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Novartis und Uni besiegeln Zusammenarbeit

Impfstoff Novartis und Uni besiegeln Zusammenarbeit

Marburg hat in der Bekämpfung neuer Viren bundesweit einen Standortvorteil: Dort gibt es das universitäre Hochsicherheitslabor und modernste Produktionsanlagen des Unternehmens Novartis.

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Im Juni besichtigte Professor Stephan Becker (rechts), Leiter des Uni-Hochsicherheitslabors, die Produktionsanlage von Novartis. Geschäftsführer und Standortleiter Jochen Reutter zeigte dem Experten die Produktionsabläufe. Gestern trafen sie sich bei der Vertragsunterzeichnung wieder. Neben Reutter unterzeichneten auch Tibor Nemes (kleines Bild, links), Leiter Qualitätsmanagement und Geschäftsführer, sowie für die Marburger Hochschule Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause den neuen Koop

Marburg. Die nächste Viren-Bedrohung kommt bestimmt. In Marburg arbeiten Wissenschaftler der Universität und des Pharmaunternehmens Novartis seit Jahren zusammen, um im Fall einer Pandemie schnellstmöglich und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen Impfstoff liefern zu können.

Am Dienstag unterzeichneten die Führungsspitzen von Uni und Unternehmen einen neuen Kooperationsvertrag. Jochen Reutter, Standortleiter und Geschäftsführer, sowie Tibor Nemes, Leiter Qualitätsmanagement und Geschäftsführer von Novartis Vaccines and Diagnostics, unterzeichneten gestern gemeinsam mit der Präsidentin der Philipps-Universität, Professorin Katharina Krause, den Vertrag, der die Zusammenarbeit für weitere fünf Jahre besiegelt.

Der Vertrag regelt die Voraussetzungen zur Nutzung des universitären Hochsicherheitslabors und des Forschungsservices für Novartis.

Die Zusammenarbeit zwischen der Universität und Novartis ist bereits erprobt: Das Institut für Virologie der Uni Marburg unter der Leitung von Professor Stephan Becker isolierte und kultivierte im Jahr 2009 das H1N1-Wildtyp-Grippevirus, mit dem Novartis dann in kürzester Zeit die weltweit erste Charge eines A(H1N1)-Pandemie-Impfstoffkonzentrats hergestellt hatte - ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. „Wir haben einen einzigartigen Standortvorteil bei der Bekämpfung neuartiger Viren durch die Verbindung von universitärer Forschung mit unseren modernen Produktionsanlagen“, so Reutter.

Grippe-Viren werden in Zellkulturen vermehrt

Uni-Präsidentin Krause sieht die Bedeutung darin, dass „Spitzenforschung und Impfstoffproduktion Hand in Hand zum Nutzen der Allgemeinheit gehen.“ Professor Becker, der auch Leiter des universitären Hochsicherheitslabors ist - eins der modernsten in Deutschland - sieht das enorme Potenzial der Kooperation bei der Herstellung von Grippe-Impfstoffen auf Zellkulturbasis: „Wir haben gemeinsam mit Novartis und weiteren Wissenschaftlern kürzlich eine neue Methode veröffentlicht, die lediglich genetisches Datenmaterial des betreffenden Virus benötigt, das zuvor irgendwo in der Welt isoliert und analysiert wurde, um daraus Grippesaatvirus für die Produktion herzustellen. Dies ist eine enorme Vereinfachung des gesamten Prozesses und könnte es zukünftig erlauben, Impfstoffe im Falle einer Epidemie schneller zur Verfügung zu stellen.“ Das Virus an sich muss also nicht physisch verschickt werden, sondern nur seine Daten. Becker hatte sich vor einigen Wochen die hochmoderne Zellkulturanlage von Novartis im Marburger Stadtteil Marbach angeschaut und vor Ort über die Produktionsabläufe informiert (die OP berichtete).

„Gerade in Zeiten der Globalisierung breiten sich Infektionskrankheiten rasch über moderne Transportwege aus und sind nach wie vor weltweit eine der häufigsten Todesursachen“, erläuterte Becker. Insbesondere durch vermehrte Resistenzbildung gegen Antibiotika und neu auftretende Erreger seien sie auch in den Industrieländern eine zunehmende Bedrohung.

Novartis Vaccines and Diagnostics vermehrt in Marburg Grippeviren nicht wie üblich in Hühnereiern, sondern in einem Hightech-Verfahren auf der Basis von Zellkulturen.

Derzeit produzieren die Marburger Novartis-Mitarbeiter rund um die Uhr Impfstoff gegen die saisonale Grippe für verschiedene Länder, darunter Deutschland und die USA, teilte das Unternehmen mit.von Anna Ntemiris

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