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Nach Unfall droht „Bulljong“ das Aus

„Suppenmobil“ verunglückt Nach Unfall droht „Bulljong“ das Aus

Der Schock sitzt tief bei Ulf Schneider, Inhaber der Suppenbar „Bulljong“: Am Samstag verunglückte seine Freundin mit dem Suppenmobil nahe Reddehausen – nun steht die Existenz des Unternehmens auf der Kippe.

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Am Samstagnachmittag verunglückte das Bulljong-Suppenmobil auf dem Weg nach Marburg – zum Glück wurde niemand verletzt. Doch durch den Unfall ist die Existenz des Gastronomiebetriebs gefährdet.

Quelle: privat

Marburg. Wenn sich Ulf Schneider an den Samstagnachmittag erinnert, dann wird der große, quirlige Mann ganz nachdenklich. „Ich kann es immer noch nicht fassen“, sagt er im Gespräch mit der OP. Denn am Samstag waren er und seine Freundin Antje auf dem Weg nach Marburg zum KFZ-Sommerfest. „Wir wollten dort verkaufen“, sagt er.

Schneider fuhr in seinem Volvo voraus, Antje saß am Steuer des „Bulli“, wie Schneider das Bulljong-Mobil nennt. „Und dann habe ich im Rückspiegel gesehen, wie der Bulli ins Schlingern kommt, sich überschlägt und im Graben liegenbleibt.“

Sein erster Gedanke galt seiner Freundin, „ich dachte, sie sei tot – ich sehe die Bilder immer noch vor mir“, sagt Schneider. Doch als er zum Fahrzeug stürmte, saß Antje angeschnallt im Sitz, eine Hand noch am Lenkrad – „und sie hat nur gesagt, dass ich mal die Tür aufmachen soll“.

Mit Prellungen und ein paar Abschürfungen kam sie davon – die Erleichterung steht Ulf Schneider ins Gesicht geschrieben. „Das ist wie ein Wunder, denn das Auto war in Fetzen“, beschreibt er das Bild, das sich ihm bot. „Das Auto ist wohl ein wirtschaftlicher Totalschaden“, so Schneider.

Die Zeichen standen eigentlich auf Expansion

Und genau da liegt das Problem: „Das Auto ist das Zugpferd des Ladens“, sagt Ulf Schneider. Und es ist eine Spezialanfertigung, ein Unikat – es lässt sich nicht so leicht ersetzen. „Das Auto ist zwar vollkaskoversichert, aber ein neues zu beschaffen dauert drei bis vier Monate. Das Herz von Bulljong schlägt nicht mehr“, erzählt der Gastronom, seine Stimme gerät ins Stocken. „Das war ein totaler Schicksalsschlag.“

Der Wagen sei essenziell fürs Geschäft: Auf sechs Routen habe man die Kundschaft bedient, „außer sonntags lief das Auto immer“. Selbst auf dem Wochenmarkt in Gießen habe man mittlerweile einen Platz bekommen. Daher standen die Zeichen auch auf Expansion, wie Schneider verrät: „Wir wollten ein zweites Auto ordern, den Standort Gießen bedienen und die Suppenküche nach Grünberg verlegen.“ Doch jetzt stünden die Zeichen „komplett auf Stopp“.

Wird der Bulli wieder aufgebaut? „Ich weiß nicht, ob wir die Luft dafür haben“, sagt Schneider seufzend. „Jetzt geht die Saison los, wir hatten Buchungen für Hochzeiten, Festivals und Feste – das fällt jetzt alles weg.“ In dem Werk, in dem der Bulli einst gebaut wurde, sind bis Ende August Betriebsferien. „Und danach dauert der Bau mindestens drei Monate – dann ist Dezember, das ist zu spät. Den Umsatz, den wir jetzt nicht machen, holen wir nicht mehr rein – das Loch ist zu groß.“ Denn der Ausfall sei nicht versichert.

Laden alleine wirft nicht genug Gewinn ab

Zwar gebe es noch den Laden in der Lingelgasse. „Aber der alleine reicht nicht aus, um uns über Wasser zu halten“, sagt Schneider. Denn es gebe einen großen Überhang in der Küche mit zwei hauptberuflichen Köchen. „Die bräuchte ich auch, wenn es nur den Laden gäbe“, sagt der Gastronom.

„Ich kann nicht auf halber Flamme fahren.“ Doch lediglich der Laden werfe nicht genug ab. „Bei zwei Köchen brauche ich Menge, die ich verkaufen kann – das geht nicht mit dem Laden alleine. Denn alles ist miteinander verzahnt“, sagt Schneider.

„Wir müssen unsere Strategie komplett überdenken – eine Tür geht zu und eine andere geht auf“, ist sich Schneider sicher. „Jetzt müssen wir erst einmal den Tatsachen in die Augen schauen: Die Idee war gut, wir waren auf dem richtigen Weg – jetzt heißt es aufstehen und weitermachen“, gibt sich Schneider kämpferisch. „Aber ich weiß noch nicht, ob es mit Suppe weitergeht.“ Dabei seien mittlerweile rund 150.000 Euro in das Projekt geflossen.

Wie es weitergehe, stehe nicht fest, „dafür ist alles zu frisch“, sagt Schneider. Momentan stünden die Zeichen für „Bulljong“ aber eher auf Ende statt auf Expansion. Über Kooperationen habe Ulf Schneider schon nachgedacht – oder auch darüber, das Konzept der mobilen Suppenbar zu verkaufen. „Aber unsere Vision können wir nicht weiter fortsetzen.“

von Andreas Schmidt

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