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Allrounder in der Gastronomie

OP-Ausbildungsserie (Teil 5) Allrounder in der Gastronomie

Ob im Hotelzimmer, im Restaurant oder in der Verwaltung – dass sich der Gast rundum wohlfühlt und der Betrieb reibungslos läuft, dafür sorgen allerorts die Hotelfachleute.

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Reinigen, ordnen, auffüllen – dem Gast soll es schließlich an nichts mangeln, sagt der Auszubildende Ardit Hema.

Quelle: Ina Tannert

Gisselberg. Eine Wasserflasche klirrt leise, als Ardit Hema die Minibar in dem frisch geputzten und gelüfteten Hotelzimmer auffüllt. Mit geübtem Blick prüft er das Bad, schiebt eine Lampe in die korrekte Position und zupft eine Falte aus der frischen Bettwäsche. Bald kommt der nächste Gast.

Und der soll sich wohlfühlen im Zimmer, „ich prüfe, ob auch alles da ist“, erklärt Ardit. Der 19-Jährige ist Auszubildender im zweiten Jahr im Hotel Fasanerie in Gisselberg. Als angehender Hotelfachmann sorgt er dafür, dass es den Gästen, wie auch dem ganzen Betrieb, an nichts mangelt.

Er muss den gesamten Hotelablauf genau kennen und planen, die An- wie Abreisezeiten der Gäste täglich im Blick haben und die Zimmer entsprechend vorbereiten. Zieht ein Gast aus, „dann wird gründlich sauber­gemacht und kontrolliert – Betten, Bad, Wäsche, Handtücher und Minibar“, zählt Ardit auf. Auch, wenn er im Privatleben nicht der Ordentlichste ist, wie er verrät, bei der Arbeit packt ihn der Ehrgeiz: „Das muss alles ordentlich sein, dafür zahlen die Gäste schließlich.“

Flaschen und Snacks auf dem Zimmer werden ganz besonders in Augenschein genommen, denn dabei trickst so mancher Gast auch mal: Leere Flaschen werden mit Leitungswasser aufgefüllt, der halb aufgegessene Schokoriegel wird wieder verpackt und zurückgelegt. „Man muss schon genau hinsehen und was im Kopf haben“, erzählt Ardit und grinst.

Dabei ist ein sauberes, picobello aufgeräumtes und mit allen Annehmlichkeiten versehenes Hotelzimmer nur eine Aufgabe von vielen, die in der Verantwortung von Hotelfachleuten liegt.

Gearbeitet wird im Zweischicht-System

Auch wenn es der Name nicht sofort verrät – der Beruf ist eine Mischung aus Hotel- und Restaurantfachmann und quasi der „Allrounder“ der Gastronomiebranche, erklärt Chef Joachim Schultze.

Gearbeitet wird in der Fasanerie im Zweischicht-System. Die Frühschicht beginnt morgens um 6 Uhr mit den Vorbereitungen am Arbeitsplatz, in der Branche „Mise en Place“ genannt. Am Morgen etwa das Büfett aufbauen und präsentieren, Tische eindecken, Eier kochen. Steht eine Tagung im Haus an, werden die Mittagskarte und das Kuchenbüfett vorbereitet. Am frühen Nachmittag ist Feierabend und die Spätschicht rückt an, die bis etwa 23 Uhr arbeitet und Vorarbeiten für den nächsten Tag übernimmt.

Hotelfachleute legen überall mit Hand an, ohne sie läuft nichts. Sie sind ebenfalls in der Verwaltung tätig, bereiten Veranstaltungen vor und arbeiten an der Rezeption.

Letzteres zählt da schon zu den gehobenen Ansprüchen dieses Berufes, „der erste Eindruck ist ganz wichtig“, sagt Ardit. Den neuen Gast professionell zu empfangen, die Ankunft ideal zu gestalten und auf jede Frage eine Antwort zu finden – das muss der Nachwuchs erst einmal lernen. In großen Betrieben übernehmen die Fachkräfte Aufgaben im Marketingbereich oder verhandeln mit Reiseveranstaltern. „Es ist faszinierend, wie ein Hotelbetrieb abläuft, monoton wird es bei der Arbeit nie“, sagt Ardit.

Ziele: Studium und 
vielleicht ein eigenes Hotel

Während der dreijährigen Ausbildung beschäftigen sich die Azubis sowohl mit praktischen Arbeiten wie der Reinigung, den Besteckregeln, als auch mit Marketing, der Warenwirtschaft und Verwaltungsaufgaben und ganz wichtig mit der englischen Sprache.

Denn professionelle Hotelfachleute sind weltweit überall im Hotelgewerbe gefragt, „der Beruf ist international, es gibt viele Karrieremöglichkeiten“, erklärt Hannelore Köhler von der Arbeitsagentur. Es stehen diverse Aufstiegschancen zur Verfügung, auch ohne Abitur: Wie generell in der Systemgastronomie üblich, kann der Auszubildende nach bestandener Abschlussprüfung und einem weiteren Jahr Berufstätigkeit in Vollzeit die Hotelfachschule besuchen.

Die zweijährige Weiterbildung schließt mit dem Ausbilder­eignungsschein ab und qualifiziert für verschiedene Managementpositionen. Zudem wird die Fachhochschulreife erworben. Diese Möglichkeit will auch Ardit nutzen, später studieren und Hotelbetriebswirt werden, irgendwann vielleicht mit eigenem Hotel. „Ich wollte immer ins Management und studieren, aber vorher erst einmal arbeiten und eine Ausbildung machen“, fasst er zusammen. Die Fasanerie hat noch eine offene Ausbildungsstelle im Bereich Hotelfachmann für dieses Jahr.

von Ina Tannert

 Top 10 freie Ausbildungsstellen
Friseur (45)
Restaurantfachmann (12)
Hotelfachmann (11)
Maurer (9)
Metallbauer (6)
Fachmann für Systemgastronomie (5)
Gießereimechaniker (4)
Rechtsanwaltsfachangestellte (4)
Altenpflegehelfer (3)
Kaufmann – Groß- und Außenhandel (1)
(Quelle: Agentur für Arbeit. Stand: 30. Mai)
Mehr zur Ausbildungsserie lesen Sie hier.
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