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Nur der Verkehrsbetrieb macht Sorgen

Stadtwerke Nur der Verkehrsbetrieb macht Sorgen

Der Nahverkehr bleibt ein Zuschussgeschäft und trübt das Geschäftsergebnis des städtischen Tochterunternehmens, das im vergangenen Jahr einen Gewinn von rund 118 Millionen Euro erzielte und weiter auf Expansionskurs geht.

von Anna Ntemiris

Marburg.

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Der Umbau des Stadtwerke-Hauptsitzes am Krekel kostet insgesamt bis zu 15 Millionen Euro. Die Investitionssumme ist aber nicht in der Bilanz für 2012 vollständig abgebildet, weil die Sanierung noch weitere Jahre andauert.Archivfoto: Hirsch

Marburg. Die Stadtwerke Marburg müssen aufgrund eines komplizierten Schlüsselsystems - unter anderem basierend auf Fahrgastzählungen - hohe Abgaben an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zahlen. Das wiederum sorgt jetzt für vergleichsweise schlechte Jahreszahlen im Verkehrsbetrieb der Stadtwerke. Die Bilanz des städtischen Tochterunternehmens für 2012 ist für Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren kein Grund für Jubelsprünge. Der Aufsichtsrat stimmt heute über das Geschäftsergebnis ab. Ein Ergebnis vor Steuern von 631000 Euro ist im Vergleich zu den Vorjahren wenig. „Das macht mich sehr unzufrieden“, sagt Schüren im OP-Gespräch.

Auch wenn ein Plus und kein Minus vor dem jetzigen Ergebnis stehe, die Stadtwerke sind mehr gewöhnt: Im Jahr zuvor erzielten die Stadtwerke einen Jahresüberschuss von 1,7 Millionen Euro. Jahre zuvor waren es noch mehr.

Schüren erklärt die Verschlechterung mit zusätzlichen Verlusten im Nahverkehr. Er ist in der Bilanz um 1,3 Millionen Euro eingebrochen. Schüren berichtet von den hohen RMV-Abgaben der Stadtwerke. Ein unfaires System sei dies, wo doch die Stadtwerke viel Geld durch den Verkauf von Fahrkarten für den RMV einnehmen. „Wir nehmen überdurchschnittlich viel ein und geben überdurchschnittlich viel wieder an den RMV ab“, erklärt Schüren. Der Nahverkehr bleibt ein Zuschussgeschäft.

Investitionen in Höhe von 16 Millionen Euro

Die anderen Geschäftsfelder der Stadtwerke sind insgesamt stabil geblieben. Ohne den Nahverkehr hätten die Stadtwerke ein Betriebsergebnis vor Steuern von zirka fünf Millionen Euro, erklärt Schüren. Trotz gestiegener Abgaben lag das Betriebsergebnis der Gasversorgung zum Beispiel mit 3,3 Millionen Euro über dem Vorjahresergebnis in Höhe von 2,7 Millionen Euro. In der Wärmeversorgung war das Betriebsergebnis mit knapp einer halben Million Euro hinter dem Vorjahreswert. Die städtische Tochterfirma sei gut aufgestellt, die Ausweitung der Geschäftstätigkeiten gehen weiter. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 9,4 Millionen Euro auf rund 118 Millionen Euro. Das Unternehmen erzielte einen Umsatzerlös von zirka 123 Millionen Euro, 2011 waren es 110 Millionen Euro.

Eine Eigenkapitalquote von fast 50 Prozent zeige ebenfalls, dass das Unternehmen gesund ist. Im Investitionsbereich können die Stadtwerke aufgrund zahlreicher Projekte hohe Summen nennen: Die Stadtwerke haben im Jahr 2012 insgesamt 16 Millionen Euro investiert, das wiederum zu Vermögenszuwachs von über zehn Prozent führte. Der Ausbau des Datennetzes, die Erneuerung des Kanals am Rotenberg oder der Austausch von alten Graugussröhren: Die Stadtwerke investierten Millionenbeträge in verschiedene Projekte, die die Marburger oft als Baustelle wahrnahmen. Die im Sommer 2012 begonnene Sanierung des Gebäudes am Krekel werde sich in diesem und den nächsten Jahren auf die Bilanzsumme auswirken. Die Gesamtkosten werden auf 13 bis 15 Millionen Euro geschätzt. Generell sagt Schüren: „So viele und hohe Investitionen halten wir nicht dauerhaft durch.“

Das laufende Jahr werde besser ausfallen als 2012, sagt Schüren. Der Nahverkehrsbetrieb verschlechtere sich zwar tendenziell, aber das Gasgeschäft lief gut: Der kalte Frühling bescherte dem Energieversorger mehr Geld als im Vorjahreszeitraum.

Die Stadt Marburg als Gesellschafter muss nun zunächst den „Schaden“ aus dem Nahverkehr spüren: Das Tochterunternehmen wird nur 200000 Euro statt der geplanten Million abführen. Das sei einvernehmlich so besprochen, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel. Nach dem Beschluss des Aufsichtsrats wird der Wirtschaftsplan zur Vorlage an das Stadtparlament gehen.

von Anna Ntemiris

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