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Ein Beruf, um das Licht zu beherrschen

OP-Ausbildungsserie (Teil 10) Ein Beruf, um das Licht zu beherrschen

Wenn es um Berufe geht, die das obligatorische 
Augenmaß und den Blick für das Besondere 
ausmachen, dann ist der Fotograf ganz vorne mit dabei.

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„Die höchste Kunst der Fotografie ist die Darstellung von Emotionen“, sagt Fotografin Anja Feldevert – wie hier bei einem Shooting mit ihren beiden Töchtern Emma und Frieda.

Quelle: Ina Tannert

Amöneburg. Wohl der Großteil der Gesellschaft und erst recht aller Handybesitzer schießt gerne Fotos. Dabei können zwischen Schnappschuss und professionellem Foto Welten liegen. Der Unterschied kann immens sein, von den beruflichen Anforderungen haben manche dennoch eine falsche Vorstellung. Ein Foto schießen kann so ziemlich jeder, richtig fotografieren erfordert ein umfangreiches Fachwissen.

Dessen seien sich viele Menschen nicht bewusst: „Viele­ zählen den Beruf gar nicht zum Handwerk dazu, die Berufsbezeichnung ist leider auch nicht geschützt. Dabei ist es ganz wichtig, dass es Fotografen gibt, die richtige Fotos machen können“, sagt Holger Gröb, ­
Inhaber von Photography Zabel in Amöneburg. Entsprechend hoch sind die Qualitätsunterschiede am Markt zwischen ausgebildeten Fotografen mit Gesellen- oder Meisterprüfung und „Hobbyfotografen mit Gewerbeschein“, wie Gröb sagt.

Schwerpunkte gibt es dabei viele, in denen professionelle Fachleute gefragt sind: Porträt-, Produkt-, Industrie-, Architektur- oder wissenschaftliche Fotografie, um nur einige zu nennen.

Das Licht im Blick

Einfach „drauflosknipsen“ funktioniert nicht. Vor jeder Aufnahme ist Fachwissen und Kopfarbeit gefragt. „Wichtig sind ein guter Blick und Sinn für Gestaltung“, sagt Fotografengesellin Anja Feldevert. Der professionelle Fotograf hat das noch nicht geschossene Foto bereits mehr oder weniger im Kopf. Er entscheidet vorher, welches Aufnahmematerial, welche Kamera, welches Objektiv und welche Einstellung sich für die jeweiligen Aufnahmebedingungen am besten eignet. Er muss alle Gestaltungselemente der Fotografie kennen, muss das Zusammenspiel zwischen Blendenöffnung, Belichtungszeit, ISO-Werten und Weißabgleich einplanen und die optimale Einstellung für das jeweilige Foto finden.

Stets zu beachten sind die Lichtverhältnisse. Der Foto­graf passt die Technik an die Umgebung an, wählt unter anderem die passende Beleuchtungsart, vom natürlichen und künstlichen Licht bis zu Blitz und Filter, im Studio wie unter freiem Himmel. „Man muss sich auf jede Lichtsituation, auf jede neue Wolke einstellen. Das Licht zu beherrschen ist eine Königsklasse der Fotografie“, sagt Feldevert.

Hinzu kommt die Wahl des Winkels und der passenden Position, ob vom Motiv, einer Person oder des Fotografen selber. Die Perspektive ist wichtig und kann entscheidend zu einem gelungenen Bild beitragen. Sowohl sein Motiv wie den Hintergrund muss der Fachmann dabei stets im Blick behalten.

Fotografen müssen kreativ und zeitlich flexibel sein

Der Umgang mit den Kunden ist bei der Arbeit wichtig. Die Kommunikation muss stimmen, um das gewünschte Foto zu erzeugen. Nicht nur der Kunde, auch der Fotograf muss dazu eigene Ideen entwickeln, Tipps zum Hintergrund, zur Wahl der Kleidung oder Körperhaltung des Models geben können.

„Man braucht ganz viel Kreativität und ein gutes Auge“, sagt Feldevert. Das beste Equipment bringe nichts, wenn der Mensch am Auslöser nicht dessen ganzes Potenzial kennt. Das lernt der Nachwuchs während der dreijährigen Ausbildung. Dabei werden Auge und Denken geschult und täglich gefordert. Die Berufschule steht in Frankfurt, der Unterricht findet im Block statt. Für die Tätigkeit im Foto­studio ist Flexibilität gefragt, auch beim Nachwuchs, etwa für die Arbeit am Wochenende, betont Gröb. Fotoshootings, Feste, Hochzeiten oder Konfirmationsfeiern finden häufig dann statt, wenn andere frei haben. Darauf muss sich der angehende Fotograf einstellen.

Technisches Verständnis gehört zum Berufsalltag. Im ersten Ausbildungsjahr assistiert der Lehrling dem Profi und macht sich mit dem Equipment eines professionellen Fotostudios vertraut. Auch mit Film- und Videotechnik muss sich ein Fotograf beschäftigen. Ebenso mit Software zum Bearbeiten und Retuschieren der Bilder. Das erfordert mehr Zeit, als viele ­glauben. „Die Nachbearbeitung dauert länger als das Fotoshooting“, sagt Gröb.

Normale Menschen ins richtige Licht gerückt

Davon ausgehend, dass die Technik eventuelle Schnitzer im Foto ausbügelt, sollte ein Fotograf dabei nicht. „Man darf sich nicht auf die Nachbearbeitung verlassen und einfach 100 Fotos schießen. Nicht die Masse gibt den Ausschlag, sondern der richtige Blick“, sagt Feldevert.
Der kommt besonders bei emotionalen Fotos, wie dem perfekten Familienfoto, zutage und sei eine Königsklasse der Fotografie, nicht die klassische Hochzeitsfotografie, wie es oft heißt: „Ein guter Fotograf muss die Persönlichkeiten der Menschen einfangen. Emotionen darstellen – das ist die Kunst“.

Das perfekte Model gebe dabei nicht den Ausschlag, eher das Gegenteil sei der Fall: „Ich liebe es, normale Menschen ins richtige Licht zu rücken. Fühlen die sich gut getroffen, ist das die größte Bestätigung in diesem Beruf“, schwärmt die Fotografin.

Vier Fotografen und ein Auszubildender sind für die beiden Studios in Amöneburg und Alsfeld von Photopraphy Zabel im Einsatz. Das Studio hat noch eine freie Ausbildungsstelle zum Fotografen.

von Ina Tannert

Top 10 freie Ausbildungsstellen

Verkäufer (16)
Altenpfleger (13)
Koch (13)
Hotelfachmann (12)
Maurer (7)
Fleischer (6)
Bäcker (4)
Zahntechniker (2)
Florist (1)
Fotograf (1)

(Quelle: Agentur für Arbeit. Stand: 1. August)

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OP-Ausbildungsserie (Teil 9)
Große Maschinen, aber auch Augenmaß und Geschick zählen im Baugewerbe, sagt der Auszubildende Daniel Meser – etwa beim Verlegen einer Bordsteinrinne. Foto: Ina Tannert

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