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Nur wenig Bewegung

Arbeitsmarkt Nur wenig Bewegung

Der heimische Arbeitsmarkt zeigt sich im Februar weitgehend stabil: Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur, bezeichnete die Bewegungen als „saisontypisch“.

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Die Arbeitslosenquote liegt im Landkreis bei 4,4 Prozent. Die Zahl der arbeitslosen Ausländer ist im Jahresvergleich deutlich gestiegen.

Quelle: dpa

Demnach waren im Februar 5 661 Menschen im Landkreis arbeitslos gemeldet, 72 mehr als im Januar. Im Vergleich zum Februar vor einem Jahr sank die Zahl der Arbeitslosen jedoch um 263, was einem Rückgang um 4,4 Prozent entspricht. Die Arbeitslosenquote im Landkreis liegt bei ebenfalls 4,4 Prozent – das ist im Vergleich zum Vormonat ein Anstieg um 0,1 Prozent. Im langfristigen Vergleich zum Februar vor einem Jahr entspricht dies jedoch einem Rückgang um 0,2 Prozent.

„Die Zahlen sehen gut aus“, kommentierte Breustedt das Ergebnis. Die Entwicklung der Arbeitslosenquote sei „sehr ordentlich“, dennoch gebe es auf dem Arbeitsmarkt derzeit lediglich eine saisonübliche Bewegung. Im Vergleich zum Februar des Vorjahres sei die Arbeitslosigkeit bei allen Personengruppen gesunken – außer bei den Ausländern. „Die Ausländerarbeitslosigkeit bereitet uns daher auch Sorgen“, so Breustedt. Denn deren Anteil an allen Arbeitslosen liege derzeit bei 19,6 Prozent, was einem Zuwachs im langfristigen Vergleich um 9,4 Prozent entspreche. Zudem geht Breustedt davon aus, dass sich diese Situation durch den Zuzug von Flüchtlingen in den kommenden Monaten noch verschlechtern werde.

Qualifikation spielt eine deutlich größere Rolle

Da bei Ausländern und Migranten vor allem die Sprachbarriere häufig ein Hindernis darstelle, stehe man auch mit den heimischen Bildungsträgern in Kontakt, um beispielsweise Sprachkurse anzubieten. Denn Breustedt weiß: „Die Qualifikation der Menschen ist nicht schlecht.“ Die Bestandszahl der Arbeitslosen werde auch durch Weiterbildung stark entlastet: Derzeit würden 568 Menschen durch die Arbeitsagentur qualifiziert, wodurch diese nicht in der Statistik mitgezählt werden.

Breustedt betonte bereits beim Arbeitsmarktgespräch in Stadtallendorf (die OP berichtete), dass der Markt immer weiter gesättigt sei. Daher komme der Qualifikation der Arbeitslosen eine wesentliche Rolle zu. Neu arbeitslos meldeten sich im Februar 1496 Personen, das waren 204 oder rund 16 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Deutlich zeigte sich der Rückgang an Arbeitslosen gegenüber Januar: Es waren 582 oder 28 Prozent weniger.

Nach vorheriger Erwerbstätigkeit meldeten sich 717 Personen arbeitslos, das waren 106 oder 17,3 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber 672 Personen oder knapp die Hälfte weniger als vor einem Monat. Gleichzeitig haben sich 1412 Personen aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet. Das waren 29 oder 2 Prozent weniger als vor einem Jahr und 12 oder rund 1 Prozent mehr als vor einem Monat.

438 Personen beendeten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, 66 Personen oder rund 13 Prozent weniger als vor einem Jahr, aber 298 oder 40,5 Prozent mehr als vor einem Monat. Deutlich gestiegen ist indes die Zahl der neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen: 596 wurden im Februar gemeldet, das waren 51 oder 9,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gegenüber Januar waren es 177 mehr, was 42,2 Prozent entspricht.

Krisen konnten heimischen Markt kaum schwächen

Volker Breustedt rechnet insgesamt mit einer ruhigen weiteren Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. „Wir haben das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, aber wir sind schon knapp unterm Knauf“, sagt er. „Ich sehe immer noch Potenzial bei der Wirtschaft, die exportorientiert ist – wie beispielsweise den Automobilzulieferern“, schätzte er die Lage ein. Dort habe es erfreulicherweise durch die Russlandkrise „keine größeren Einschläge“ gegeben.

„Allerdings werden wir einen Zuwachs von 1,9 Prozent an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung wie im vergangenen Jahr dieses Jahr wohl nicht erreichen.“ Er gehe von einem Plus von einem Prozent aus, „das wäre schon sehr gut“. Nachdem noch im Vormonat die Zahl der Langzeitarbeitslosen angestiegen war, ist im Februar ein leichter Rückgang zu verzeichnen.

Das Kreisjobcenter weist für diesen Monat insgesamt 3083 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen damit um fünf Personen gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis sogar um 103 Langzeitarbeitslose bzw. 3,2 Prozent gesunken. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger liegt weiter bei 2,5 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 2,6 Prozent.

Mehr Menschen brauchen staatliche Hilfe

„Ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten ist ausgeblieben. Die Tendenz auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis stimmt. Erfreulich ist, dass wir trotz steigender Leistungsberechtigter die Zahl der Arbeitslosen konstant zum Vormonat halten konnten“, betonte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Marian Zachow (CDU).

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist in diesem Monat wieder angestiegen, so dass mehr Menschen im Landkreis auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Im Vergleich zum Januar erhöhte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 52 oder 0,8 Prozent auf 6259. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Anstieg um 48 Bedarfsgemeinschaften oder 0,8 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten stieg im Vergleich zum Januar um 82 Personen oder 1 Prozent auf 8147. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 1,5 Prozent über dem Wert des Vorjahres, was 120 Personen entspricht.

von Andreas Schmidt

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