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Arbeit ganz nah am Menschen

OP-Ausbildungsserie (Teil 3) Arbeit ganz nah am Menschen

Nah am Menschen, auf Augenhöhe mit den Kunden arbeitet der Friseur 
in einem Handwerk über und für die Schönheit, das starke Nerven, Fingerfertigkeit und emotionales Gespür erfordert.

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Die angehende Friseurin Anna Souza Pereira arbeitet an der Frisur von Buket Kacar.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Die vielfältigen Fertigkeiten ihres Berufes erlernt derzeit Anna Souza Pereira im Marburger Friseursalon Rampenlicht. Sie hat diverse Kompetenzen und Techniken zu meistern, denn mit einer schnellen Frisur für zwischendurch ist es in ihrer Branche längst nicht getan. Anna berichtet aus einem kreativen wie anstrengenden Arbeitsalltag, für den sich die 19-Jährige nach einem Tag im Salon während des „Girls‘ Day“ und einem Praktikum entschieden hat.

Neben der traditionellen Haarpflege, Waschen, Schneiden, Färben und Frisieren, erlernen angehende Friseure diverse kosmetische Behandlungen in der Haut-, Hand- oder Nagelpflege. Alles dreht sich um das Thema Schönheit. Das ist der modebewussten Auszubildenden mit Hang zum kreativen Arbeiten sehr recht, „ich habe mich immer für Mode, Make-up und Farben interessiert und experimentiere gerne“, erzählt sie. Alles Eigenschaften, die ihr in ihrem Beruf gelegen kommen, durch den sie zudem vieles für das alltägliche Leben lernt, erzählt sie.

Derzeit beschäftigt sich Anna mit der Haut- und Haarstruktur, mit Farben, Mischverhältnissen und Färbetechniken. Davon gibt es so einige: Auf die Coloration per „Freehandstyle“, Färben ohne Folie oder Pinsel, wird im Salon großen Wert gelegt. Das Gestalten von Strähnen frei Hand ist anspruchsvoll und erfordert viel Geschick, „dafür kann man besonders kreativ sein, ich mag es außergewöhnlich“, erzählt die 19-jährige Auszubildende.

Branche sucht 
dringend Nachwuchs

Anna ist im ersten Ausbildungsjahr, in Zukunft wird sie sich auch an die Königsdisziplin der Branche heranwagen, den klassischen Fassonschnitt bei Herren. Die Schnittstruktur mit Kamm und Schere perfekt zu treffen ist eine Herausforderung, ebenso wie die Dauerwelle, die zwar nicht mehr im Trend liegt, aber noch gelehrt wird. Auch die spezielle Behandlung mit Keratin zur schonenden Haarglättung muss die Heranwachsende künftig meistern. Der Salon bietet zudem Haarverdichtungen und -verlängerungen an. Für diese Anwendungen werden ausgewählte Mitarbeiter besonders geschult, Teil der normalen Ausbildung ist diese Technik nicht. Die Weiterbildungsmöglichkeiten der Branche sind hoch. Neue Trends, Techniken oder Spezialitäten sind gefragt bei der Kundschaft.

Die Vielfalt in ihrem Beruf wie die Arbeit nah an den Kunden liegt Anna sehr, „ich wollte immer etwas Kreatives mit Menschen machen – am Schreibtisch habe ich mich nie gesehen“, erzählt sie begeistert. Dabei sind soziale Kompetenzen ebenso wichtig. Ein freundlicher, enger Umgang mit Kunden gehört zum Tagesgeschäft, in nur wenigen Handwerken kommt man Menschen so nahe wie als Friseur – körperlich wie emotional. Ob beim Haare waschen, Schneiden, Färben oder bei kosmetischen Behandlungen – das Aussehen ist stets ein heikles Thema und erfordert einen sensiblen Umgang und professionelle Beratung.

Größtes Lob: Wenn die Kunden zufrieden sind

Nachwuchs ist in der sehr verbreiteten Branche dabei rar gesät, viele Jugendliche schreckt die harte Arbeit im Stehen ab, andere unterschätzen die Anforderungen. „Geschicklichkeit und Durchhaltevermögen sind wichtig. Das erste Jahr ist anstrengend, aber es lohnt sich auf jeden Fall“, findet Anna.

Das sieht auch ihre Chefin so, die eine sinkende Kompetenz beim potenziellen Nachwuchs in den vergangenen Jahren bemängelt: „Ich bilde gerne aus, aber gute Bewerber sind heutzutage schwer zu finden“, sagt Salonbesitzerin Bilgin Özulus. Ihr Anspruch ist hoch, „das Handwerkliche muss einem liegen – mit zwei linken Händen funktioniert es nicht“, sagt die Meisterin.

Der Beruf ist indes von Vorteil für eine Karriere als Kosmetiker oder Maskenbildner, „es gibt einige Aufstiegschancen“. In diese Richtung tendiert auch Anna, die bereits eine weitere Ausbildung als Kosmetikerin plant, alles im Sinne der Schönheit. „Es gefällt mir einfach, andere Menschen zu verschönern – das Beste ist, wenn sich die Kunden am Ende ebenso freuen“, schwärmt sie.

  • Der Marburger Salon Rampenlicht bietet in diesem Jahr noch eine freie Ausbildungsstelle zum Friseur.

von Ina Tannert

 Top 10: Freie Ausbildungsstellen
Friseur (45 freie Plätze)
Verkäufer (31)
Maler und Lackierer – Gestaltung und Instandhaltung (16)
Hotelfachmann (11)
Kaufmann für
Büromanagement (7)
Bäcker (7)
Fachkraft Lagerlogistik (6)
Berufskraftfahrer (3)
Zimmerer (3)
Fahrzeuglackierer (2)
(Quelle: Agentur für Arbeit. Genannt wird nur die männliche Berufsbezeichnung. Stand: 31. Mai)
Mehr zur Ausbildungsserie lesen Sie hier.
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OP-Ausbildungsserie (Teil 2)
„Köche finden sich in jeder Küche zurecht“, sagt der Auszubildende Miro Nelke über seinen Traumberuf. Foto: Ina Tannert

Der Beruf des Kochs ist ebenso hart wie kreativ – und bietet viel Abwechslung, gepaart mit weltweiten Karrierechancen.

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