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Pflegeschüler führen Station in Eigenregie

Pilotprojekt am UKGM Pflegeschüler führen Station in Eigenregie

Ein Jahr Vorbereitung, bald geht es los: Im Februar werden Krankenpflegeschüler der Elisabeth-von-Thüringen-Akademie eine Station im UKGM übernehmen – und zwar in Eigenverantwortung.

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Bei Projekttagen konnten sich die Schüler intensiv auf ihre Aufgaben vorbereiten.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Es ist ein großes Projekt, das vor den Schülern des Kurses O/12.2 der Elisabeth-von-Thüringen-Akademie liegt: Die Pflegeschüler werden ein halbes Jahr vor ihrem Examen eigenverantwortlich zwei Wochen lang eine Station am Uni-Klinikum übernehmen. Erstmals wird dies geschehen, sodass sowohl die Schüler als auch Projekt- und Kursleiter ebenso Neuland betreten wie die Praxis-Anleiter.

Am Dienstag stellten sie das Projekt vor, und passenderweise trug die Präsentation den Titel: „Schüler leiten eine Station – denn in ein paar Monaten müssen wir das auch können.“ Das fasst die Erfahrungen zusammen, die Praxis-Anleiter Philipp Saßmannshausen nach seinem Examen festgestellt hat: „Plötzlich hatte ich die Verantwortung, war die examinierte Kraft – ich musste alles können“, sagt er im Pressegespräch.

Projekt erfordert präzise Planung

Um diesen Sprung ins häufig kalte Wasser für künftige Pfleger zu vereinfachen, soll die „Schulstation“ – falls alles gut läuft – auch künftig zum Angebot in der Ausbildung werden. Projektleiterin Cäcilia Nau erläutert: „Das Projekt liegt schon einige Jahre in der Schublade und war schon immer mal Thema.“ Doch aufgrund des immensen Aufwands sei man bisher davor zurückgeschreckt, „es steckt eine ganze Menge Arbeit darin“, so Nau. Doch im vergangenen Jahr habe man sich dazu entschieden, das Projekt endlich zu realisieren.

„Viel Arbeit hatte vor allem die Schule“, erklärt Nau. Ob Veränderung der Stundenplanung, Freistellung von Schülern und Kursleitern oder zusätzliche Praxis- und Studientage: „Sowohl an der Schule als auch am Klinikum hängt ein riesiger Organisations-Rattenschwanz dran. Aber jetzt sind wir froh, dass es endlich losgeht“, erläutert die Projektleiterin. Die Schüler erhoffen sich von dem Projekt einen zusätzlichen Praxis-Schub kurz vor dem Examen.

„Vor allem das Administrative, schon bei der Aufnahme der Patienten, kann jetzt viel detaillierter geübt werden“, sagt Jacqueline Göttig. Für sie ist klar: „Als frisch Examinierte immer hinter den Kollegen herzulaufen, um zu fragen, wie etwas funktioniert – da fühlt man sich mitunter etwas blöd. Und außerdem hat man ja ein Examen, man will ja selber arbeiten“, sagt sie.

Die letzten Vorbereitungen für die Schulstation laufen – die Projektgruppe hat die Fäden in der Hand. Foto: Andreas Schmidt

Die letzten Vorbereitungen für die Schulstation laufen – die Projektgruppe hat die Fäden in der Hand. Foto: Andreas Schmidt

Quelle: Andreas Schmidt

Auch Julieta Krasniqi sieht in der Schulstation eine hervorragende Vorbereitung für die Prüfung: „Vor allem, was die Medikamente und Krankheitsbilder betrifft, sind wir dann bestens vorbereitet – es wird viel bringen, weil wir eigenständig arbeiten.“ Katharina Ziegler hofft, im Zuge des Projekts „Dinge zu sehen, die man sonst als Schüler nicht unbedingt sieht – zum Beispiel, was als nächster Arbeitsschritt kommt. Sonst wird man häufig von den Anderen mitgeführt und angeleitet. Wenn man alles alleine machen muss, erlebt man das ganz anders“.

Das bestätigt Praxis-Anleiter Saßmannshausen: „Bisher hat man Schüler immer nur beiläufig in die Arbeiten integrieren können. Und jetzt stehen sie im Vordergrund – und wir im Hintergrund, um Tipps zu geben, woran man noch denken muss.“

Und diese Arbeit im Hintergrund ist natürlich jederzeit gegeben: „Wenn es starke Abweichungen gibt, werden wir natürlich eingreifen“, sagt Saßmannshausen. Die Patienten müssten also auf keinen Fall Angst haben, dass sie nicht optimal betreut würden. Auch darüber haben sich die Schüler schon von Anbeginn an Gedanken gemacht. „Man weiß jedes Mal, dass man jemanden fragen kann, wenn man nicht zurechtkommt“, so die Schülerinnen.

„Letzter Schliff“ steht bevor

Cäcilia Nau fügt hinzu: „Die Schüler versorgen ja sonst auch Patienten.“ Im Fall der Schulstation sei der Versorgungsschlüssel sogar noch viel höher, da wesentlich mehr Kräfte als sonst üblich vorhanden seien. „Niemand muss Sorge haben“, versichert sie. Um das Projekt gut vorbereiten zu können, haben die Schüler im Vorfeld in mehreren Arbeitsgruppen alle notwendigen Informationen erarbeitet – von Krankheitsbildern, Therapieformen und Medikamenten über die organisatorischen Tätigkeiten und Leitungsaufgaben bis hin zur Dienstplangestaltung. Entstanden ist eine Infobroschüre, die als Nachschlagewerk zur Verfügung steht.

Den „letzten Schliff“ bekommen die Schüler Anfang Februar in einer fünftägigen Vorbereitungswoche – und vom 14. bis 28. Februar übernehmen sie dann die Pflegestation mit den Schwerpunkten Orthopädie, Unfallchirurgie und Dermatologie. Auch die beiden Kursleiterinnen Ruth Schmidt und Sabine Grab-Schäfer sind begeistert. Es sei zwar viel Organisationsaufwand gewesen, doch erhoffe man sich von dem Pilotprojekt eine Art „Handlungsmatrix“, die bei späteren Projekten zum Einsatz kommen könnte. „Auch von uns aus kann es jetzt endlich losgehen“, sagt Sabine Grab-Schäfer.

von Andreas Schmidt

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