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Partikeltherapiezentrum: UKGM glaubt weiter an Inbetriebnahme

Interview mit Martin Menger Partikeltherapiezentrum: UKGM glaubt weiter an Inbetriebnahme

Die Einigung zwischen Verdi und UKGM-Spitze zur betrieblichen ­Altersversorgung bleibt umstritten. Für die nichtärztlichen Mitarbeiter ­bedeutet dies: Es bleibt vorerst alles beim Alten, erklärt Martin Menger auf ­Anfrage der OP

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Die unendliche Geschichte des Partikeltherapiezentrums auf den Lahnbergen wird weitergeschrieben.

Quelle: Thorsten Richter

OP: Der Versuch der UKGM-Geschäftsführung, über die Neuorganisation der betrieblichen Altersversorgung Kosten zu sparen, ist zumindest vorläufig gescheitert. Die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) hat rechtliche Bedenken. Wie hoch ist der finanzielle Schaden, der dem UKGM nun  entsteht?
Martin Menger: Zu dieser zwischen den Tarifpartnern getroffenen Regelung gibt es nunmehr aktuell unterschiedliche Rechtsauffassungen zwischen UKGM und der VBL. Die Tarifverträge sind nach juristisch bestätigter Auffassung von UKGM und Verdi rechtswirksam in Kraft. Von der VBL geäußerte Bedenken werden aktuell, das heißt, durch das UKGM gemeinsam mit Verdi einerseits und die VBL andererseits besprochen. Bis hierzu abschließende Klarheit besteht, bleibt für die Beschäftigten des Universitätsklinikums Gießen und Marburg in puncto betrieblicher Altersversorgung alles beim Alten.

OP: Die Rhön-AG darf die Satzungsklausel, die für wichtige Unternehmensentscheidungen eine Mehrheit von 90 Prozent vorsieht, nicht streichen. Es droht ein langer Rechtsstreit. Eine Übernahme des Konzerns ist in die Ferne gerückt. Schaffen Sie es allein in Gießen und Marburg?
Menger: Das Verfahren beeinflusst das operative Geschäft am UKGM nicht. Wir sind in einer Phase der Konsolidierung, der Stärkung der medizinischen Profilierung und der Vertrauensbildung. Wir sind mit all unseren Gesprächspartnern auf regionaler und überregionaler Ebene auf gutem Weg, und das soll auch so bleiben.

OP: Wie hoch fällt zum Jahresende 2013 das erwartete Minus aus?
Menger: Zu Ergebnisprognosen werden wir uns nicht äußern, gehen aber realistisch davon aus –  unter anderem auch aufgrund der doch recht positiven Leistungsentwicklung an beiden Standorten –, dass das Defizit erheblich unter dem Minus von zirka neun Millionen Euro des Vorjahres liegen wird. Wir befinden uns quasi auf „Planniveau“.

Verhandlung über Aufsichtsratssitze
OP: Was muss das Land für das UKGM, für den Investitionsbedarf, noch zubuttern?
Menger: Was heißt hier „zubuttern“? Die Rhön-Klinikum AG steht für Innovation, Verlässlichkeit und nachhaltiges Wirtschaften auch und gerade in Hessen. Der Konzern unterstützt das Land und die Kommunen  auch  in Zukunft in der universitären Spitzenmedizin, in Forschung und Lehre. Mehr als 500 Millionen Euro sind seit der Privatisierung der Kliniken in Gießen und Marburg 2006 in die Region Mittelhessen und in erster Linie in sichere Arbeitsplätze geflossen. Dieser Weg soll und wird fortgesetzt werden. Bei weiteren insbesondere am Standort Marburg notwendigen erheblichen Investitionen ist es legitim, mit dem Land über die Beteiligung an Investitionen zu sprechen. Dies erfolgt in einer sachlich konstruktiven Atmosphäre.

