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Mütter zurück in die Arbeitswelt

Pilotprojekt Mütter zurück in die Arbeitswelt

Der drohende Fachkräftemangel ist in aller Munde. Um dem entgegenzuwirken, rücken für den Verein Arbeit und Bildung vor allem Frauen in den Fokus, die nicht mehr arbeiten.

Marburg. In Kooperation mit der Agentur für Arbeit in Marburg startet der Verein ein Pilotprojekt für Hessen. Das hessische Sozialministerium unterstützt den Träger mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds. erklärte Rainer Dolle, Geschäftsführer von Arbeit und Bildung .

Ziel des Projekts „Perspektive Wiedereinstieg“ ist es, Frauen wieder in ein Beschäftigungsverhältnis zu bringen, die ihre berufliche Laufbahn beendet, beziehungsweise unterbrochen haben. Damit richtet sich das Projekt besonders an junge Mütter und Frauen, die pflegebedürftige Angehörige betreuen. Im Gegensatz zu vielen Umschulungsmaßnahmen oder Weiterbildungen sind somit auch Akademikerinnen und Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung angesprochen. Dennoch betonen die Beteiligten, dass sich jede Frau angesprochen fühlen darf, auch wenn diese Kriterien nicht auf sie zutreffen.

Das Projekt verläuft in drei Phasen, beginnend mit der „Akquise“, wie Kordula Weber, Leiterin der Abteilung Frauenförderung bei Arbeit und Bildung, es formuliert. In dieser Phase geht es zunächst darum, Frauen anzusprechen und sie für das Projekt zu gewinnen.

In der zweiten Phase soll über den Zeitraum von sechs Monaten den Frauen durch gezielte Förderung der Schritt zurück in die Arbeitswelt erleichtert werden. „Es geht darum individuellen Handlungsbedarf zu erkennen“ sagt Weber. Je nach konkretem Bedarf wird dabei individuelles Coaching angeboten und auch in Gruppen gearbeitet. Ob EDV-Kurse, Bewerbungstraining oder Business-Englisch - angeboten wird das, was sich in der Betreuung als notwendig herausstellt. Phase drei dauert ebenfalls sechs Monate und beinhaltet eine Begleitung während der ersten Erfahrungen am neuen Arbeitsplatz.

Problematisch sei zunächst einmal die erste Phase, so Dolle. „Es handelt sich um eine Bevölkerungsgruppe, die zunächst mal keinen Druck hat, da ihre Biografie sozusagen abgeschlossen ist“, deutet er die Schwierigkeiten an. In Zusammenarbeit mit den vielen Kooperationspartnern des Vereins, wie unter anderem die Volkshochschule oder auch die Stadtteilgemeinden, bemüht sich Arbeit und Bildung interessierte Frauen zu erreichen.

Unbewusste Ängste stehen oft im Wege

Zu diesem Zweck sind auch Christina Genz und Antje Rexin, die das Projekt für den Verein organisieren, in vielen Schulen und Kindergärten unterwegs. Über den persönlichen Kontakt versuchen sie, auf diese Weise mögliche Teilnehmerinnen zu gewinnen.Rund 40 Prozent der Frauen, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, sind laut einer Studie unzufrieden mit dieser Entscheidung. Diese Frauen zu finden, ist das Ziel der beiden Pädagoginnen. Für wen Teilzeit das bessere Modell sei, den wolle man nicht zur Vollzeit zwingen, stellt Rainer Dolle klar. Doch um denen die Vollzeit möglich zu machen, die gerne ganztags arbeiten möchten, werden die Netzwerke des Vereins bemüht. Kinderbetreuung könne mithilfe der Kooperationspartner auch über die Vormittags-Zeit hinaus organisiert werden.

Laut Kordula Weber stehen unbewusste Ängste dem beruflichen Wiedereinstieg oft im Wege. Daher gehe es darum die Frage „Wie kriege ich Mutter sein und Beruf zusammen?“ individuell zu beantworten. Möglich wurde das Projekt durch die Kooperationsbereitschaft der Agentur für Arbeit, wie Dolle lobend hervorhebt. In anderen Städten scheiterten ähnliche Vorhaben an der mangelnden Unterstützung der Arbeitsagenturen.

Alle Beteiligten würden „eine ordentliche Stange Geld in die Hand nehmen“, sagt auch Volker Breustedt von der Agentur. Für ihn ist die Sache dennoch lohnenswert. „Die Gesellschaft kann es sich nicht leisten, Menschen zu Hause sitzen zu lassen.von Peter Gassner

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