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„Pflichtveranstaltung“ für Betriebe

Messe „Ansage Zukunft“ „Pflichtveranstaltung“ für Betriebe

Im Marburger Cineplex geht es seit Donnerstag um die Zukunft. Mit Science-Fiction hat das aber nichts zu tun. Auf der „Ansage Zukunft“ können sich junge Menschen über Ausbildungsberufe informieren.

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Hunderte Schüler besuchten am ersten Tag die „Ansage Zukunft“ im Cineplex. An den Ständen, zum Beispiel beim Medienhaus HITZEROTH, informierten sie sich über Möglichkeiten zur Ausbildung in der Region.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Es gibt Filme, bei denen ist das Kino nicht so voll“, stellte Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies in seiner Eröffnungsrede für die „Ansage Zukunft“ fest.

In der Tat hatten sich schon in der ersten „Welle“ rund 250 Schüler eingefunden, die sich ab 8.30 Uhr ausgiebig über verschiedene Betriebe und Ausbildungsberufe informierten. Mehr als 70 Aussteller aus der Region präsentieren auf vier Etagen des Kinogebäudes die zahlreichen Möglichkeiten der Ausbildung bei den heimischen Betrieben.

Vertreten waren Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Von Friseur bis ­IT-Elektroniker. Von Bäcker bis Krankenpfleger. Im Untergeschoss stellten sich Dienstleistung und Verwaltung vor, im Erdgeschoss waren Betriebe aus der Industrie zu finden. Die Bereiche Gesundheit, Soziales und Gastronomie stellten im 2. Obergeschoss aus. Handwerk und Einzelhandel im 1. Obergeschoss. Dort waren ­zudem auch Stände von den Veranstaltern – der Agentur für Arbeit, der IHK Kassel-Marburg, der Kreishandwerkerschaft Marburg und dem Medienhaus HITZEROTH – zu finden. Auch zwei Kinosäle dienten als Ausstellungsfläche. In Saal 7 waren die Kaufmännischen Schulen untergebracht. In Saal 5 wurde gewerkelt und gehämmert. Dort empfing die Bauwirtschaft interessierte Schüler.

Messe "Ansage Zukunft" im Cineplex Marburg - Inaas Halibi am Stand der MTA Schule Marburg. Foto: Thorsten Richter (thr)

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„Früher gab es so etwas nicht“, erinnerte sich Spies an seine eigene Jugend. „Da hat man geguckt, was der Vater, die Mutter oder Eltern von Freunden so gemacht haben. Aber groß war die Auswahl nicht“, sagte er. Heute sei das Angebot viel größer. Daher mache es „Sinn, sich zu überlegen, was man in Zukunft machen will. Nicht unbedingt bis ans Lebensende, aber die nächsten 20 Jahre“, sagte Spies. Die Chancen für die heutige Jugend stünden dank des demografischen Wandels gut. „Früher haben manche überhaupt keinen Ausbildungsplatz bekommen, heute kann man es sich aussuchen“.

Daran knüpfte auch der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow an, der neben Spies als Schirmherr der Messe fungiert. „Als ich in eurem Alter war, wurden in einem Betrieb vielleicht zwei oder drei von 50 genommen“, sagte er zu den Schülern. „Heute wollen und müssen wir um euch werben.“ Die Jugendlichen sollten die Gelegenheit nutzen um „auszukundschaften, was euch gefällt um euren Weg zu gehen“. Nicht immer sei richtig, was andere an Ratschlägen gäben. „Lasst euch nicht reinreden und macht das, was für euch richtig ist“, forderte ­Zachow die Schüler auf. Sie sollten „mit Mut in die Zukunft gehen“.

