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Neues Büro soll Flüchtlinge in Arbeit bringen

Vermittlungsprojekt Neues Büro soll Flüchtlinge in Arbeit bringen

Am 1. Juni geht das neue „Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge“ an den Start – als gemeinsames Vermittlungsprojekt von Landkreis und Agentur für Arbeit.

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Sie planten das Projekt des Arbeitsmarktbüros für Flüchtlinge: Dr. Mohammad-Reza Malmanesh (Arbeitsagentur, von links), Gerhard Wenz (Bereichsleiter Arbeitsagentur), Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, Joachim Hikade (Kreisjobcenter) und Claus Schäfer (Büro für Integration).

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. In dem Büro sollen Asylbewerber frühzeitig in den Arbeitsmarkt vermittelt werden – und zwar gemeinsam von Kreisjobcenter (KJC) und Arbeitsagentur. Dies ist insofern besonders, weil die Zuständigkeit der Stelle sich je nach Status der Flüchtlinge ändert: So lange sie Asylbewerber sind, fallen sie in die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit. Sobald ihr Asylantrag allerdings positiv beschieden wurde, wechseln sie automatisch zum KJC.

„Ich glaube, es ist nicht selbstverständlich, was wir hier an Zusammenarbeit im letzten halben Jahr gestemmt haben, um dieses Projekt zur Arbeitsmarktintegration für Flüchtlinge auf den Weg zu bringen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts in der Arbeitsagentur Marburg.

Man wolle es „nicht bei einer Willkommenskultur bewenden lassen, sondern wir wollen dafür sorgen, dass die Menschen integriert werden – und das geschieht unter anderem, wenn man einen Einstieg in den Arbeitsmarkt schafft“.

Strategie erarbeitet

Aus diesem Grund hätten sich Landkreis und Arbeitsagentur gemeinsam dazu entschlossen, interdisziplinär und behördenübergreifend eine Arbeitsgruppe einzurichten, die sich mit der Integration beschäftige. Alle kämen zusammen – die Wirtschaftsförderung, das Büro für Integration, der Fachbereich „Ordnung und Verkehr“, der für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, sowie KJC und Arbeitsagentur. Ein halbes Jahr lang wurde geplant, „um eine Strategie auf den Weg zu bringen, um den Flüchtlingen den Arbeitsmarkteinstieg zu erleichtern“, so Zachow. Das ­Arbeitsmarktbüro sei der erste Baustein dazu, weitere würden folgen.

Gerhard Wenz, Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur, erläutert: „Es geht um eine Anlaufstelle für Informationen rund um Arbeitsgenehmigung, Arbeitssuche und -vermittlung, Förderung der Arbeitsaufnahme, Qualifizierung und die Anerkennung von Abschlüssen.“

Die Unterschiedlichkeit im Rechtssystem mache es den Beteiligten nicht immer leicht, „doch das ist für uns der Auftrag, eng zu kooperieren“, so Wenz. Denn im Tagesgeschäft gebe es durchaus schon Anfragen – sowohl von Flüchtlingen als auch von Arbeitgeberseite. Aus diesem Grund habe man bereits vor einem Jahr zwei Integrationsbeauftragte in der Marburger Agentur für Arbeit benannt. Die Zusammenarbeit würde auch dazu dienen, keine Zeit zu verlieren, „weil sich gerade die Zuständigkeit für den Flüchtling geändert hat“, wie Wenz erläutert.

„Alle, die mit der Integration von Flüchtlingen beschäftigt sind, sitzen an einer Stelle unter einem Dach“, so Wenz. Denn nicht nur Arbeitsagentur und KJC teilen sich das Büro: Zu bestimmten Sprechzeiten gibt es auch eine mobile Erstberatung zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse (die OP berichtete) sowie eine Beratung zur Weiterqualifizierung.

Experte: Ohne deutsche Sprache wird es schwer

Wenz sagt aber auch: „Wir werden gemeinsam noch voneinander lernen, denn die große Zahl der Flüchtlinge ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Daher wird sich die Zusammenarbeit noch weiter entwickeln und ist nicht statisch.“

Der Integrationsbeauftragte Dr. Mohammad-Reza Malmanesh erläutert: „Das Wichtigste, das ich allen mit auf den Weg geben kann, ist, die Sprache zu lernen. Denn sonst wird es schwer.“ Dabei seien die normalen Integrationskurse für manche Berufsgruppen nicht ausreichend, „denn Ärzte oder Ingenieure benötigen aufgrund der Fachsprache einen weiterführenden Kurs“, fügt Claus Schäfer vom Büro für Integration hinzu. Der Integrationskurs biete hingegen lediglich eine Alltagssprache.

Joachim Hikade, stellvertretender Leiter des KJC, ist sich sicher, dass das neue Angebot die Wege „zwischen Arbeitsagentur, KJC und Ausländerbehörde verkürzen wird und es dürfte Prozesse und Entscheidungen zugunsten einer schnellstmöglichen arbeitsmarktlichen und gesellschaftlichen Integration von Flüchtlingen und Migranten beschleunigen“.

Bei den Veranstaltungen stelle das KJC immer wieder fest, dass den Flüchtlingen das Beziehungsgeflecht der verschiedenen Akteure kaum zu vermitteln sei. „Der Fallmanager, der jetzt vor mir steht, ist der Staat, der regelt alles für uns“ – das sei das vorherrschende Bild. Daher biete das Arbeitsmarktbüro einen guten Ansatz, alle Akteure miteinander zu vernetzen.

  • Das Arbeitsmarktbüro befindet sich in der Agentur für Arbeit Marburg, Afföllerstraße 25, im Erdgeschoss, Raum 27.

von Andreas Schmidt

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