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OB Spies fordert Autobahn-Status für Marburg

Neue Denkanstöße für die Verkehrspolitik OB Spies fordert Autobahn-Status für Marburg

Die Bundesstraße 3 zwischen Gießen und Gisselberg soll Teil der Autobahn 485 werden: Das fordert Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

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Der frühere Oberbürgermeister Egon Vaupel (links) wurde zum Ehrenmitglied des Arbeitskreises für Kommunalfragen gewählt. Sein Nachfolger Dr. Thomas Spies (rechts) stellte seine Positionen zur Infrastruktur vor. Beide erhielten ein „Lahnbier“ von AfK-Vorstand Thomas Janssen.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Der Vorschlag klingt zunächst einfach: Die Bundesstraße 3 von Gießen bis Marburg-Gisselberg wird Teil der Autobahnstrecke 485. Anders ausgedrückt: Die Schnellstraße soll als Autobahn ausgewiesen und entsprechend beschildert werden.

„Das hätte einen großen Nutzen für die Stadt“, sagt Spies. Der OB stellte seine Idee am Donnerstagabend vor fast 40 Unternehmern und Geschäftsführern vor, die Mitglied im Arbeitskreis für Kommunalfragen sind. Dass auf der Landkarte die nächste Autobahn 30 Kilometer von Marburg entfernt sei, sei „Quatsch“, so Spies.

„Ich werde Bartol alle vier Wochen nerven“

Für Autofahrer würde sich nichts ändern, da bereits jetzt keine Tempobeschränkung auf dem Abschnitt gilt. Eine Anbindung würde Investoren anziehen und Marburg als Wirtschaftsstandort stärken, sagt Spies. Ein weiterer Vorteil wäre: Navigationssysteme würden die Fahrtzeit von Gießen nach Marburg kürzer als bisher anzeigen. Er habe seine Forderung dem heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten und Verkehrspolitiker Sören Bartol vorgetragen.

„Ich werde Bartol alle vier Wochen nerven“, so Spies. Das Bundesverkehrsministerium prüfe die Anfrage, bestätigte Bartol der OP. „Ich unterstütze die Idee von Thomas Spies“, so Bartol. Er habe das Ministerium zudem gebeten, zu prüfen, ob Tempo 80 im Stadtgebiet der B 3 möglich ist. Eine Antwort aus Berlin würde die jahrelange Debatte in Marburg beenden, erklärte der Abgeordnete.

Im Mittelpunkt der Jahresmitgliederversammlung stand der Vortrag von Dr. Thomas Spies. Der SPD-Oberbürgermeister, der seit Dezember im Amt ist, stellte seine Positionen zur Entwicklung der infrastrukturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf. Dabei gab Spies auch direkt und indirekt Neuigkeiten preis, die die AfK-Mitglieder im Anschluss an den offiziellen Teil 
rege diskutierten.

Rechtliche Hürden

So erklärte 
der Rathauschef, dass er für Marburg eine Autobahnanbindung fordert. Die Bundesstraße zwischen Gießen und dem Marburger Stadtteil Gisselberg soll als Teil der Autobahn 485 ausgewiesen werden. Man müsse 
nur die Schilder ändern, sagte 
Spies.

Allerdings gibt es nach Recherchen der OP aber auch rechtliche Hürden zu bewältigen, um das Vorhaben umzusetzen. Spies betonte, dass die 
 Autobahnanbindung in Gisselberg enden müsste. In der Innenstadt soll es schließlich weiterhin eine Geschwindigkeitsbegrenzung geben.

Interessiert zeigten sich die rund 40 Teilnehmer der AfK-Sitzung, die im Volksbank-Hauptgebäude stattfand, auch über die anderen verkehrspolitischen Aussagen. So erklärte Spies, die Nordstadt sei die größte 
Herausforderung für die Stadt. Der neue Bahnhofsvorplatz, ein Boulevard oder der künftige Campus würden das Viertel bald stark verändern – dies sei im Interesse des dortigen Einzelhandels.

Interkommunaler Gewerbepark

Für den Autoverkehr sei 
allerdings schlichtweg zu wenig Platz, nicht aus ideologischen, sondern aus räumlichen Gründen. „Marburg wird niemals eine rundum autogerechte Stadt sein können“, sagte Spies. Zur Veränderung der Verkehrsführung in der Nordstadt, die noch vor Wochen für heftige Kritik sorgte, sagte der OB: „Ich stelle fest: Es sagt keiner mehr etwas. Das Problem scheint sich eingeruckelt zu haben.“

Der Oberbürgermeister verkündete den Vertretern der 
heimischen Wirtschaft, dass er erste Gespräche über die Gründung eines neuen interkommunalen Gewerbegebietes führe. Die Stadt Marburg könnte 
„den guten Namen und das Knowhow“ geben, die Nachbarkommune die entsprechenden Flächen. Spies wollte nicht sagen, mit welcher Gemeinde er derzeit in Verhandlungen stehe, denn die Veröffentlichung 
würde Auswirkungen auf die Bodenpreise haben.
Wirtschaft will Aussagen zur Gewerbesteuer

Spies kam auch auf Dauerbrenner zu sprechen, die im AfK schon häufiger debattiert wurden. Um mehr Parkplätze zu schaffen, schlägt der Rathauschef eine Erweiterung des städtischen Parkhauses am Pilgrimstein vor. Ähnliche Überlegungen hatte bereits sein Vorgänger Egon Vaupel (SPD) geäußert.

Keine Erhöhung der Gewerbesteuer

Vaupel war ebenfalls als Ehrengast zur AfK-Sitzung eingeladen worden. Er verließ die Sitzung allerdings als neues Ehrenmitglied. Vaupel habe sich während seiner Amtszeit außerordentlich intensiv und engagiert mit dem AfK und seinen Anliegen befasst, begründete AfK-Vorsitzender Thomas Janssen die Entscheidung des Vorstands, die die Mitglieder einstimmig begrüßten.

Janssen bat Spies um eine Aussage zur Gewerbesteuer, auch wenn es sich um eine Wiederholung handele, an die Wirtschaft. Der Kämmerer 
bestätigte und wiederholte: 
Eine Erhöhung der Gewerbesteuer, um Einnahmen zu erhöhen, komme nicht infrage.

„Das ist nicht ernsthaft angedacht, es wäre grundsätzlich unklug, noch einmal die Gewerbesteuer zu erhöhen, sagte Spies. Angesichts der Haushaltslage sei allerdings die Sanierung der Weidenhäuser Brücke derzeit ungewiss. „Alles kommt auf den Prüfstand“. Aber er werde auch nicht mit dem Rasenmäher über die soziale und Bildungs-Infrastruktur fahren.

von Anna Ntemiris

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