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Partikeltherapie wird Langzeitpatient

Klinikum Partikeltherapie wird Langzeitpatient

Auch am letzten Tag vor der parlamentarischen Sommerpause gab es keine Einigung über das Marburger Partikeltherapiezentrum und das UKGM. SPD und Grüne warfen der Wissenschaftsministerin Untätigkeit vor.

Marburg. Der Start der neuartigen Partikeltherapie gegen Krebs ist für Marburg noch immer nicht geklärt. Alle Beteiligten verhandelten mit Hochdruck, um ab Januar 2014 Patienten in Marburg mithilfe modernster Strahlentherapie behandeln zu können, sagte die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) am Freitag in der Sondersitzung des Wissenschaftsausschusses in Wiesbaden. Sie nannte jedoch keinen Termin für einen Vertragsabschluss. Die Opposition warf der Ministerin daher erwartungsgemäß erneut Untätigkeit vor.

Der Konzern Rhön Klinikum AG, Käufer der Uniklinik Gießen-Marburg, ist nach dem Privatisierungsvertrag verpflichtet, das Partikeltherapiezentrum für Patienten zu öffnen. Entwickelt und gebaut wurde die Anlage von Siemens. Das Unternehmen beschloss 2011 den Ausstieg aus dem Projekt und kaufte die Anlage von Rhön zurück. Siemens betreibt derzeit noch die Anlage auf den Lahnbergen für eigene Forschungen, will das Projekt aber nicht fortführen und hat den Mietvertrag für das Gebäude zum 30. September dieses Jahres gekündigt (die OP berichtete). Diese Schritte könnten bei einem erfolgreichen Vertragsabschluss jederzeit rückgängig gemacht werden, sagte Kühne-Hörmann.

Im Januar hatte das Land Rhön eine Frist bis Ende 2013 gesetzt. Dann müsse die Partikeltherapie funktionieren, bei der Tumore punktgenau mit Ionen bestrahlt werden. Wegen der Verzögerungen zahlt Rhön eine Vertragsstrafe von vier Millionen Euro. Das Land verzichtete vorerst darauf, Investitionsbeihilfen zurückzufordern. Im Gespräch ist unter anderem, die Anlage gemeinsam mit der Uni Heidelberg zu betreiben. Am dortigen Deutschen Krebsforschungszentrum wird die Technik schon länger genutzt. SPD und Grüne forderten in Berichtsanträgen die Ministerin auf, Auskunft über den aktuellen Stand für Marburg zu geben. Die Landesregierung wirft der Opposition vor, die Verhandlungen zu gefährden. Details könne man nicht nennen. „Uns geht es auch nicht um Details. Wir wollen wissen, ob verschiedene Modelle für eine Inbetriebnahme geprüft worden sind. Um nichts mehr oder weniger geht es“, sagte die Marburger Landtagsabgeordnete der Grünen, Angela Dorn. „Die Ministerin sagt, sie hat alles geprüft. Ich habe die Sorge, dass das Land nur juristisch, nicht inhaltlich prüft“. Die Landesregierung müsste sich mehr für die Inbetriebnahme einsetzen. „Wir haben von Beginn an die Kooperation mit der Heidelberger Ionentherapie-Forschung favorisiert und auf Landesebene in Gespräch gebracht. Eine solche neue Gesellschafterform muss mit verschiedenen Risiken operieren. Spätestens hier könnte sich Forschungsministerin Kühne-Hörmann beispielsweise mit Landesbürgschaften positiv einbringen.“ Dorn sagte, sie habe die Ministerin gefragt, wann die Zeit aus ihrer Sicht denn knapp werde. Kühne-Hörmann habe „In Kürze, bald“ geantwortet und wiederholt, dass sie nicht mehr dazu sage, berichtet Dorn aus dem Ausschuss.

Der Marburger SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Thomas Spies haut in dieselbe Kerbe: „Zu den wesentlichen Fragen schweigt die Ministerin“. Tatsache sei, dass für einen Betreiberwechsel der Parikeltherapieanlage eine Reihe von Genehmigungen vorbereitet werden müssten und dies eine Vorlaufzeit benötige. Daher dränge die Zeit. „Der Direktor der Anlage, Professor Jochen Dahm-Daphi ist gegangen, der Mietvertrag ist gekündigt, eine ähnliche Anlage in Kiel wurde abgebaut“, listet Spies auf. Ergebe sich das Land dem Schicksal?, fragt er rhetorisch.

Außerdem wollten Grüne und SPD wissen, ob die Landesregierung auf einen möglichen Eigentümerwechsel der Rhön Klinikum AG, der Mehrheitseigentümerin des Universitätsklinikums Gießen-Marburg, vorbereitet wäre. „Wenn es zu einem erneuten Übernahmeversuch wie 2012 kommt, steht die Landesregierung erneut völlig unvorbereitet da. Das ist vollkommen verantwortungslos“., so Spies. von Anna Ntemiris

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