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Pharmafirma GSK will 270 Stellen abbauen

Sparkurs Pharmafirma GSK will 270 Stellen abbauen

Das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) will weltweit Arbeitsplätze abbauen. Am Standort Marburg sind bis 2017 insgesamt 270 Stellen betroffen.

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Beim vom GSK-Konzern übernommenen Marburger Impfstoffhersteller Novartis Vaccines sollen Stellen abgebaut werden.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Nachdem der britische Konzern GSK im Zuge eines globalen Kauf- und Tauschdeals in der Pharmabranche den Marburger Impfstoffhersteller Novartis Vaccines übernommen hat, erfuhren die Mitarbeiter gestern von weitreichenden Sparplänen.

Ziel sei es, bis 2017 weltweit Produktionskosten zu senken und Wachstum anzukurbeln – durch einen Abbau von 1 500 auf 15 500 Stellen. Am Standort Marburg sollen 270 von derzeit 1 250 Stellen in der Produktion gestrichen werden, die ersten 80 bereits im nächsten Monat. Wie viele Personen vom Abbau betroffen sind, sagte das Unternehmen nicht. In der Produk­tion arbeiten auch viele Teil­zeitkräfte.

Unternehmen will Wettbewerbsfähigkeit sichern

Marburg werde weiterhin wichtiger Produktionsstandort bleiben und es sei ­geplant, weitere Investitionen in den Standort zu prüfen, hieß es.

Die niedrigere Auslastung der Produktion in Marburg, die Zusammenlegung von Aktivitäten auf dem neuen MARS-Campus in Michelbach sowie die weltweite Zentralisierung von Betriebs- und Organisationsstrukturen seien die Gründe für die Stellenstreichungen. „Bei den notwendigen Veränderungen geht es um die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des GSK-Konzerns und auch im Markt.

Daher geht es um unsere Zukunft hier am Standort“, sagte der Marburger GSK-Geschäftsführer ­Jochen Reutter auf Anfrage der OP gestern nach einer Betriebsversammlung. Der britische Konzern GlaxoSmithKline (GSK) will wachsen und Produktionskosten senken. Das bedeutet für viele Beschäftigte konkret den Verlust des Arbeitsplatzes.

Konzern streicht weltweit 1 500 Stellen

Ziel sei es, bis 2017 weltweit Einsparungen in Höhe von umgerechnet rund 565 Millionen Euro zu erzielen. Dies hat einen Stellenabbau von weltweit 1 500 auf 15 500 Stellen zur Folge. In diesem Jahr hat GSK die Impfsparte von Novartis – mit Ausnahme des Geschäfts mit Grippe-Impfstoff – und damit den Novartis-Standort Marburg  übernommen.

Die Novartis-Geschäftsführer und -Mitarbeiter arbeiten seitdem unter dem Dach des britischen Pharmariesen, der gestern alle größeren Standorte über weitere geplante Veränderungen informierte. „Marburg wird als wichtiger Produktionsstandort in das weltweite GSK-Produktionsnetzwerk integriert und es ist geplant, weitere Investitionen in den Standort zu prüfen.

GSK schätzt die Fachkompetenz der Belegschaft vor Ort“. lautete eine der Botschaften. Grund zur Beunruhigung lieferte die zweite Nachricht: In Marburg sollen wieder Stellen wegfallen, bis 2017 rund 270 Stellen in der Produktion. Die Produktion ist in Marburg nicht ausgelastet, teilt das Unternehmen auf Nachfrage der OP mit. Details dazu gibt es nicht. „Die Zukunft des Standorts liegt auf dem Mars-Campus“, heißt es.

Belegschaft in Mitarbeiterversammlung informiert

Das bedeutet: Der sukzessive Rückzug vom Hauptwerk am Behring-Standort in Marbach sowie vom Werk Görzhausen 1. Investitionen auf dem MARS-Campus, auch Görzhausen 2 genannt, seien weiterhin vorgesehen, hieß es. Jüngstes Beispiel für dieses Vorhaben sei der Bau eines neuen Betriebsrestaurants auf dem Campus (die OP berichtete). In dem hochmodernen Werk werden derzeit Impfstoffe gegen FSME und Tollwut hergestellt sowie Wirkverstärker für Impfstoffe.

Die Marburger Geschäftsleitung hat nach eigenen Angaben gestern die organisatorischen Auswirkungen des Sparkurses dem Wirtschaftsausschuss – und damit dem Betriebsrat – mitgeteilt. Die Belegschaft wurde in einer Mitarbeiterversammlung und in Abteilungsversammlungen vom Management informiert. Man werde sich zeitnah mit dem Betriebsrat über das weitere Vorgehen beraten.

Auf Anfrage der OP sagte der Marburger GSK-Geschäftsführer Jochen Reutter, dass es bei der für viele schmerzlichen Nachricht um die Zukunft des Standorts gehe. „Wir verstehen und akzeptieren die Entscheidung der globalen Geschäftseinheit. Dennoch sind dieser Tag und die Gespräche mit der Belegschaft mir und den Kollegen der Geschäftsführung nicht leichtgefallen. Ich kenne viele Mitarbeiter seit Jahren persönlich und ich weiß, wie viel sie alle täglich leisten“, so Reutter.

von Anna Ntemiris

Hintergrund

GlaxoSmith­Kline (GSK) ist der neue Eigentümer der Impfstoffsparte von Novartis – mit Ausnahme des Geschäfts mit Impfstoffen gegen Grippe. Dafür ist das neu gegründete Marburger Novartis-Tochterunternehmens NIVM GmbH zuständig. Rund 400 Mitarbeiter arbeiten in Spitzenzeiten auf dem Mars-Campus, Schritt für Schritt sollen künftig die anderen beiden GSK-Standorte dorthin verlagert werden.

Die 2009 errichtete Produktionsanlage steht auf dem Görzhäuser Hof, am Rande von Michelbach und wurde erst 2014 feierlich eröffnet. Auf dem „Mars“ werden lebensrettende Tollwut- und FSME-Impfstoffe hergestellt und dort steht auch das Qualitätskontrollgebäude. Alle von Novartis hergestellten Produkte werden auf dem „Mars“ getestet, bevor sie in die Welt gehen. Fünf Gebäudekomplexe stehen auf dem 7,2 Hektar großen Areal. Das Betriebsrestaurant ist im Bau.

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