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Politik kritisiert Filial-Schließungen

Reaktionen Politik kritisiert Filial-Schließungen

Nachdem die Sparkasse bekanntgegeben hat, welche Filialen geschlossen werden sollen, fordert die Politik den Erhalt der Standorte.

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Die Sparkasse bekommt wegen der geplanten Filial-Schließung Gegenwind aus der Politik.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Entscheidung der Sparkasse, 14 ihrer bislang 67 Geschäftsstellen ganz zu schließen und weitere 9 in SB-Stellen umzuwandeln, treibt nun auch die Politik um. So wurde das Thema etwa kürzlich im Ortsbeirat Schweinsberg diskutiert.

Auf Nachfrage hat Sparkassen-Vorstand Andreas Bartsch angekündigt, in den Ortsbeiräten mit den Kommunalpolitikern zu diskutieren und zu versuchen, Lösungen zu finden – aber nicht öffentlich. Das heißt: Die jeweiligen Tagesordnungspunkte werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt.

Auch die CDU in Schröck treibt die Sparkassen-Schließung um: Geht es nach dem Willen des Kreditinstituts, wird dort künftig nicht einmal mehr ein Geldautomat zu finden sein.

„Durch die geplanten diversen Schließungen im Marburger Stadtgebiet werden zahlreiche Außenstadtteile jedoch deutlich abgeschnitten. Die Filiale in Schröck mit Einzugsbereich in umliegende Stadtteile ist hierfür ein gutes Beispiel, ihre Schließung daher umso schmerzlicher“, erklärt Jan-Philipp Bodenbender, Vorsitzender der CDU Schröck.

„Anstatt die Außenstadtteile endlich zu fördern, wirken die Schließungen leider wie eine weitere Schwächung der Stadtteile“, so Jürgen Sprenger von den Schröcker Christdemokraten. Ihr Argument: Durch die Schließung der Filiale in Schröck wäre die Sparkasse in keinem der östlichen Marburger Stadtteile mehr vertreten. Das sei ein „erneuter Schlag“ im Wettbewerb als attraktiver Wohnort mit umliegenden Gemeinden wie Ebsdorfergrund.

"Gleichzeitig macht es sich die Sparkasse hier aus unserer Sicht zu leicht“, so Bodenbender, der das Kreditinstitut auffordert, „verstärkt nachhaltige Lösungen für alle Generationen zu entwickeln“. Schließliche werbe die Sparkasse damit, „keine übliche Bank zu sein und betont immer wieder ihre Verantwortung für diese Region“. Im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis fahre die dortige Sparkasse mit einem zu einer Bankfiliale umgebauten Lastwagen durch die Dörfer und ermögliche so Bankgeschäfte vor Ort. „Das könnte auch ein Konzept für unsere Region sein, insbesondere für die Orte, wo sich bereits heute keine Filiale mehr befindet“, schlägt Bodenbender vor.

Linke: Auftrag zielt nicht auf Gewinnmaximierung

Auch die Kreistagsfraktionen von Linke und AfD kritisieren die Schließung der Sparkassen-Filialen. So teilt die Fraktion der Linken mit, dass sie die Pläne „kategorisch ablehnt“. Sie fordert stattdessen eine Ausweitung des Angebots der Sparkasse „im wirklichen Leben“, um die Attraktivität der Städte und Gemeinden zu erhöhen

Anna Hofmann, Vorsitzende der Fraktion, erklärt: „Der gesetzliche Auftrag der Sparkassen zielt eindeutig nicht auf Gewinnmaximierung.“ Vor diesem Hintergrund könne Vorstandschef Andreas Bartsch sich lange darüber auslassen, dass es nicht darum gehe, Geld zu sparen, wenn Filialen geschlossen würden. „Worum geht es denn dann? Um eine besseren Service für die Kunden? Wohl kaum“, so Hofmann.

Es liege nicht im Interesse einer großen Anzahl von Kunden, das Angebot auszudünnen und die Wege für viele Kunden in die nächste Filiale zu verlängern. Anstatt immer nur der betriebswirtschaftlichen Ratio des „Streichens und Kürzens“ zu folgen, solle der Sparkassenvorstand überlegen, „wie er auch im eigenen Interesse dazu beitragen kann, die Attraktivität des ländlichen Raums zu erhöhen“, heißt es weiter. Denkbare Möglichkeiten wären für die Linken etwa Dorfläden mit integrierter Sparkassenfiliale oder ein mobiler Sparkassendienst.

Auch die Kreistagsfraktion der AfD – die künftig selbst einen Platz im Verwaltungsrat der Sparkasse haben wird – äußert sich zu den Schließungsplänen.  Es sei zwar nachvollziehbar, „dass in Zeiten von Niedrigzinsen und zunehmender Digitalisierung der Geschäfte von Geldinstituten bestehende Strukturen überdacht werden müssen“, heißt es in einer Mitteilung. Allerdings könne sich gerade die Sparkasse als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut „aufgrund ihrer besonderen Aufgabenstellung in der Region nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Regeln orientieren, sondern hat eine besondere Verantwortung gegenüber den Bürgern des Landkreises“.

Die AfD-Fraktion „bittet“ die Sparkasse, ihr Filialkonzept zu überdenken und im Einvernehmen mit Städten und Gemeinden „beiderseits zufriedenstellende Lösungen anzubieten“. Sie plädiert dafür, alle Standorte, die geschlossen werden sollen, zu SB-Centern zu machen und dabei mit den Genossenschaftsbanken zusammenzuarbeiten – so ließen sich „in vielen Orten niedrig frequentierter Filialen zur Kostensenkung kostensparende und zukunftsorientierte Lösungen finden“.
Die AfD-Kreistagsfraktion „bittet“ außerdem Landrätin Kirsten Fründt als Co-Vorsitzende des Verwaltungsrates zusammen mit dem Gremium „Einfluss darauf zu nehmen, dass ein in diesem Sinne gestaltetes neues Filialkonzept erstellt wird“.

von Andreas Schmidt

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