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„Ebay-City“ zielt auf lokale Händler ab

Online-Handel „Ebay-City“ zielt auf lokale Händler ab

Ebay hat den stationären Handel im Visier: Mit 
„lokal & digital“ will das Online-Haus lokalen Händlern eine Verkaufsplattform bieten – inklu­sive Städtenamen.

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Um lokale Händler zum Online-Verkauf zu bewegen, bietet Ebay nun Städte-Plattformen an – eine Möglichkeit wäre etwa die „Ebay-City Marburg“.

Quelle: Lukas Schulze

Marburg. Es mutet kurios an: Ausgerechnet Ebay, das gemeinsam mit anderen Internet-Händlern wie Amazon oder Zalando zur Krise im Einzel­handel beigetragen hat, will nun mit der Initiative „lokal & digital“ verstärkt stationäre Händler ins Geschäft bringen.

„Wir bieten den städtischen Einzelhändlern eine Plattform, um sich erfolgreich im E-Commerce zu etablieren“, erläutert Ebay-Manager Denis Burger. Gegen eine Gebühr von knapp 5 000 Euro im Jahr können sich Kommunen demnach eine eigene Online-Präsenz sichern und erhalten so Zugang zu den 17 Millionen aktiven Nutzern in Deutschland und 169 Millionen weltweit. Außerdem werden ein Beratungsservice und Workshops angeboten.

„City-Plattform“ nennt Ebay dies – für Marburg könnte eine entsprechende Plattform also www.ebay-city.de/marburg heißen. Kunden könnten dort auf einen Blick die Händlervielfalt und den Sortimentsumfang der jeweiligen Stadt finden.

„Atlas der ungenutzten Chancen“

Neben dem digitalen Auftritt erhielten die Städte 30 kostenfreie Ebay-Basisshops für lokale Neuhändler und eine exklusive Startberatung durch den Konzern. Darüber hinaus stehe ein Netzwerk von Experten bereit, „um Stadt und Handel bei den ersten Schritten zu begleiten. Darunter finden sich unter anderem auch die Wirtschaftsförderer und einige Händler der Pilotstädte der Initiative, 
die ihre Erfahrungen bei den ersten Schritten im Online-
 Handel gerne teilen“, teilt 
der Konzern mit. Rechtliche Ab­sicherung werde durch die 
Zusammenarbeit mit „Trusted Shops“ gewährleistet.

Laut dem Online-Händler sei eine solche Plattform dringend nötig. Denn eine Ebay-Studie habe ergeben, dass derzeit nur jeder dritte Einzelhändler in Deutschland seine Ware auch im Internet verkaufe. „Atlas der ungenutzten Chancen“, nennt der Konzern die Studie. Und darin werde deutlich, dass Händler beispielsweise mit einer 
engen Verknüpfung von Offline- 
und Online-Kanälen sicher­stellen könnten, den Kunden im Kaufprozess bestmöglich zu 
begleiten.

Lokale Domain kostet 
die Kommune 5000 Euro

„Der Atlas zeigt, dass der lokale Handel mit dem Wandel des Kaufverhaltens seiner Kunden zu kämpfen hat“, erklärt Denis Burger, es bestehe noch „erheblicher Online-Nachholbedarf“. Mit der Initiative wolle man dem lokalen Handel helfen, ihn für die Ansprüche des modernen Kunden fit zu machen.

Hört sich uneigennützig an, ist es aber nicht. Denn natürlich will der Konzern auch an Ebay-City verdienen. So kostet die Domain zunächst einmal 5000 Euro im Jahr. Und den Teilnehmern wird versprochen, dass sie zwölf Monate lang kostenlos einen Basis-Shop nutzen können. Der schlägt danach jedoch monatlich mit 39,95 Euro zu Buche. In der gehobenen Ausstattung – also als Premium- oder Top-Shop – steigt die Monatsgebühr auf 79,95 oder gar 299,95 Euro. Hinzu kommt die Verkaufs­provision, die sich nach der 
Ware richtet – und eine Gebühr für zahlreiche Optionen, die bei den Verkäufen ausgewählt werden können.

