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Nach 32 Jahren ist bald Schluss

„Peter‘s Dorfladen“ in Rauischholzhausen schließt Nach 32 Jahren ist bald Schluss

Gut drei Jahrzehnte lang gab es in Rauischholzhausen einen Dorfladen. Doch der wird bald Geschichte sein: Peter Faulstich muss aus wirtschaftlichen Gründen schließen.

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Heinz Heilmann (von links), Heinz Pfeiff, Inhaber Peter Faulstich und Gerhard Böhm sitzen am „Rentner-Stammtisch“, der ein wichtiger sozialer Treffpunkt in „Peter‘s Dorfladen“ war.

Quelle: Andreas Schmidt

Rauischholzhausen. Es ist ein trauriges Bild in „Peter‘s Dorfladen“ in Rauischholzhausen: Die Regale sind nahezu leer, Preisschilder künden von drastischen Reduzierungen. Und mittendrin steht Peter Faulstich, Inhaber des Ladens. „Noch ein, zwei Wochen, dann ist endgültig Schluss“, sagt er und versucht mit einem Lächeln zu überspielen, dass ihm eigentlich zum Heulen zumute ist. „Da schießen einem schon die Tränen in die Augen“, gibt er zu. „Aber es geht einfach nicht mehr.“

Fast, so erzählt der 62-Jährige, fast habe er es bis zur Rente geschafft, ein knappes Jahr hätte er noch durchhalten müssen. Doch das wird nun nichts mehr: „Der Weg führt in Hartz IV“, sagt er, „ich musste schon einen Minijob annehmen, um über die Runden zu kommen.“ In der Vergangenheit habe er „immer nur drauflegen“ müssen, erzählt er, „jetzt ist der Punkt erreicht, an dem ich die Reißleine ziehen muss. Eigentlich hätte ich das schon viel eher machen müssen“, gibt er zu.

Konkurrenz ist zu groß

Er habe versucht, mit dem Dorfladen über die Runden zu kommen, aber die Geschäfte liefen einfach nicht mehr. „Die Kundschaft bleibt aus“, sagt Faulstich und bemängelt, dass vor allem die Dorfbewohner den Laden verschmäht hätten. „Viele denken, dass ein kleiner Laden immer wesentlich teurer ist als ein großer Supermarkt“, sagt der Inhaber. „Aber das ist nicht der Fall, bei manchen Artikeln liege ich sogar niedriger.“

Doch genutzt habe es nichts – so muss sich Faulstich der Allmacht der großen Supermärkte beugen und seinen Dorfladen schließen. Dabei hatte er auf die Verschlechterungen bereits reagiert: Damals etwa, als er den Laden verkleinert hat und einen großen Teil einfach vom Geschäft abtrennte.

„Doch die Kosten ließen sich nicht senken“, sagt Faulstich, der den Laden im Jahr 2007 von seiner Frau übernommen hatte. Und mit der Verkleinerung des Ladens ging auch einher, dass das Sortiment verkleinert werden musste – und noch mehr Kunden ausblieben. Ein Teufelskreis.

Die Konsequenz: Aushilfen konnte sich Faulstich nicht mehr leisten, „früher hatten wir sogar Auszubildende“, erinnert er sich. Doch in den vergangenen Monaten stand Faulstich alleine im Laden, „von morgens um 6 Uhr bis in die späten Abendstunden – an sechs Tagen in der Woche. Das geht ganz schön an die Substanz“, sagt er.

Laden war sozialer Treffpunkt

Betroffen ist von der Schließung aber nicht nur Faulstich: Auch sein „Rentner-Stammtisch“, der sich jeden Morgen im Dorfladen zum Kaffeetrinken und Austauschen von Neuigkeiten trifft, verliert seine Bleibe.

„Allerhand ist das“, sagt Gerhard Böhm zu der Schließung. Der 81-Jährige sitzt auf einer Eckbank im Laden vor der Brötchentheke, zeigt auf ein Schild in der Mitte des Tischs. Darauf steht: „Hier sitzen die, die immer hier sitzen“ – und das beschreibt genau das, was der Dorfladen ebenfalls ist: Eine Art sozialer Treffpunkt. Seit vier bis fünf Jahren treffen sich Böhm und weitere Senioren im Laden.

„Irgendwann stand der Tisch hier mit der Bank, in der Adventszeit habe ich sogar ein Gesteck gebastelt und auf den Tisch gestellt“, sagt Heinz Pfeiff, ebenfalls 81 Jahre alt. „So sechs bis sieben Leute sind wir hier morgens. Was wir jetzt machen, das wissen wir nicht“, sagt Heinz Heilmann, 79 Jahre alt.

Und auch Hannelore Dörr (75), die immer wieder aus Mardorf zu der Gruppe stößt, findet die Schließung sehr bedauerlich. „Die Kleinen müssen alle zumachen“, sagt sie. „Und für uns Ältere ist das überhaupt sehr schlimm.“ Seinem „Stammtisch“ verspricht Peter Faulstich trotz des großen Ausverkaufs: „Die Kaffeemaschine und die Bank bleiben bis zum letzten Tag stehen.“

von Andreas Schmidt

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