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Perspektive für Langzeitarbeitslose

„Regionales Kompetenzzentrum Arbeit“ Perspektive für Langzeitarbeitslose

Mit einem gemeinsamen Projekt wollen Integral und Kreisjobcenter (KJC) Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit bringen. 
Dafür gibt es Fördermittel in Höhe von 750.000 Euro.

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Auch sportliche Übungen werden angeboten – hier demonstriert von Britta Schurz (von links), ­Tobias Martin, Integral-Geschäftsführer Helge Micklitz, Diana Naumann, Ninja Schmitt-Rink und Projekt-Koordinatorin Simone Gsöllpointner.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Schaut man sich die Arbeitslosenstatistik der vergangenen Monate an zeigt sich, dass die Zahl der Arbeitslosen stetig abnimmt. Firmen haben sogar stellenweise arge Probleme, Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden.

Doch vor allem die Personengruppe der Langzeitarbeitslosen ist von der positiven Entwicklung des Arbeitsmarkts abgekoppelt. Zwar sinkt auch deren Zahl langsam – allerdings braucht es deutlich mehr Bemühungen, um diesen Menschen durch die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt wieder eine positive Perspektive zu vermitteln.

Für diese Anstrengungen haben Integral und das Kreisjobcenter (KJC) nun ein neues Projekt entwickelt. „Regionales Kompetenzzentrum Arbeit“ (RKA) heißt es und wird vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration mit 750.000 Euro über zwei Jahre hinweg gefördert. „Es ist bekannt, dass der Sockel an Langzeitarbeitslosen nur sehr langsam schmilzt – unabhängig von der Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarkts“, erläutert Integral-Geschäftsführer Helge Micklitz.

Ganzheitlicher Ansatz 
soll Probleme erfassen

Das Land Hessen habe daher innovative Projekte gesucht, um vor allem sogenannte „individuelle Vermittlungshemmnisse“ aufzubrechen und die Langzeitarbeitslosen wieder in Arbeit zu bringen. „Eine entscheidende Vorgabe dabei waren beispielsweise Bedarfsgemeinschaften mit Kindern“, so Micklitz. Denn gerade dort falle die Integration in Arbeit noch schwerer als sonst – in dieser Zielgruppe gebe es zusätzliche Hindernisse.

Gemeinsam erarbeiteten KJC und Integral ein Konzept – das kam beim Ministerium offensichtlich gut an und wird nun gefördert. „Es ist ein langer Prozess“, weiß Micklitz – Erfolge seien nicht „von heute auf morgen“ zu erwarten.

Je nach persönlicher Situation des Teilnehmers plane man mit Verweildauern zwischen sechs und neun Monaten. 120 Plätze gibt es im RKA – „wir gehen davon aus, dass die Teilnehmer eine Vielzahl von Problemen auf unterschiedlichen Ebenen mitbringen“, erläutert Micklitz.

Das können beispielsweise gesundheitliche Einschränkungen sein, die man individuell ebenso angehen wolle, wie auch lange Arbeitsentwöhnung, durch die eine „Dequalifikation“ stattgefunden habe. „Auch kann es sein, dass aufgrund der langen Arbeitslosigkeit Basis-Tugenden verlernt wurden – wie etwa ein strukturierter Tagesablauf“, erläutert der Integral-Geschäftsführer.

„Kurz gesagt nehmen wir die Dinge, die verhindern, dass ein Mensch in Arbeit kommt, in ihrer Gänze in den Blick – und gehen sie dann gezielt an.“ Daher würden die „Jobcoaches“ zunächst ein individuelles Profiling erstellen, um diese Gesamtsituation zu erfassen.

Programm soll auch Vertrauen aufbauen

Andrea Martin, Leiterin des KJC, erläutert: „Es gibt zahlreiche Projekte, die einen Aspekt bei der Vermittlung in den Vordergrund stellen. Dieses Projekt verfolgt aber einen ganzheitlichen Ansatz – denn das augenscheinliche Integrationshindernis ist nicht immer auch das tatsächliche. Um das festzustellen, benötigt man Zeit und Vertrauen.“ Dieses Vertrauen solle mit dem Regionalen Kompetenzzentrum aufgebaut werden – „das Fallmanagement des KJC kann das so nicht leisten“, verdeutlicht Martin.

Das zeigen auch die Inhalte: Neben „Klassikern“ wie dem Bewerbungstraining oder EDV-Grundlagen gibt es beispielsweise auch eine Beratung zu den Themenfeldern Gesundheit, Ernährung und Entspannung. So beinhalten die Kurse etwa Gymnastik-Übungen, um die Mobilität der Teilnehmenden anzuregen – oder auch Nordic-Walking-Einheiten.

Beim Training für Vorstellungsgespräche oder zur Probezeit im Unternehmen setzt das RKA auf die Zusammenarbeit mit Schauspielern für authentische Rollenspiele. Der Themenblock „Körpersprache und Kommunikation“ wird mittels Video-Analyse unterstützt, und es gibt Module zum Selbstmanagement und zur Persönlichkeitsentwicklung.

„Es ist also ein ganz breit aufgestelltes Kursprogramm, in dem ganz ungewöhnliche Dinge vorkommen, die man mit klassischen Qualifizierungskursen nicht in Verbindung bringt“, erklärt Helge Micklitz.
Eine individuelle Zusammenstellung aus Beratungsgesprächen, Fortbildungen, Kursen und Workshops soll also möglichst passgenau auf die jeweiligen Projektteilnehmer zugeschnitten werden – um den Menschen wieder Mut zu machen und sie schlussendlich wieder in Arbeit zu vermitteln.

Und noch etwas spielt laut Andrea Martin eine wichtige Rolle: „Die Begegnung zwischen den Teilnehmern – denn häufig glauben die Menschen, sie seien mit ihren Problemen alleine. Dabei kann man etwas dagegen tun.“

von Andreas Schmidt

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