Ebay wirbt damit, dass man 17 Millionen Kunden deutschlandweit erreichen könne. Das hört sich immens an. Doch wer nicht in einer der Ebay-Städte oder dem Umfeld wohnt, wird sich die Ware wohl eher zusenden lassen. Und darauf ist der stationäre Handel kaum eingerichtet – somit bleiben von den 17 Millionen potenziellen Käufern nur noch wenige übrig.

„Ich halte 
das Konzept für sehr interessant“

In einer Pilotphase wurde das Modell bereits seit Herbst 2015 in Mönchengladbach und später auch im niedersächsischen Diepholz getestet. In Mönchen­gladbach konnten die 79 teilnehmenden Händler mehr als 160.000 Artikel in 84 Länder 
verkaufen – im Gesamtwert von gut 6,7 Millionen Euro. Aktive Händler hätten im Durchschnitt einen zusätzlichen Jahresumsatz von 90.000 Euro erzielen können.

In der 16.000-Einwohner-Stadt Diepholz habe der zusätzliche Umsatz bei 30.000 Euro gelegen. Dort bieten seit Ende vergangenen Jahres bisher 30 Einzelhändler ihre Waren über eine eigene Präsenz bei Ebay an. Also doch eine gute Chance?

Das bejaht beispielsweise Holger Gröb: Er führt im Kaufpark Wehrda das Foto-Fachgeschäft Ringfoto Marburg. „Ich halte 
das Konzept für sehr interessant“, sagt Gröb, „wenn es in Mönchengladbach funktioniert – warum sollte es dann in Marburg nicht funktionieren?“, fragt er.

Pluspunkt: Steigerung 
der Kundenfrequenz

Problematisch schätzt Gröb die Provision ein, denn: „Gerade im Hardware-Bereich wie bei Kameras, wo die Handelsspanne äußerst gering ist, gibt man diese Spanne im Prinzip durch die Provision direkt an Ebay weiter.“ Dennoch sei das Angebot ganz klar eine Chance.

„Ich würde dort nicht jeden Artikel anbieten. Aber beispielsweise Dienstleistungen, wie 
Video-Überspielungen, Passbilder oder ähnliches wären eine gute Möglichkeit“, ist er sicher. Und auch bei einem Waren-
Überbestand auf dem Lager ließen sich diese gut auf einer solchen Plattform verkaufen, „denn gerade Kameras verlieren sonst täglich an Wert – dann doch lieber schnell verkaufen, um wenigstens den Einkaufspreis zu erzielen“, meint Holger Gröb. Ein weiterer Pluspunkt sei die Steigerung der Kunden­frequenz im Laden.

Zur Finanzierung der Domain hätte er auch schon eine Idee: „Bei jedem Marburg-Gutschein müssen wir eine Provision von drei Prozent zahlen. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass nicht jeder Gutschein eingelöst wird. Vielleicht könnte ein Teil dieses Geldes ja den Grundstock der Finanzierung bilden.“

Negativ: Plattform muss selbst betreut werden

Jan-Bernd Röllmann, Geschäftsführer des Stadtmarketings Marburg, überzeugt die „Ebay-City Marburg“ nicht auf ganzer Linie. „Der Vorteil ist: Die, die bei einem solchen Projekt mitmachen, hatten bisher noch keinen Online-Shop – und vom Handling her ist Ebay sehr einfach“, sagt Röllmann. Somit sei der Einstieg recht niedrig­schwellig. Problematisch sei aber etwa die Suche: „Wenn ich nicht auf Ebay-City, sondern bei Ebay direkt suche – etwa ,Fruchtgummi Mönchengladbach‘, denn es ist ein Fruchtgummi-Laden vertreten – dann bekomme ich Fruchtgummis von Borussia Mönchengladbach angezeigt, und nicht mehr. Die Suche ist lokal nicht begrenzt.“

Ein weiteres Problem sei, dass die Wertschöpfung bei Ebay liege – und nicht in der Region. „Das Entscheidende und Teuerste ist jedoch, dass die Plattform betreut werden muss – und das macht nicht Ebay“, sagt Röllmann. Dafür benötige man zumindest im ersten Jahr eine volle Stelle.