OP: Was gibt es Neues zum Partikeltherapiezentrum (PTZ), das  immer noch nicht für Patienten in Betrieb genommen wurde?
Menger: Die Rhön-Klinikum AG steht weiterhin in intensivem und konstruktivem Austausch mit ihren Gesprächspartnern, der Siemens AG, dem Universitätsklinikum Heidelberg und ihrer Tochtergesellschaft, der Heidelberger Ionenstrahltherapiezentrum GmbH und dem Land Hessen, um Wege zu finden, die angestrebte Inbetriebnahme der Partikeltherapieanlage in Marburg – wie im Letter of Intent (Anmerkung der Redaktion: Grundsatzvereinbarung) gegenüber dem Land Hessen zugesichert – zu erreichen.

OP:    Was ist, wenn Rhön am Ende des Jahres zahlen muss, weil das PTZ nicht in Betrieb genommen wird? Welche Folgen hat dies für das UKGM?
Menger: Die Frage stellt sich für uns zurzeit nicht, da wir nach wie vor mit der Unterstützung von Siemens, des Landes Hessen und gegebenenfalls des Kooperationspartners HIT Heidelberg an eine Inbetriebnahme der Partikeltherapie-Anlage glauben.

OP :   Was können Sie zum Stellenmoratorium gemäß der Vereinbarung zwischen Land, Rhön und UKGM vom Januar sagen? Der Betriebsrat erklärt, dass inzwischen 220 Stellen abgebaut worden sind.
Menger: Auch wenn ich mich wiederhole: Von 2006 bis 2012 ist es über beide Standorte hinweg zu einem kontinuierlichen Personalaufbau von 450 Stellen über alle Berufsgruppen hinweg gekommen – auch wenn in der Öffentlichkeit streckenweise das Gegenteil behauptet wird. Richtig ist auch, dass wir in den letzten 18 Monaten zirka 200 Stellen abgebaut haben; allerdings primär in den patientenfernen Bereichen. In Marburg allein hat sich die Vollkräftezahl im Bereich der Ärzte, des Pflegedienstes, des Medizintechnischen Dienstes und des Funktionsdienstes im laufenden Jahr im Vergleich zu den Jahren 2011/12 um insgesamt zirka 20 bis 30 Vollkräfte erhöht.

OP: Wie viele Mitarbeiter und wie viele Vollzeitstellen hat das UKGM? Wie viele waren es Anfang 2012?
Menger: „Im Dezember 2011 waren am UKGM etwa 9 700 Mitarbeiter beschäftigt. Im Juni 2013 waren rund 9 500 Mitarbeiter am UKGM tätig. Dies entspricht der bereits erwähnten Differenz. Dieser Rückgang betraf im Wesentlichen die Bereiche Wirtschaft, Technik und Verwaltung. Über die patientennahen Berufsgruppen Ärzte, Pflegepersonal und im Medizinisch-technischen Dienst ist die Stellenzahl in diesem Zeitraum leicht gestiegen.

OP: Nach der Vereinbarung vom Januar zwischen Land, Rhön und UKGM sollte das Land erweitere Mitwirkungsrechte erhalten – durch zwei Sitze im Aufsichtsrat.  Wer hat inzwischen die Sitze im UKGM-Aufsichtsrat erhalten? Wer ist Ombudsmann geworden?
Menger: Die Frage stellt sich zurzeit nicht, da wir uns noch in den „Umsetzungsverhandlungen“ mit dem Land befinden. Wir sind allerdings auf einem guten Weg und viele der im Letter of Intent vereinbarten Regelungen, wie zum Beispiel das Thema Personalgestellung, befinden sich bereits in der Umsetzung.

  • Die Fragen an Martin Menger wurden schriftlich gestellt und schriftlich beantwortet. Ein Exklusiv-Interview mit dem Marburger UKGM-Geschäftsführer Dr. Holger Thiemann lesen Sie am Freitag in der Oberhessischen Presse . Thiemann beantworte unter anderem Fragen zur medizinischen Versorgung und zu geplanten Umstrukturierungen.  Bei Fragen zu Themen wie PTZ oder Rhön-AG hatte Thiemann an Martin Menger verwiesen.

von Anna Ntemiris

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