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Neue Firma fürs Grippe-Geschäft

Pharma Neue Firma fürs Grippe-Geschäft

Im Zuge der Vorbereitung auf den Übergang zu GSK hat Novartis Vaccines in Marburg eine Tochterfirma gegründet. Viele Fragen bleiben noch offen.

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Novartis bekommt Zuwachs: In Marburg soll eine Tochterfirma gegründet werden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Seitdem Novartis in Basel im April den großen Deal mit dem britischen Konzern GlaxoSmithKline verkündet hatte, gab es unter den Beschäftigten von Novartis Vaccines in Marburg viele Fragen. Denn GSK wird zwar Novartis Vaccines übernehmen, doch nicht die Grippeimpfstoffsparte. Diese war von Anfang an von dem Kauf- und Tauschgeschäft ausgenommen – aus kartellrechtlichen Gründen (die OP berichtete).  Novartis erklärte, dass es die Grippeimpfstoffsparte verkaufen möchte und noch Käufer sucht.

Das Unternehmen in Marburg sagte gestern auf Anfrage der OP, dass es zunächst die  Produktion von Grippeimpfstoff in Eigenregie weiterführen werde. Jetzt soll dafür die Gründung eines Tochterunternehmens in Gang gesetzt werden. „Im Zuge der Vorbereitung auf den Übergang zu GSK ist es nun notwendig, eine unabhängige Geschäftseinheit für diesen Bereich zu gründen“, teilte Novartis Vaccines auf Anfrage der OP gestern mit.

Die drei Marburger Geschäftsführer haben in Marburg in einer außerordentlichen  Mitarbeiterversammlung  die Gründung einer neuen Gesellschaft bekannt gegeben. Die neue Firma werde sowohl für die Impfstoffe auf Zellkulturbasis als auch für die auf Basis von Hühnereiweiß verantwortlich sein.

Verhandlungen haben begonnen

„Gemeinsam mit Vertretern des Betriebsrates wurde darüber informiert, dass die gesetzlich notwendigen Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat zu einem Interessensausgleich gerade begonnen haben“, hieß es weiter. Da noch kein Eintrag im Handelsregister vorgenommen sei, könne man keine Details nennen. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, auch nicht die Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern, die künftig bei der Tochtergesellschaft angestellt wären.

Noch in diesem Jahr soll dieser Prozess aber abgeschlossen werden. Nach Informationen der OP soll das Tochterunternehmen von jetzigen Novartis-Mitarbeitern geführt werden.

Die Schwierigkeit an der Übernahme: Bisher gibt es Fachkräfte in Marburg, die sowohl in der Produktion von Influenza-Impfstoff als auch in der von Medikamenten gegen Tollwut tätig sind.

Das Geschäft mit den Medikamenten gegen Influenza ist der kleinere Teilbereich von No­vartis. Auch über einen möglichen Stellenabbau kursieren Gerüchte, die das Unternehmen aber gestern nicht kommentierte.

Schnellere und flexiblere Impfstoffproduktion möglich

Novartis Vaccines hat erst kürzlich seine Produktion von Impfstoffen ausgeweitet: Auf dem Gelände „Mars“ auf dem Görzhäuser Hof in Michelbach steht die erste Anlage in Europa, die bedarfsgerecht zwischen der Produktion von Tollwut- und FSME-Impfstoff wechselt – schnellere und flexiblere Produktion von Impfstoffen sei dort möglich.

Auf dem neuen Gelände befindet sich auch die Qualitätskontrolle von Novartis, die bisher im Hauptgebäude am früheren Behring-Standort untergebracht war. Auch der „Mars“ geht im nächsten Jahr an GSK. Die Grippeimpfstoffproduktion ist am Behring-Standort in Marbach.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis darf außerdem sein Geschäft mit Tierarzneimitteln an den US-Konzern Eli Lilly verkaufen. Die EU-Kommission sieht keinen Anlass für wettbewerbsrechtliche Bedenken, teilte die EU-Behörde vor einigen Tagen mit. Auch nach dem Zusammenschluss werde es starke Wettbewerber auf dem Markt geben. Novartis hatte im April den Verkauf angekündigt und dafür von den Amerikanern rund 3,9 Milliarden Euro erhalten.

Neben dem Geschäft mit Tierarzneimitteln wurde auch die Sparte für Impfstoffe ohne Grippemittel verkauft und ging an den britischen Konkurrenten GlaxoSmithKline. GSK stellt  Grippe-Arzneimittel bereits her und kann aus wettbewerbsrechtlichen Gründen daher nicht noch die Novartis-Grippeimpfstoffe kaufen.

von Anna Ntemiris

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