In Marburg habe man sich entschieden, „nicht aufs erste 
Pferd zu steigen“, sagt Röllmann. Er kenne bisher kein Modell, das wirklich funktioniere. Die „Online-City Wuppertal“ wurde zwei Jahre lang gefördert, 50 Händler sind mit an Bord – mit durchwachsenem Erfolg. In Siegen läuft das Projekt „Lokaso“ – mit knapp 40 Händlern. „Die Projekte sind vielversprechend, haken aber noch“, sagt Röllmann. Klar ist: „Die Händler müssen bereit sein, Geld in die Hand zu nehmen.“ Das Stadtmarketing wolle 
 zunächst versuchen, einen regionalen Online-Marktplatz zu bauen.

„Das heißt noch nicht, dass man dort online kaufen kann. Viele Unternehmen in Marburg sind noch nicht einmal zu finden, weil sie nicht online aufgestellt sind. Das wollen wir ändern“, kündigt Röllmann an, ohne ins Detail zu gehen.  (Foto: Arno Burgi)

Das Online-Geschäft mit Möbeln, Heimwerkerbedarf und Lebensmitteln wächst kräftig. Bei Bekleidung fallen die Wachstumsraten geringer aus. Und das Geschäft mit 
Büchern schrumpft sogar.

Der Online-Handel in Deutschland setzt sein stürmisches Wachstum fort. Im zweiten Quartal 2017 (April bis Juni) stiegen die Umsätze der Internethändler auf knapp 14 Milliarden Euro, wie Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) am Freitag mitteilte. Dies bedeutet ein Plus von gut 12 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz mit digitalen Dienstleistungen wie elektronischen Tickets, Downloads oder Hotelbuchungen wuchs um 13,7 Prozent auf knapp 4,2 Milliarden Euro.

Multichannel-Anbieter im Aufwind

Allerdings entwickelte sich das Geschäft je nach Branche sehr unterschiedlich. Besonders hohe Zuwächse verzeichnete der Internethandel bei Möbeln, Lampen und Dekorationsartikeln (33,9 Prozent), Heimwerkerbedarf und Blumen (32,4 Prozent) sowie einmal mehr in der Warengruppe Computer, Zubehör und Spiele (29,7 Prozent). Auch der Online-Handel mit Lebensmitteln legte kräftig um 28,9 Prozent auf 272 Millionen Euro zu. Gemessen am Gesamtumsatz des Lebensmittelhandels ist der Marktanteil der Internethändler hier aber nach wie vor gering.

Der Onlineumsatz mit Bekleidung und Schuhen stieg dagegen im zweiten Quartal nur noch um 2,9 Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro. Allerdings hat sich der Online-Handel in diesen Berichten bereits einen sehr hohen Marktanteil gesichert. Die Online-Umsätze bei Büchern und E-Books gingen laut Verband indes sogar um 7,2 Prozent auf 826 Millionen Euro zurück.

Fast die Hälfte der Umsätze entfiel auf Online-Marktplätze wie Amazon oder Ebay. Wachstumsstärker waren im zweiten Quartal allerdings Multichannel-Anbieter, die unter einem Dach Online-Angebote und Ladengeschäfte vereinen.

Für das Gesamtjahr rechnet der bevh für den E-Commerce-­Bereich mit einem Umsatzwachstum von rund 11 Prozent auf 58,5 Milliarden Euro. Insgesamt werden im deutschen Einzelhandel nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) jährlich rund 482 Milliarden Euro umgesetzt

von Andreas Schmidt und unserer Agentur

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