Trotz des Busfahrerstreiks in Marburg war die Besucherzahl am Vormittag ebenso hoch wie in den Vorjahren, sagte die Sprecherin der Agentur für Arbeit, Heike Beber. Die Unternehmensvertreter bestätigten diesen Eindruck. „Es ist ganz gut besucht“, sagte ein Mitarbeiter der Firma Fritz Winter. Viele Schüler hätten sich am Stand des Stadtallendorfer Unternehmens informiert.

Mit Berufsorientierung „lieber früh anfangen“

„Bei manchen hat man zwar den Eindruck, dass sie hierher getrieben werden“, andere seien aber tatsächlich interessiert und stellten gezielte Fragen über die Ausbildungsberufe. Auch in der Vergangenheit sei das schon von Erfolg gekrönt gewesen. „Einen meiner jetzigen Azubis habe ich letztes Jahr hier zum ersten Mal gesehen.“

Insgesamt seien laut einer Auswertung der Online-Bewerbungen rund ein Drittel aller Auszubildenden bei einer Messe zum ersten Mal auf die Firma aufmerksam geworden. „Von daher ist das hier eine Pflichtveranstaltung“, erläuterte der Mitarbeiter der Firma Winter. „Ansage Zukunft“ sei die einzige Gelegenheit in der Region, so viele Schüler auf einmal zu erreichen.

„Erfahren, worauf die Unternehmen Wert legen, einen Überblick über die Ausbildungsberufe bekommen, die zukünftigen Chefs kennenlernen, sich mit aktuellen Azubis austauschen“. All das und weitere Möglichkeiten zählte Berufsberater Sascha Becker auf. Und die Schüler setzten das in die Tat um.

So zum Beispiel die Achtklässlerinnen Lena und Mira (beide 13): „Wir haben uns hier schon einiges angeguckt – zum Beispiel die Berufe Tierpflegerin, Einzelhandelskauffrau, Tourismuskauffrau und Köchin.“ Berufe also, die sich auf den ersten Blick nicht unbedingt ähnlich sind. „Wir wollen uns einfach überall informieren, was es so gibt. Damit wir wissen was wir wollen, wenn es so weit ist“, sagten sie. Mit der Berufsorientierung wollen sie „lieber früh anfangen“.

Messe richtet sich auch an Studienzweifler

Das ist ganz im Sinne von Lehrer Christian Benda. Mit seinen Schülern der Emil-von-Behring-Schule ist er zur Messe gekommen. „Die Schüler bekommen hier einfach mal einen Einblick, was es so gibt und lernen gleichzeitig, auch mal auf Menschen zuzugehen“, zählt er die Vorzüge auf. Zudem sei es schön, dass es die Möglichkeit gebe, aktuellen Azubis auf Augenhöhe zu begegnen. „Die Schüler kriegen hier einfach viel Input und das ist bei uns im Moment gerade deshalb toll, weil sie in ein paar Wochen ein Praktikum machen sollen. Zwei oder drei Plätze haben wir hier heute schon vermittelt.“

Die „Ansage Zukunft“ richtet sich aber nicht ausschließlich an Schüler. Auch Studienzweifler oder andere junge Menschen, die sich in der Berufsorientierung befinden, sind angesprochen. Jürgen Bange von der „Wohngruppe UMA“ der Asylbegleitung in Dagobertshausen ist beispielsweise auf der 
Suche nach Ausbildungsstellen für die von ihm betreuten Flüchtlinge.

„Bei einigen von den Jugendlichen sieht es mit der Ausbildung noch mau aus. Ich habe mich deshalb hier zum Beispiel bei einigen Handwerksbetrieben umgehört“, erklärt er. Die Kontakte, die er bei der Messe sammeln könne, hofft er, für seine Schützlinge nutzen zu können. „Ich denke, dass die Betriebe grundsätzlich offen sind.“

von Peter Gassner

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Berufsorientierung leicht gemacht: Mehr als 70 Ausbildungsbetriebe aus der Region präsentieren sich von Donnerstag bis Samstag auf der Ausbildungsmesse „Ansage Zukunft“ im Cineplex.

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