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Neue Regeln für Rollstuhl-Versorgung

DAK-Kunden Neue Regeln für Rollstuhl-Versorgung

Ausschreibungen für Hilfsmittel wie Rollstühle oder Rollatoren führen zum Beispiel dazu, dass nur noch ein Fuldaer Unternehmen DAK-Patienten im Landkreis beliefern darf. Die Firma Kaphingst ist empört.

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Seit dem 1. Januar dürfen ortsansässige Sanitätshäuser nicht mehr DAK-Kunden beliefern.

Quelle: Stefan Puchner

Marburg. Für gehbehinderte Menschen ist die schnelle Versorgung mit Hilfsmitteln wie Rollstühlen oder Rollatoren nicht mehr gewährleistet, sagt Andrea Suntheim-Pichler vom Sanitätshaus Kaphingst. Der Grund: Seitdem Krankenkassen die Versorgung für diese Hilfsmittel ausschreiben, haben nicht mehr alle Versicherten die freie Wahl:

DAK-Versicherte aus dem Landkreis erhalten seit diesem Jahr Rollstühle nur noch von einem Unternehmen aus Fulda, das für Hessen den Zuschlag erhalten hat. „Ortsansässige Sanitätshäuser dürfen DAK-Versicherte nicht mehr mit einem Rollstuhl versorgen – außer, sie übernehmen die Kosten dafür“, kritisiert Suntheim-Pichler.

„Zerstörung der wohnortnahen Versorgung“

Sie fügt hinzu, dass die Beratung nun zu kurz komme, da die Kunden nun nicht mehr vor Ort, ihren Leistungserbringer haben. Kaphingst beteiligt sich an einer bundesweiten Online-Petition von Versicherten und des Bundesinnungsverbands gegen die Ausschreibung von Hilfsmitteln. Die Unterzeichner fordern Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf, Ausschreibung von Hilfsmitteln zu verbieten.

Ein weiteres Argument der Kritiker: „Durch die Zerstörung der wohnortnahen Versorgung kommt es zu einer Verlängerung der Lieferzeiten. Dies nicht nur bei der Erstlieferung eines Hilfsmittels, sondern auch bei Reparaturen“, erklären die Unterzeichner. Bei einer kleinen Reparatur könne ein Geschäft vor Ort, einen Fahrer mal eben zum Kunden rausschicken. Nun werde dies nicht ohne Weiteres der Fall sein können, heißt es. In allen Ausschreibungen, die bisher veröffentlicht worden seien, sei das einzige Zuschlagskriterium der Preis – und nicht die Qualität.

Rasanter Anstieg der Lieferung von Rollatoren

Kaphingst hat bei der Ausschreibung der DAK – ohne Erfolg – mitgeboten und verliert nun im Jahr zirka 250 000 Euro an Einnahmen, erklärt Suntheim-Pichler auf Nachfrage der OP. Dass die Ausschreibungen einen wirtschaftlichen Grund haben, bestätigt die DAK. Das Gesetz schreibe den Kassen vor, wirtschaftlich zu handeln, erklärt Stefan Wandel von der DAK-Pressestelle. Die DAK schreibe regional aus, sodass eine dezentrale Versorgung beibehalten werde. „Jeder konnte sich für die Region bewerben. Unter mehr als 20 Bewerbern hat die Mako GmbH aus Fulda den Zuschlag erhalten“, so Wandel.

Die neue Regelung sei für Patienten aber nicht komplizierter geworden, erklärt er. „Die Versicherten geben ihre Verordnung bei der Kasse ab. Wir kümmern uns dann darum.“ Bisher gingen die DAK-Versicherten mit ihrer Verordnung gleich zum Sanitätshaus. Wandel betont, dass das Fuldaer Unternehmen nur für die Standard-Rollstühle und Rollatoren Lieferant sei.

Die Ausschreibung betreffe keine Sonderanfertigungen oder Multifunktionsrollstühle. Das Geschäft mit den Hilfsmitteln für Gehbehinderte wächst in Deutschland – da die Zahl der älteren Menschen zunimmt. Von 2009 bis 2012 sei die Zahl der Rollstuhl-Verordnungen bei DAK-Versicherten um 50 Prozent gestiegen. Im Jahr 2012 habe die DAK deutschlandweit mehr als 65 000 Rollatoren vermittelt.

von Anna Ntemiris

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