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Perspektiven für Langzeitarbeitslose

Aktionswoche Perspektiven für Langzeitarbeitslose

Mit einer Aktionswoche vom 22. bis 29. September wollen die Unternehmen Integral und Praxis GmbH, der Verein „Arbeit und Bildung“ und die Jugendkonflikthilfe auf das Thema Langzeitarbeitslosigkeit aufmerksam machen.

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Sie wollen mit einer Aktionswoche das Thema Langzeitarbeitslosigkeit in den Fokus rücken: Helge Micklitz (Firma Integral, von links), Gerlind Jäckle (Praxis GmbH), Maria Flohrschütz (Juko) und Rainer Dolle (Arbeit und Bildung). Foto: Björn-Uwe Klein

Marburg. Langzeitarbeitslosigkeit stellt ein hessen- und bundesweites Problem dar. Eines, das auch viele junge Menschen betrifft. Die Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit in Hessen weist darauf hin, dass die Langzeitarbeitslosigkeit seit 2009 nur geringfügig gesunken ist - trotz wirtschaftlichen Aufschwungs. Und: „2013 und 2014 ist sogar wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen.“

Als langzeitarbeitslos gilt, wer seit mindestens einem Jahr keinen Job hat. Jeder fünfte Betroffene ist bereits seit vier Jahren oder länger arbeitslos. Eine Perspektive für diese Gruppe zu schaffen, ist das Ziel der Aktionswoche, die hessenweit stattfindet: „Wir, die Marburger Beschäftigungs- und Qualifizierungsträger, möchten mit dieser Woche auf die Menschen hinter den Zahlen, ihre Schicksale und Bedarfe aufmerksam machen“, so die Marburger Beteiligten, die verschiedene Programmpunkte auf die Beine gestellt haben. „Die Menschen wollen arbeiten“, betont Gerlind Jäckle, Geschäftsführerin der Beschäftigungs- und Bildungsgesellschaft Praxis GmbH in einem Pressegespräch. Das Problem, das sie und ihre Mitstreiter Maria Flohrschütz (Juko Marburg), Rainer Dolle (Arbeit und Bildung) und Helge Micklitz (Integral) ausmachen: Der Arbeitsmarkt siebt kräftig aus. Wer sich den Anforderungen nicht stellen könne, beispielsweise aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen, bleibe ausgeschlossen.

Erschwerend komme hinzu, dass das Thema Langzeitarbeitslosigkeit in der Politik nicht mit der gebotenen Priorität behandelt werde. Langzeitarbeitslose hätten keine Lobby. 2013 sei ein Drittel weniger in die Eingliederung Langzeitarbeitsloser investiert worden als 2010.

Weitere Programme für Langzeitarbeitslose laufen zum Jahresende aus: Etwa die bei sozialen Trägern und öffentlichen Einrichtungen angesiedelte und nicht unumstrittene Bürgerarbeit.

„Der Erfolg eines nur an Betriebe gerichteten Folgeprogramms bleibt abzuwarten“, teilt die LAG Arbeit hierzu mit. Jedenfalls seien frühere Programme für eine Zielgruppe mit stärkeren Vermittlungshemmnissen seitens der Wirtschaft wenig angenommen worden. Zudem seien andere Programme durch inhaltliche und zeitliche Beschränkungen so stark reduziert worden, „dass sie längerfristigen Förderbedarfen nicht mehr gerecht werden.“

Dies bedeute weitere Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit für die Betroffenen, die ohnehin häufig stigmatisiert würden. „Selbst schuld“ sei leider eine weit verbreitete Haltung gegenüber Langzeitarbeitslosen, stellen die Macher der Aktionswoche fest. Rainer Dolle: „Diese Stimmung beginnt in der Bevölkerung und endet in der Politik.“

Ausgrenzung vollziehe sich auch auf dem Ausbildungsmarkt, so die Beteiligten. Leistungsschwächere Menschen sowie solche mit gesundheitlichen oder sozialen Problemen hätten selbst auf einem aufnahmefähigen Ausbildungsmarkt schlechte Chancen. Drastische Kürzungen seien auch hier vorgenommen worden. Und so fordern Arbeit und Bildung, Integral, Praxis GmbH und Juko unter anderem „Chancen auch für leistungsschwache junge Menschen im Ausbildungssystem“. Erreicht werden solle dies „durch Förderung in der betrieblichen Ausbildung, bei Bedarf auch in ergänzenden außerbetrieblichen Strukturen.“

Ein weiteres Ziel, auf das in der Aktionswoche hingewiesen werden soll: „Schaffung eines tragfähigen, langfristig angelegten und breiten Modells geförderter Beschäftigung nah am Arbeitsmarkt mit unterstützenden Strukturen.“

Ebenso wird der „Erhalt kreativer Möglichkeiten der Grundsicherungsträger vor Ort“ gefordert, einhergehend mit der „Wiederherstellung der finanziellen Grundlage für eine quantitativ und qualitativ hochwertige Förderung für Langzeitarbeitslose.“

n Montag, 22. September, 15.30 Uhr: Ausbildungss(ch)nack der Firma Integral in der Cafeteria der Kreisverwaltung. Während eines Tags der offenen Tür stellt das Unternehmen seine Ausbildungs- und Umschulungsprojekte vor.

Das Programm:

n Mittwoch, 24. September, 14 Uhr, Naturschutzgebiet „Heiliger Grund“/Marburg: Fachgespräch auf Einladung der Juko. Anlässlich des auslaufenden Programms „Bürgerarbeit“ wird über den positiven Effekt von Arbeit - insbesondere in einem naturnahen Umfeld - für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen diskutiert. Zwischen 18.30 und 20.30 Uhr erfolgt im Landratsamt die Vorstellung des Suchtpräventionsprojekts JUICE BOX.

n Donnerstag, 25. September, 11 Uhr: Gespräch zwischen Langzeitarbeitslosen, Politikern und interessierten Bürgern. Die Praxis GmbH lädt zu einem Brunch ins Gebrauchtwarenhaus Marburg ein. Langzeitarbeitslose erzählen ihre Geschichten und berichten über Erfahrungen und Hoffnungen.

n Montag, 29. September: Arbeit und Bildung informiert Politik und Öffentlichkeit über die Möglichkeiten eines zielgruppenübergreifenden Qualifizierungsansatzes am Beispiel der Marburger Bootswerft.

von Björn-Uwe Klein

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