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Pfleger: Stationsbetrieb ist gefährdet

UKGM Pfleger: Stationsbetrieb ist gefährdet

Das UKGM will auf die Forderungen der Intensivstation IMC 1 reagieren und das Personal aufstocken. Das kündigte die Geschäftsführung an.

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Das Uni-Klinikum in Marburg ist auch „ihr“ Klinikum, erklären Pflegekräfte einer Intensivstation. Doch sie seien überlastet und müssten daher Missstände anprangern.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Sie wollen weder anklagen noch verurteilen. Aber sie klagen und urteilen: Die Mitarbeiter der neurochirurgischen Intensivstation (IMC 1) klagen über zu viele Überstunden und zu wenig Ruhezeiten, über schwierige Situationen bei der Überwachung von schwer kranken Patienten und über zu wenig Personal. Sie beurteilen das bisherige Personalmanagement mit „mangelhaft“, und sie sehen eine drohende negative Leistungsentwicklung und „daraus entstehendes Gefahrenpotenzial für unsere Patienten“.

In einem Brief an die Geschäftsführung sowie die Direktoren der Klinik für Neurochirurgie, der Klinik für Urologie und der Klinik für Neurologie fordert das Team die Einstellung von weiteren erfahrenen und geschulten Pflegern. Nach Angaben der Klinik verfügt die Station IMC 1 über zehn Betten in fünf Zimmern. „Die nach hochmodernen Standards ausgerüsteten abgestimmten Überwachungsplätze verfügen alle über die Möglichkeit der künstlichen Beatmung und eines auf die jeweiligen Erkrankungen spezifisch zugeschnittenen Monitorings“, heißt es.

Personalsituation hat sich nochmals verschärft

Am zentralen Überwachungspult sind die sogenannten Vitalparameter der Patienten auf Monitoren sichtbar, sodass auf Veränderungen oder Alarme sofort reagiert werden könne, teilt die Klinik auf ihrer Homepage mit. Das stellen die Pflegekräfte mit ihrem Brief in Frage. Sie erklären, dass sie alles dafür tun, damit es nicht zu Überwachungslücken komme. Doch das Personal wechsle häufig, neue Mitarbeiter oder Ersatzkräfte seien zu wenig eingearbeitet und teilweise sei kein Fachpersonal im Einsatz. „Durch Urlaub, Krankheitsfälle und Belegung von gesperrten Betten im neurochirurgischen Bereich hat sich nochmals die Personalsituation verschärft.

Eine Kompensation ist kaum noch möglich, der Stationsbetrieb und die Patientenversorgung sind gefährdet“, so die Pfleger. Sie berichten von Mitarbeitern, die bis zu 200 Überstunden auf dem Arbeitszeitkonto verbuchen. Der Arbeitgeber müsste für Ruhepausen für die Mitarbeiter im Schichtdienst sorgen. Wer nicht ausgeruht sei, könne schwerstkranke Patienten nicht hundertprozentig überwachen. Das Team erklärt, dass es seit dem 1. September keine Mehrarbeit mehr leiste, auch werde keiner mehr seinen freien Tag aufgeben, um bei Engpässen kurzfristig im Kollegium auszuhelfen. Der Geschäftsführung am UKGM sind die Probleme bekannt, nicht zuletzt weil die Station IMC 1 bereits 2011 Alarm schlug.

Nach dem jetzigen Brief habe man die Situation ausgiebig mit den Pflegekräften, Klinikdirektoren und dem Betriebsrat diskutiert, erklärt die Geschäftsleitung auf Anfrage der OP. Das Personal werde aufgestockt, hieß es. Der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Holger Thiemann weist darauf hin, dass bundesweit qualifizierte Pflegekräfte in der Intensivmedizin fehlen. Auch in Marburg werden daher dringend ausgebildete Fachkräfte gesucht. Das UKGM machte auf Nachfrage keine Angaben über die jetzige und künftige Zahl der Stellen, die auf der Station IMC 1 vorgesehen sind.

„Konfliktlösung“ unter Beteiligung aller Gruppen

Sowohl Thiemann als auch der Ärztliche Direktor, Professor Jochen Werner, sprechen von Konfliktlösungen, die vergangenen Freitag ausgearbeitet worden seien. „Es steht außer Frage, dass das Personal auf der IMC 1 hohen Belastungen ausgesetzt ist, die mit großem Engagement eines jeden Einzelnen dort Tätigen bewältigt wurden“, so Werner. Der neue Pflegedirektor Michael Reinecke - er nahm vor zwei Wochen seine Stelle in Marburg an - habe sehr zu dieser Konfliktlösung beigetragen, ergänzt Werner. Nähere Angaben mache das UKGM dazu nicht, ließ das Unternehmen ausrichten.von Anna Ntemiris

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