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„Nachschlag“ bei der Förderung

Perspektive für Langzeitarbeitslose „Nachschlag“ bei der Förderung

Das Kreisjobcenter erhält zusätzlich bis zu 3,4 Millionen Euro aus dem Programm „Soziale Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt“.

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Dr. Pia Hoppe (hinten, von links), Andrea Martin sowie Marian Zachow sind zufrieden: Der Erfolg der beiden Projekte für Langzeitarbeitslose zeigt sich deutlich. Galina Kreyndlina (vorne, von links), Robert Schwalb und Mehmet Kirok berichteten von ihren Erfahrungen.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. „Kaum etwas wiegt an negativen Erfahrungen im Lebenslauf schwerer als der andauernde Verlust der Erwerbstätigkeit. Dabei wollen die allermeisten Menschen wirklich arbeiten und es wird viel an Potenzialen verschenkt, genau da wollen wir jetzt noch verstärkt ansetzen.“ Mit diesen Worten präsentierte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow im Kreisjobcenter die Ergebnisse der zwei jüngsten Arbeitsmarktprogramme.

2015 bewarb sich das Kreisjobcenter (KJC) erfolgreich um Fördermittel des Bundesprogramms „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“. 75 öffentlich geförderte Beschäftigungsplätze konnten damit bei verschiedenen gemeinnützigen Trägern und Vereinen für langzeitarbeitslose Leistungsbezieher geschaffen werden. Nun gibt es einen „Nachschlag“: Bis Ende 2018 erhielt das KJC zusätzlich Fördergelder von bis zu 3,4 Millionen Euro.

„Arbeit hat mich gerettet“

Der Erfolg lässt sich auch anhand der jüngsten Statistiken ablesen: Seit Februar dieses Jahres stieg die Quote der integrierten Langzeitarbeitslosen im Kreis von knapp unter 18 auf mehr als 20 Prozent und lag damit erkennbar über dem Landesdurchschnitt von 17,5 Prozent. „Natürlich gibt es immer noch zu viele Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, aber die Projekte zeigen eine deutliche Wirkung. Vor allem freut uns, dass die geschaffenen Stellen eben wirklich vollwertige Tätigkeiten sind, keine Ein-Euro Jobs“, erklärte KJC-Leiterin Andrea Martin.

Von ihren Erfahrungen berichteten auch drei Teilnehmer, die vom Projekt profitierten. Mehmet Kirok, 37, kam 1992 als Flüchtling aus den kurdischen Gebieten der Türkei nach Deutschland. Er arbeitet jetzt bei der Kirche in Lahntal und kümmert sich dort um neu zugewiesene Flüchtlinge. Eine Arbeit, die ihm viel Spaß bereitet. „Ich kann den Menschen mit meinen Sprachkenntnissen und Erfahrungen wirklich helfen, das macht mich so glücklich, ich habe im letzten Jahr nicht mal meinen Urlaub genommen“, sagt er. „Nach den vielen Jahren ohne Job ist das, als wäre man endlich aufgewacht.“

Galina Kreyndlina, 58, hatte in Moskau bereits 20 Jahre als Lehrerin gearbeitet, ihre Abschlüsse wurden aber nur teilweise anerkannt, ein Aufbaustudium scheiterte an zwei Pflegefällen in der Familie. „Diese Arbeit hat mich gerettet“, betont sie. Sie gibt jetzt für Russisch sprechende Menschen bei Integral Deutschkurse und unterstützt dort in der Büroarbeit.

Der gelernte Maler und Lackierer Robert Schwab, 62 Jahre alt, der jetzt nach 35 Jahren Berufserfahrung in einer Produktionsschule von Arbeit und Bildung mit Schülern handwerklich arbeitet, brachte es für sich auf den Punkt: „Für mich ist das wie ein Sechser im Lotto. Es macht mir viel Spaß und ich kann viel geben, bekomme aber von den Kindern auch viel zurück.“ „Drei Beispiele, die zeigen, dass es sich lohnt für solche Programme zu kämpfen, um Menschen wieder in Arbeit zu bringen“, sagte Zachow.

von Marcus Hergenhan

 
 
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