefverteilzentren, Brief- und Paketzusteller sowie seit neuestem auch Mitarbeiter in den Paketzentren. „Das können noch einige Tausend mehr werden“, sagte Jurczyk.

Auch in Marburg wurde der Post-Streik am Mittwoch offensichtlich. Denn rund 150 Mitarbeiter des Unternehmens gingen auf die Straße, um für ihre Forderungen zu demonstrieren.

Olaf Gruß von Verdi verdeutlicht: „Wir sind hier, um für unsere Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn und einer 36-Stunden-Woche zu demonstrieren.“ Gleichwohl sei man aber bereit, diese Forderungen fallenzulassen, wenn die Post die Ausgliederungen in regionale Servicegesellschaften zurücknehme. „Das, was die Post da gerade treibt, ist das übelste Beispiel für Kapitalismus, das wir zurzeit haben“, sagte Gruß.

Robert Oertel, Vorsitzender der Betriebsgruppe Brief, erläuterte: „Der Postvorstand hat seinen Aktionären jedes Jahr acht Prozent mehr Gewinn versprochen – mit fast einer Verdopplung bis zum Jahr 2020. Wenn er dieses Ziel nicht erreicht, dann wird der Vorstand weitere Maßnahmen ergreifen.“

Demonstration im Tarifstreit: Mitarbeiter wehren sich gegen die Gründung weiterer „Billiggesellschaften“.

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Die Frage sei doch vielmehr, wie die Beschäftigten an den Milliardengewinnen partizipieren könnten. Die gegründeten „Billiggesellschaften“ führten zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb des Unternehmens – „gleiche Arbeit, gleiche Arbeitsstelle, gleiche Entlohnung – das kann nur unser Ziel sein“, so Oertel.

Dr. Ulf Immelt vom DGB Mittelhessen sagte in seiner Ansprache: „Die Ursache, dass wir hier heute streiken, liegt darin, dass die Herrschenden in diesem Land die Arbeitsbedingungen für immer mehr Menschen verschlechtert haben – dagegen müssen wir vorgehen.“

Janine Gaßmann von der Verdi-Jugendvertretung forderte das Unternehmen dazu auf, die Post wieder attraktiver für junge Leute zu machen. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, ordentlich ausgebildet zu werden – „das ist moderne Ausbeutung, die Azubis werden als Lückenbüßer für Bezirke eingesetzt – und als Dank gibt es nicht einmal ein Übernahmeangebot“, sagte sie.

„Das ist eine Sauerei“

Der Verdi-Landesvorsitzende Jürgen Bothner wies darauf hin, dass es Gespräche vom Post-Vorstand mit der Gewerkschaft gegeben habe, „ob wir nicht in der Lage sind, die Löhne zu drücken – denn das wäre die Voraussetzung dafür, die acht Prozent mehr Gewinn zu erreichen. Dafür waren wir nicht zu haben – also hat man einen gültigen Vertrag gebrochen und die Delivery-Gesellschaften gegründet“, sagte er.

Bis zum Jahresende seien insgesamt 8000 neue Bezirke geplant – „das ist eine Sauerei“, so Bothner. Der Umsatz der Post steige – „und da sollen wir sagen, dass wir verstanden haben, das Unternehmen brauche niedrigere Löhne. Wie blöd müssten wir dann sein?“

Grußworte kamen auch von Bettina Böttcher, Betriebsratsvorsitzender des UKGM, Volrad Döhner von der GEW sowie Susanne Pitzer-Schild, Geschäftsführerin von Verdi Mittelhessen. Alle kritisierten gleichermaßen, dass es vonseiten der Arbeitgeber in allen Bereichen derzeit eine Verweigerungshaltung gebe, der man mit Protesten und Streiks begegnen müsse.

von Andreas Schmidt

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