Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Niedrige Zinsen stärken Kreditvolumen

Volksbank Mittelhessen Niedrige Zinsen stärken Kreditvolumen

Die Volksbank Mittelhessen hat 2015 ihre Bilanzsumme im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro gesteigert. Laut den vorläufigen Zahlen erzielte sie ein Jahresergebnis von 68 Millionen Euro und damit vier Millionen Euro mehr als 2014. Die anhaltende Niedrigzinsphase spiegelt sich auch im Geschäftsbericht wider: So vergab die drittgrößte Volksbank Deutschlands mehr Neukredite und zwar in der Höhe von 867 Millionen Euro. Und  viele Kunden schichteten ihr Geld in Wertpapierfonds um. Erstmals senkt die Bank ihre Dividende und will jetzt 5,5 Prozent statt bisher 7 Prozent ausschütten. Auch die VR Bank Biedenkopf-Gladenbach reduziert und will 5 Prozent auszahlen.

Voriger Artikel
„Teilzeit-Chef“ hat Nachfolge bereits geregelt
Nächster Artikel
Geständnis führt zu milden Strafen

Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Hanker wird am Freitag auf der Mitgliederversammlung in Gießen die detaillierten Zahlen des
Geschäftsberichts für 2015 vorlegen.Archivfoto: Florian Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. In der Bilanz fehlt das Geld nicht, dennoch sind die Anfang Januar aus dem Tresorraum der Volksbank in Gießen gestohlenen 1,2 Millionen Euro immer noch nicht wieder aufgetaucht. Die Polizei ermittele weiter, Auskünfte dazu gibt es daher nicht, sagt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Mittelhessen, Dr. Peter Hanker, im OP-Gespräch.

Offenbar gibt es eine Spur. Fest steht, dass der Schaden versichert war. Während das Jahr 2016 mit dieser Aufregung begann, endete 2015 aus wirtschaftlicher Sicht zufriedenstellend. Hanker spricht von „natürlichem Wachstum“ und einer soliden Bilanz. Deutschlands drittgrößte Volksbank legt eine Bilanzsumme von 6,8 Milliarden Euro vor, im Vorjahr waren es fast 6,7 Milliarden Euro. Gemessen an dieser zentralen Kennzahl gehöre die Volksbank Mittelhessen damit weiter zu den größten deutschen Kreditgenossenschaften.

Zahl der Neukredite stieg, Gewinn erhöht

Die aktuellen Rahmenbedingungen im Euroraum sind nach wie vor geprägt von dem extremen Niedrigzinsniveau. „Dies wird sich wohl auch auf absehbare Zeit kaum ändern“, erläutert Hanker und verweist auf weltwirtschaftliche Ungewissheiten: Das Wirtschaftswachstum in China verliere an Fahrt. Diese Entwicklung führe nicht nur zu entsprechenden Reaktionen an den Finanzmärkten, eine dauerhafte Stagnation könnte die gesamte Weltkonjunktur ausbremsen.

Die niedrigen Zinsen haben allerdings auch zur Folge, dass private und gewerbliche Investitionen angekurbelt wurden. Wohnungssanierungen oder Immobilienkäufe waren zum Beispiel wieder sehr beliebt, so Hanker. Dies zeigt sich im stark gewachsenen Kreditvolumen der Volksbank Mittelhessen. Dies stieg im Jahr 2015 um 222 Millionen Euro oder 5,7 Prozent auf zuletzt 4 Milliarden Euro. Insgesamt wurden neue Kredite in Höhe von 867 Millionen Euro gewährt - jeweils etwa zur Hälfte an Privat- und Firmenkunden. Den Neukrediten standen Tilgungsleistungen in Höhe von 652 Millionen Euro gegenüber.

Auf der Passivseite reduzierten sich die Gesamteinlagen auf 5,4 Milliarden Euro, 2014 waren es rund 5,6 Milliarden Euro. Auch diese Entwicklung stehe im Zusammenhang mit der besonders ungünstigen Zinssituation am Markt. Vermehrt schichten Einleger angesichts der niedrigen Zinsen ihr Geld zum Beispiel von Tagesgeldkonten in Anlagen wie zum Beispiel Wertpapierfonds um. So stieg denn auch das Fondsvolumen bei der Union Investment von 745 Millionen Euro auf 808 Millionen Euro.

"Deutliches Indiz für gesunde mittelhessische Wirtschaft"

Aufgrund des nachhaltig niedrigen Zinsniveaus zeigt sich das Zinsergebnis mit 132 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr rückläufig (2014: 156 Millionen Euro). Der Ergebnisbeitrag aus Provisionen in Höhe von 53 Millionen Euro konnte im Vergleich zum Vorjahr etwas gesteigert werden. Im Jahr 2015 summierte sich das Bewertungsergebnis der Volksbank Mittelhessen auf +7 Millionen Euro, nach -11 Millionen im Jahr zuvor. Ursächlich hierfür sind Kursgewinne auf eigene Wertpapiere sowie kaum notwendige Wertberichtigungen auf Forderungen. Der geringe Bedarf an Wertberichtigungen für Kredite ist ein deut­liches Indiz für eine gesunde mittelhessische Wirtschaft, so die Volksbank. Damit beläuft sich laut den vorläufigen Zahlen das Ergebnis nach Bewertung im Jahr 2015 auf 68 Millionen Euro, nach 64 Millionen Euro im Jahr 2014.

Vorstand und Aufsichtsrat der Volksbank Mittelhessen werden der Vertreterversammlung die Auszahlung einer Dividende in Höhe von 5,5 Prozent vorschlagen. In den Vorjahren erhielten die Mitglieder stets sieben Prozent. Sieben Prozent passen nicht mehr in die Niedrigzinslage, so Hanker. „Wenn es faktisch keine Zinsen mehr gibt, sind 5,5 Prozent viel.“ Und diese Rendite sei nach wie vor eine überdurchschnittliche, auch im Vergleich zur gesamten Branche der Volksbanken und Raiffeisenbanken, so Hanker. Auch andere Genossenschaftsbanken senken ihre Dividende. Auf Anfrage der OP erklärte die VR Bank Biedenkopf-Gladenbach, dass der Vorschlag für eine Ausschüttung von fünf Prozent auf dem Tisch liegt. Vorstands-Sprecher Wolfgang Brühl erklärte, auch damit liege die heimische Genossenschaftsbank noch über dem Durchschnitt von Aktiengesellschaften.

Roland Koch spricht auf Mitgliederversammlung

Die Volksbank Mittelhessen startet in dieser Woche mit ihren 43 Mitgliederversammlungen in der Region. Gastredner auf der Marburger Versammlung am 2. März wird der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch sein. In Gießen spricht an diesem Freitag die TV-Journalistin und Kriegsreporterin Antonia Rados. Im vergangenen Jahr war sie Gastrednerin der Volksbank in Marburg. Die Vertreterversammlung - dabei wird die Rendite final beschlossen - ist am 28. April in Gießen.

von Anna Ntemiris

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr