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Partikeltherapie startet am 1. Oktober 2015

Einigung Partikeltherapie startet am 1. Oktober 2015

Nach jahrelangem Streit zwischen der Rhön AG und dem Land gibt es seit Mittwoch einen konkreten Termin für das Marburger Partikel-Therapie-Zentrum (PTZ): Ab 1. Oktober 2015 werden dort die ersten schwerstkranken Krebspatienten behandelt.

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Dr. rer. nat. Uli Weber (Technischer Projektleiter Partikeltherapie) in der Partikeltherapie Marburg. Foto: Thorsten Richter (thr)

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zufriedene Gesichter und gegenseitiges Schulterklopfen am Mittag in Wiesbadener Wissenschaftsministerium. Hausherr Boris Rhein, Rhön-Vorstandsmitglied Martin Menger und die Marburger Universitätspräsidentin Professorin Katharina Krause treten vor die Presse. Um gemeinsam zu verkünden, dass sie am Ziel sind. Von den zuletzt auch immer wieder wortgewaltig ausgetragenen Auseinandersetzungen um den Betrieb des PTZ keine Spur mehr.

28 einzelne Verträge mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2034 hat Rhön seit April auf Basis der mit dem Land besprochenen Eckpunkte ausgefeilt und abgeschlossen. Acht Stunden soll am vergangen Montag deren Beglaubigung beim Notar gedauert haben. Damit steht fest: Die Partikeltherapie-Anlage wird von der ebenfalls am Montag gegründeten Marburger-Ionenstrahl-Therapie-Betriebs-Gesellschaft (MIT) betrieben.

Mehrheitsgesellschafter mit 75,1 Prozent ist das Universitätsklinikum Heidelberg. Rhön hält die übrigen 24,9 Prozent an der GmbH. Die Heidelberger bringen Erfahrung mit, sie betreiben zu Hause eine ähnliche Anlage und werben damit, schon mehr als 2000 Krebspatienten behandelt zu haben.

Auf den Lahnbergen sollen einmal 1000 Tumor-Patienten jährlich auf den vier zur Verfügung stehenden Behandlungsplätzen therapiert werden. Die volle Auslastung werde allerdings erst mit dem siebten Betriebsjahr der Anlage erreicht, schränkte Rhön-Vorstand Menger ein. Dafür müsse die Anlage sukzessive technisch weiterentwickelt werden. Menger zeigte sich jedoch zuversichtlich, schnell nach dem Start im nächsten Herbst eine Patientenzahl von 500 zu erreichen. Und er trat Befürchtungen wegen des Mehrheitsgesellschafters entgegen: „Es werden nicht massenweise Patienten aus Heidelberg und Baden-Württemberg mit Bussen zur Behandlung nach Marburg gefahren. Sondern das Angebot ist für die Patienten in Marburg und in der Region.“

Keine Klage gegen Rhön

Warum bis zur Inbetriebnahme ein weiteres Jahr ins Land geht, erklärte Menger damit, dass die Heidelberger die Marburger Anlage zunächst nach dem Vorbild ihres bereits aktiven Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrums (HIT) umbauen, aufrüsten und dann neu zulassen müssten. Das werde bis Sommer 2015 dauern.

Rhein bezeichnete die Einigung als „wichtiges Signal für die Schwerstkranken, aber auch für den Forschungsstandort, der künftig eine Behandlungsmethode auf höchstem technisch-medizinischen Niveau erhalten wird“. Die Vertragspartner hätten die Anlage von Hersteller Siemens zurückgekauft, sagte Rhein. Siemens habe sich gegen den geplanten Abbau entschieden. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärte Menger auf Nachfrage. Vor einigen Monaten war durchgesickert, dass die MIT GmbH angeblich 27 Millionen Euro für die Anlage an Siemens gezahlt haben soll. Und dass Rhön obendrein 23 Millionen Euro draufgelegt haben soll, um den Auflösungsvertrag mit Siemens aus 2011 rückgängig zu machen. Sie sei „zufrieden“ mit der Lösung, sagte Universitätspräsidentin Katharina Krause. Genauso die UKGM-Chefärztin für Strahlentherapie, Professorin Rita Engenhart-Cabilic. Krause sagte: „Die Partikeltherapie wird damit endlich Patienten in Marburg zugute kommen.“ Die Chefärztin der Strahlentherapie am UKGM habe jedes Recht, im PTZ Patienten zu behandeln und sei auch weisungsbefugt. Zwischen der MIT GmbH und den beiden Universitäten und Universitätskliniken sei ein Forschungskooperationsvertrag geschlossen worden. Krause versicherte, dass die Zusammenarbeit mit Heidelberg „auf Augenhöhe mit einem starken Partner“ passiere. An der Spitze stehe ein Team aus zwei Heidelberger und zwei Marburger Forschern. Es sei zudem abgemacht, dass die Grundlagenforschung zu „Unzeiten“ in den Nächten stattfinde, wenn keine Patienten behandelt werden können, sagte Krause.

Auf eine Klage gegen Rhön- wegen Vertragsverletzung werde das Land Hessen nun verzichten, erklärte Rhein. Es sei denn, dass in sieben Jahren nicht das Behandlungsziel von 1000 Patienten jährlich erreicht sei. Rhön habe in den zurückliegenden Monaten 3,75 Millionen Euro an Verzugsstrafen gezahlt, berichtete der Minister.

von Steffen Gross

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