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„Personalsituation ist mehr als prekär“

Bundesweite Protestaktion „Personalsituation ist mehr als prekär“

Mehr als 250 Menschen nahmen am Mittwoch auf dem Marktplatz in Marburg an einer Verdi-Kundgebung teil. Auch in Gladenbach und Biedenkopf gab es Protest-Aktionen.

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Mehr Personal und damit bessere Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern forderten Demonstranten auf dem Marburger Marktplatz.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Martina Lindmaier, Beschäftigte der Vitos-Klinik in Marburg, trägt ihr Protest-T-Shirt aus dem Jahr 2009 mit der Aufschrift: „Der Deckel muss weg“. Die Forderungen der Mitarbeiter von Krankenhäusern seien nicht neu, ruft sie den 250 Teilnehmern der Kundgebung auf dem Marktplatz zu. „Das T-Shirt kann ich wohl erst ablegen, wenn ich in Rente gehe. Falls ich noch gesund bin bis zur Rente“, sagt sie.

 

Bettina Böttcher, Betriebsratsvorsitzende am UKGM in Marburg, spricht von der Zunahme von Überlastungsanzeigen, insbesondere in der Nachtschicht. „Die Personalsituation in deutschen Krankenhäusern ist mehr als prekär“, sagt sie. Nach einer Verdi-Erhebung fehlen in den deutschen Krankenhäusern rund 162.000 Beschäftigte, darunter alleine 70.000 in der Pflege. Darum hatte die Gewerkschaft dazu aufgerufen, auf diesen Personalmangel aufmerksam zu machen – mit dezentralen Protestaktionen.

Deutschlandweit wurden am Mittwoch ab 13 Uhr zehn Minuten lang Nummernkarten von 1 bis 162.000 gezeigt (Foto: Christian Röder). Die Symbolaktion fand bewusst am Mittwoch statt – zum Auftakt der zweitägigen Gesundheitsministerkonferenz der Länder, die in Bad Dürkheim stattfindet.

Vor dem Marburger Uni-Klinikum beteiligten sich nach Angaben von Verdi mittags 800 Mitarbeiter an der Karten-Aktion. An der Kundgebung am Abend nahmen nicht nur Kliniksmitarbeiter teil, sondern Menschen, die die Forderung nach mehr Personal in den Kliniken teilen. Auch derzeit im Streik befindliche Post-Angestellte und mehrere Organisationen unterstützten die Kundgebung.

Auch die deutsche Krankenhausgesellschaft und Kliniken wie das Sana Klinikum Hof unterstützten die bundesweite Kampagne gegen Personalnotstand, betonte Björn Borgmann, Konzernbetriebsrat der Rhön AG. Die UKGM-Geschäftsführung hatte erklärt, dass sie die Verdi-Forderungen für unrealistisch hält. Zwischen der Zahl des Personals und der Behandlungsqualität bestehe zudem kein Zusammenhang (die OP berichtete). Diese Auffassung stieß auf heftige Kritik während der Kundgebung.

Mit einer bundesweiten Protestaktion machte die Gewerkschaft Verdi am Mittwoch auf die Personalknappheit in deutschen Krankenhäusern aufmerksam. Nach ihren Berechnungen fehlen an deutschen Krankenhäusern insgesamt 162 000 Stellen. In Marburg fand am Abend eine Kundgebung auf dem Marktplatz statt, an der mehr als 250 Menschen teilnahmen. Auch in Biedenkopf und Gladenbach gingen Demonstranten auf die Straße.

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84 Zahlenkarten wurden am Mittag vor dem Verdi Bildungszentrum in Gladenbach verteilt. Das Besondere: Während andernorts vor allem die Beschäftigten in Krankenhäusern Nummernkarten in die Höhe hielten, waren in Gladenbach Beschäftigte aus allen Berufsbereichen vertreten. Diese Demonstranten stammten aus aktuellen Seminaren des Bildungszentrums.

Auch in Biedenkopf versammelten sich die Angestellten aus dem Krankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes vor dem Haupteingang der Klinik. „Wir appellieren an die Politik, dass man langsam in die Pötte kommen muss“, sagte Betriebsratsvorsitzende Marlies Becker.

von Anna Ntemiris, Hartmut Bünger und Christian Röder

Personalvorgabe ist jetzt nötig
Dass Personalsteigerungen auch mehr Geld kosten, liegt auf der Hand. Nur darf nicht vergessen werden, dass ausgebildete Pflegekräfte nicht zu den Spitzenverdienern in Deutschland zählen und sie unersetzbare Arbeit leisten. Bei aller High-Tech-Medizin, die Rhön-Aufsichtsratschef Eugen Münch anpreist, sollte der Dienst am Menschen von Menschen geleistet werden, die sich und ihre wertvolle Arbeit geschätzt wissen.

Die Arbeit einer Pflegekraft kann nicht nur rein ökonomisch gemessen werden – muss es aber de facto. Das ist das Dilemma. Dass deutsche Krankenhäuser mehr Personal benötigen, kann jeder Patient sehen. Die Politik ist daher aufgefordert, ein Gesetz für eine verbindliche Personalvorgabe mit entsprechender Finanzierung vorzulegen.

von Anna Ntemiris

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Beschäftigte fordern „Spitzenlohn“

Mit einem Warnstreik machte das nicht-ärztliche Personal des UKGM am Mittwoch auf seine Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsstandards aufmerksam. Zur Kundgebung am Morgen kamen rund 500 Mitarbeiter.

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