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Ölpreis trotzt Krisen und bleibt stabil

Energiemarkt Ölpreis trotzt Krisen und bleibt stabil

Gefühlt steigt der Ölpreis stetig an. Doch der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH) verdeutlicht: Heizöl ist derzeit rund vier Prozent günstiger als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr.

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Der Preis für Heizöl ist derzeit so günstig wie zuletzt im Jahr 2011. Der starke Euro und der milde Winter entlastet die Verbraucher.

Quelle: Patrick Pleul

Marburg. Bei einem Pressegespräch informierte der VEH, dass Verbraucher in Hessen derzeit durchschnittlich rund 81 Cent pro Liter bei einer Abnahme von 3000 Litern zahlen. Dr. Jörg Lenk, Geschäftsführer des Verbandes verdeutlicht: „Der Heizölpreis bewegt sich seit über einem Jahr überwiegend seitwärts und ist im Mai nochmals leicht gesunken.“

Die Preise für Rohöl seien relativ konstant geblieben, zudem schwanke der Euro in einer recht engen Spanne zwischen 1,35 und 1,37 US-Dollar. An der Stabilität hätten bisher „weder die Krise in der Ukraine noch die Ausfälle des für Deutschland wichtigen Förderlandes Libyen etwas geändert“, erläutert Lenk.

Die Engpässe seien zudem durch höhere Förderungen etwa der OPEC-Länder ausgeglichen worden. Zudem sei aufgrund des milden Winters insbesondere die Nachfrage beim Heizöl um zehn Prozent zurückgegangen.

Wer einen Heizöltank im Keller stehen hat, kann sich über eine weitere gute Nachricht freuen: Die drohende wiederkehrende Prüfpflicht für diese Tanks ist vom Tisch. Lenk erläutert, dass der VEH „gemeinsam mit den Verbänden der Immobilienwirtschaft einen Passus verhindern konnten, der für Heizöltanks eine wiederkehrende Prüfpflicht vorgesehen hätte“. Pro Jahr hätte diese Prüfpflicht laut Verband Heizölkunden in Deutschland gut 40 Millionen Euro gekostet.

Nach Berechnungen des VEH lägen Heizöl-Lecks in Privathaushalten „nur im Promille-Bereich“. Das rechtfertige die drastischen Prüfmaßnahmen keineswegs.

Hessen hat die best geprüften Öltanks

Zudem habe gerade Hessen die best geprüften Tanks der Republik. Nach der derzeit gültigen Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen mussten hierzulande nämlich bis 2006 alle Heizöltanks von 1000 bis 10000 Litern überprüft werden.

Doch obwohl diese Faktoren eigentlich für das Heizen mit Öl sprechen, geht die Anzahl der Ölheizungen kontinuierlich zurück. Wurden 1995 noch 34 Prozent aller Heizungen mit Öl befeuert, waren es 2012 noch 29 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Gasheizungen von 37,4 auf 49,2 Prozent. Seit 2003 spielen auch Wärmepumpen eine Rolle - wenn auch nur eine kleine: Ihre Anzahl stieg von 0,1 bis 2012 auf 0,7 Prozent.

Den Verband treiben indes die Themen Anschlusszwänge und Verbrennungsverbote um. „Derzeit liegen uns deutschlandweit 1055 derartige Eingriffe vor, darunter 79 in Hessen“, so Lenk. Dabei handele es sich um Bebauungspläne, die alle einen Anschluss- und Benutzungszwang an Fernwärme vorsähen. Hausbesitzer dürften in solchen Fällen kein individuelles Heizsystem betreiben.

„Für Hausbesitzer und Grundstückseigentümer kommt es zur Wertminderung und voraussichtlich steigenden Energiepreisen“, erklärt Lenk.

Bereits im August 2012 hatte eine Untersuchung des Bundeskartellamtes verdeutlicht, dass die Preise in Gebieten mit durch die Kommune auferlegten Anschlusszwängen tendenziell höher seien.

Doch wie können Verbraucher Energie einsparen? „Durch die Modernisierung der Heizung“, so der Geschäftsführer.

Viele Heizungen sind schlichtweg zu alt

Untersuchungen zeigten, dass 78 Prozent der installierten Heizsysteme nicht effizient seien. Ob Öl oder Gas: Viele Heizungen seien schlichtweg zu alt. „Der Jahresnutzungsgrad dieser alten Geräte liegt bei nur 68 Prozent, der Rest der Energie verpufft“, so Lenk. Ersetzte man diese Geräte durch welche mit Brennwerttechnik, steige die Effizienz auf 97 Prozent, „mehr ist technisch allerdings nicht möglich“. Die Zukunft sieht der Verband bei sogenannten Hybrid-Systemen: Auf dem Dach sorgt die Solarthermie bei Sonnenschein für heißes Wasser, der Kaminofen besitzt einen Wärmetauscher, der ebenfalls heißes Wasser liefert, und die Brennwert-Heizung sorge sonst für die benötigte Wärme. „Diese Systeme verbinden regenerative und fossile Energieträger miteinander, wobei die fossilen die Spitzenlasten abdecken.“

von Andreas Schmidt

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