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Novartis weitet Produktion aus

Pharmaunternehmen Novartis weitet Produktion aus

240 Millionen Euro hat das Pharmaunternehmen Novartis in die neue Produktionsanlage mit dem Namen "Mars" investiert, um die Produktion von Impfstoff gegen Tollwut und FSME auszubauen. Am Mittwoch wird "Mars" eröffnet.

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Arbeiten in steriler Reinraumkleidung: Einige Labore dürfen nur von außen besichtigt werden.

Marburg. Wenn Jochen Reutter zum „Mars“ hochfährt, dann geht es vom Marburger Stadtteil Marbach auf den Görzhäuser Hof an der Landesstraße zwischen Michelbach nach Caldern. Dort befindet sich der „Mars“ des Pharmaunternehmens Novartis, dessen Geschäftsführer und Marburger Standortleiter Jochen Reutter ist. „Mars“ steht für Marburger Standort. Nach Angaben des Unternehmens ist die neue Produktionsstätte die erste Anlage in Europa, die bedarfsgerecht zwischen der Produktion von Tollwut- und FSME-Impfstoff wechselt - schnellere und flexiblere Produktion von Impfstoffen sei dort möglich.

In dem neuen Gelände befindet sich auch die Qualitätskontrolle von Novartis, die bisher im Hauptgebäude am früheren Behring-Standort untergebracht war.

Auf dem „Mars“-Gelände werden zudem Wirkverstärker für den neuen Meningokokken B Impfstoff hergestellt. Die Grundprozesse in der Herstellung haben sich nicht verändert, betont Dr. Christoph Hungerer, Produktionsleiter für Tollwut- und FSME-Impfstoffe. Abläufe und Ausstattung sind schneller und moderner: Zu der neuen Ausstattung der modernen Anlage gehört zum Beispiel auch der „Leo“ - der Laser-Eier-Öffner. Der Automat öffnet Eier ohne Berührung, per Laser. Pro Charge werden 4000 Hühnereier für die Tollwut-Impfstoffproduktion verwendet. Im Marbacher Werk muss jedes Hühnerei bisher von Hand geöffnet werden. Reutter vergleicht den Unterschied mit einem VW-Auto aus den 70ern und heute. „Nur“ das Prinzip ist geblieben, alles andere habe sich verändert.

Eine der größten Pharma-Investitionen der vergangenen Jahre

Ein Auto würde auch in die neue Spülmaschine passen, die fast rund um die Uhr die Behälter reinigt. Unter Reinraumbedingungen und strengen Sicherheitsvorkehrungen sind die Mitarbeiter im Schichtdienst im Einsatz, 400 von insgesamt 1400 Novartis-Mitarbeitern arbeiten derzeit auf dem „Mars“. Davon ist fast die Hälfte in der Qualitätskontrolle beschäftigt, prüft zum Beispiel, ob die Medikamente steril sind. Auch die offizielle Eröffnung am Mittwoch wird unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

Der „Mars“-Campus in Michelbach ist mit rund 240 Millionen Euro eine der größten Investitionen der Pharmaindustrie in den vergangenen Jahren. In der neuen Anlage soll die Kapazität der Produktion um das Fünffache gesteigert werden, erklärt Reutter. Von bisher vier bis fünf Millionen FSME-Dosen pro Jahr sollen künftig 20 Millionen Dosen an Impfstoff produziert werden.

Nur Novartis produziert in Deutschland

In Deutschland gibt es nur zwei Unternehmen, die Tollwut- und FSME-Impfstoff herstellen und verkaufen. Nur ­Novartis stellt die Medikamente auch in Deutschland her. Seit Ende Februar darf Novartis den Tollwut-Impfstoff auf dem „Mars“ auch für den Verkauf im europäischen Markt produzieren. Vor einigen Tagen kam auch die Genehmigung aus Australien. Für den Sommer wird die Zulassung durch die US-Behörde FDA für den amerikanischen Markt erwartet, so Reutter. Er erklärt im OP-Gespräch, dass der FSME-Impfstoff ab 2015 in der neuen Anlage für den Verkauf produziert werden kann. Derzeit wird dieser noch in der alten Anlage in der Marbach hergestellt, wo sich auch die Produktionsanlage des Zellkultur-Grippeimpfstoffs befindet.

Die Gebäude auf dem „Mars“ stehen seit 2009, feierlich in Betrieb genommen wurde das Gebäude der Qualitätskontrolle bereits 2010. Doch bei der regulären Produktion kam es aufgrund von aufwendigen Zulassungsverfahren zu Verzögerungen. Novartis erklärt, dass die Eröffnungsfeier erst zu dem Zeitpunkt stattfinden sollte, wenn Ware, die auf dem „Mars“ produziert wird, sich auch auf dem Markt befindet.

Zur Eröffnung wird Ministerpräsident Volker Bouffier kommen, aber auch ein neuer Chef: Thomas Baur ist ab dem 1. Juni als Finanzvorstand neben Reutter und Dr. Niklas Schier dritter Geschäftsführer in Marburg. Baur ist seit zehn Jahren in Führungs-Positionen. Er war zuletzt bei der Novartis-Tochter Salutas Pharma GmbH in Barleben und zuvor bereits in Marburg tätig. Er rückt für Johannes Müller nach, der zurück zu Novartis Deutschland GmbH nach Nürnberg geht. Nicht eingeladen sind die künftigen Eigentümer: Der Schweizer Konzern hat seine Impfstoffsparte und damit auch „Mars“ an die britische Firma GlaxoSmithKline verkauft (die OP berichtete). Doch bis zur Übernahme im nächsten Jahr sind die Briten noch Mitbewerber, erklärt Reutter.

von Anna Ntemiris

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