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„New Work ist eine ständige Betaphase“

Einer von hier: Wolfram Sauer „New Work ist eine ständige Betaphase“

Wolfram Sauer beschäftigt sich beim Karriere-Netzwerk Xing mit dem Thema "New Work". Er erklärt, warum sich die Arbeitswelt verändern wird - und welche Chancen sich dadurch bieten.

Marburg. „Ich bin hier geboren und quasi in Oberrosphe aufgewachsen. Denn dort hatten meine Großeltern ein Forsthaus – bis zum sechsten Lebensjahr habe ich dort viel Zeit verbracht“, sagt Wolfram Sauer. Zwar lebt er mittlerweile in Berlin, „aber ich komme immer noch gerne her, ich bin hier verwurzelt und finde, dass es eine der schönsten und spannendsten Regionen in Deutschland ist“. Er könne sich auch vorstellen, mit seiner Frau und den beiden Kindern „mittelfristig nach Mittelhessen zurückzukommen.“

Zur Schule ging er allerdings nach Staufenberg, machte dort auch sein Abitur. „Danach habe ich Rettungswagen gefahren und arbeitete für das DRK Mittelhessen“, sagt der 43-Jährige.

Zum Studium verschlug es ihn nach Potsdam – und von dort in die weite Welt: Spanien findet sich in Sauers Vita ebenso, wie China. „In Shanghai habe ich Projekte am German Center für deutsche Firmen während des Studiums geleitet“, erzählt er. Es folgte das zweite Staatsexamen, danach arbeitete der Jurist zunächst für AOL und wurde dann Pressesprecher für den FDP-Politiker Dr. Hermann Otto Solms.

In der FDP-Bundestagsfraktion wurde er Referent für Netzpolitik und Internet-Kommunikation, „und vor viereinhalb Jahren bin ich zu Xing gegangen. Denn als Referent im Bundestag habe ich erlebt, welch spannende Entwicklung wir bei der Internet-Kommunikation erleben.“ Er wollte die Entwicklung nicht nur erleben, sondern auch „an vorderster Front mitgestalten, denn in Deutschland gibt es neben Xing keine großen Player mehr“.

Klassische Hierarchien behindern Denkprozesse

Die Plattform könne neue Themen setzen – so etwa mit New Work. „Dabei geht es nicht nur um neue Arbeitsmethoden, sondern darum, Innovationen in Unternehmen freizusetzen und zu ermöglichen. Und das dadurch, dass man die Ideen in den Köpfen der Menschen freisetzt.“

Wohin die „neue Arbeit“ führe, das wisse er nicht, „fest steht aber, dass sich die Arbeitswelt radikal verändern wird. Daher ist New Work ein Themenfeld, mit dem sich Politik und Wirtschaft beschäftigen müssen. Es ist ein sehr dynamischer und schneller Veränderungsprozess, der Menschen zusammenbringt – und nicht in Konkurrenz und Wettbewerb“.

Das Besondere an New Work sei, dass sie „die Unternehmenskultur als Ganzes und alle vom Azubi bis zum Vorstand als Einklang sieht. Es gibt keine klassische Hierarchie, die Denkstrukturen behindert – sondern vielmehr neue Ideen freisetzt.“

Das führe zu agilen Arbeitsprozessen, in denen Teams miteinander in kurzen Prozessen neue Innovationen schaffen könnten, „und nicht in langen Denkprozessen der Vergangenheit verhaftet sind“.

Es sei nicht immer leicht für Unternehmen, die Traditionen über Bord zu werfen. „Aber wenn man die Mitarbeiter integriert, ihnen eine Stimme gibt – dann braucht man keine externen Berater, sondern hat die besten Köpfe im eigenen Unternehmen“, sagt Sauer. Sauer weiß: „New Work tut weh und ist anstrengend. Man muss liebgewonnene Prozesse immer neu entdecken, es ist eine stetige Beta-Phase. Das bedarf viel Engagement.“

Man müsse nicht gleich „das große Rad drehen: Schon mit kleinen Schritten kann man viel erreichen“. Wichtig sei es, „die Mitarbeiter aus der Komfortzone des bequemen Arbeitens, wie man es seit langem kennt, zu holen. Dann hat er viel mehr Möglichkeiten und wird sein volles Potenzial entfalten“.

Der Chef als Coach gibt den Rahmen vor

Für Sauer ist klar, dass es dazu auch eine Unternehmenskultur benötigt, „die das zulässt: Dass sich Mitarbeiter auch mal ausprobieren können“. Denn: „Führung im digitalen Zeitalter ist nicht mehr Führung nach Zahlen und Vorgaben. Der Chef ist vielmehr ein Coach, der einen Rahmen vorgibt, in dem sich andere bewegen können und dort auch Fehler machen dürfen.“

Das erwarte auch die neue Generation von Arbeitnehmern, die „Generation Y“: „Sie hat neue Ansprüche, denn es kommen drei Dinge zusammen: Fachkräftemangel, Digitalisierung und diese neue Generation, bei der sich die Unternehmen bewerben müssen.“ Daher würden die neuen Arbeitnehmer von einem Team und ihrem Chef unter anderem Transparenz und Wertschätzung einfordern.

„Der nächste Arbeitgeber ist nur zehn Minuten entfernt. Daher muss sich die Unternehmenskultur ändern, um dem Bewerber Strukturen zu bieten, in denen er sich wohlfühlt.“ Durch die Veränderungen – auch durch die Digitalisierung – würden Jobs wegfallen, aber auch neue ­Arbeitsfelder geschaffen. Eine Maschine wird keinen Dachdecker ersetzen. New Work ist auch eine Chance, gerade im Handwerk die Menschen wieder für die Berufe zu begeistern – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“

von Andreas Schmidt

Steckbrief

Name:
Wolfram Sauer

Geboren:
28. November 1973

Schule:
Goetheschule Staufenberg

Was macht er jetzt?
Public Policy Manager bei der Xing AG

Kommt er noch vorbei?
Ja, regelmäßig.

O-Ton:
„Es geht nicht nur um neue Arbeitsmethoden, sondern darum, Innovationen in Unternehmen freizusetzen.“

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