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Ockershäuser wollen Post im Dorf behalten

Ortsvorsteher kritisiert Informationspolitik Ockershäuser wollen Post im Dorf behalten

Die Ockershäuser toben: Ab dem 15. September müssen sie einen Umweg von drei Kilometern in Kauf nehmen, um ihre ­Pakete und Briefe abzu­geben oder abzuholen. Die Post „sieht das Problem nicht“.

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Mit einer Unterschriftenaktion kämpft Reiner Mudersbach für den Erhalt der Poststelle in Ockershausen.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Stellen Sie sich vor, Sie finden einen gelben Postzettel in Ihrem Briefkasten mit dem Hinweis, dass der Paketbote Sie nicht angetroffen habe und der Aufforderung, Ihr Paket deshalb in den nächsten Tagen selbst in der nahe gelegenen Poststelle abzuholen. Bloß, dass diese nicht nahe gelegen ist, sondern drei Kilometer entfernt auf einem Berg liegt. Sie haben kein Auto und sind im schlimmsten Fall gehbehindert.

Auf solche Situationen müssen sich die Ockershäuser in Zukunft öfter einstellen, denn zum 15. September wird die Poststelle in der Ockershäuser Straße in die neue Tegut-Filiale in der Jakob-Kaiser-Straße im Stadtwald verlegt.

„Wir dürfen uns
 das nicht gefallen lassen“

„Das ist schon ein dicker Hund, dass so etwas passiert“, kritisiert Reiner Mudersbach vom Bürgerprojekt „Gut Älterwerden in Ockershausen“ und hat dafür Gründe: Zum einen ist der Umweg bis ins Stadtwaldgebiet für die vielen alten Menschen, die in den Altenheimen in Ockershausen leben, eine Zumutung. Zudem sei es nicht nachvollziehbar, warum eine bisher „zeitlich ohnehin nur unzureichend geöffnete“ Poststelle aus einem mit zirka 4500 Einwohnern bewohntem Gebiet in einen Stadtteil mit zirka 1500 Einwohner verlegt werde.

Zum anderen hätten die Betroffenen erst spät von der Schließung erfahren. „Solche Dinge passieren oft im Verborgenen. Da werden Verträge ausgehandelt, ohne dass die Betroffenen etwas davon wissen“, moniert Mudersbach. Doch das will er nicht auf sich sitzen lassen: „Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen. Wir müssen etwas dagegen unternehmen.“

Mit einer Unterschriftenaktion kämpft er nun für einen Erhalt der Poststelle in Ockershausen. Mehr als 800 Menschen haben sich inzwischen in seine Listen, die in den Altenheimen Ars Vivendi und Wolff‘sche Stiftung, der Sparkasse, Apotheke, beim Frisör und vielen anderen Orten ausliegen, eingetragen – Tendenz steigend.

Post-Sprecher Alexander Böhm sieht das gelassen. „Wir schauen mal, was die Unterschriftensammlung bringt“, sagt er im OP-Gespräch. Grundsätzlich sei man bei der Post offen für Gespräche.
Jedoch habe es sich bei der Poststelle in der Ockershäuser Straße „nur um einen Übergangsstandort“ gehandelt.

„Sie hatte täglich nur ein bis zwei Stunden geöffnet. Das war für niemanden zufriedenstellend – für die Kunden nicht, aber auch für unser Geschäft nicht“, erklärt er. Man habe neben Tegut auch Ockershäuser Institutionen und Geschäftsleute angefragt, doch niemand habe sich bereiterklärt, eine Anlaufstelle bei sich zu eröffnen.

Privater Betreiber will zweite Poststelle anbieten

Die neue Poststelle in der Tegut-Filiale hält er für eine gute Lösung. Sie sei nicht nur größer, sondern habe von 8 bis 19 Uhr auch länger geöffnet. „Ich sehe das Problem also nicht“, resümiert Böhm. Er verstehe zwar, dass der Weg für ältere Menschen beschwerlich werden könnte.

Er macht aber darauf aufmerksam, dass die Bewohner der Altenheime grundsätzlich die Möglichkeit hätten, ihre Briefe oder Pakete bei den Mitarbeitern oder der Hausverwaltung abzugeben. Jeder andere könne es bei den Paketlieferanten abgeben. „Dafür muss man aber zum richtigen Zeitpunkt einen Paketboten treffen“, bemerkt Ortsvorsteher Ludwig Schneider, der über solche Vorschläge nur den Kopf schütteln kann.

Auch er kritisiert die Informationspolitik der Post. Der Ortsbeirat hätte 14 Tage vor seiner Sitzung am 12. Juli von der Schließung erfahren und sich in einem Dringlichkeitsantrag damit befasst. Trotz allem Ärger ist Schneider jedoch „guter Hoffnung“: So hätte sich inzwischen ein privater Betreiber bereiterklärt, eine Poststelle bei sich zu installieren.

„Es gibt immer mal wieder Gespräche“, bestätigt Post-Sprecher Böhm. Einen zweiten Standort schließe man bei der Post prinzipiell nicht aus. Man wolle der neuen Postfiliale aber auch keine Konkurrenz schaffen.

von Ruth Korte

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