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Münch will Ambulanz am UKGM verändern

Rhön-Klinikum AG Münch will Ambulanz am UKGM verändern

Das UKGM soll nach Auffassung des Rhön-Aufsichtsratschefs Eugen Münch weitgehend die ambulante Flächenversorgung in Marburg übernehmen.

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Welche Veränderungen kommen auf das UKGM zu? Am Freitag stellt der Rhön-Konzern zunächst die Jahres-Zahlen vor.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die UKGM-Geschäftsführung hat vom Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG den Auftrag erhalten, ein Konzept für neue Strukturen der Ambulanz in Marburg zu erstellen. Dies geht aus einem internen Protokoll hervor, das der OP vorliegt. Aufsichtsratschef und Rhön-Gründer Eugen Münch teilte während einer Ausschusssitzung seine Überlegungen zum Standort Marburg mit:

„Die weitere Existenz von Marburg wird nur in der Schaffung ambulanter Strukturen mit dem Ziel, die ambulante Flächenversorgung weitgehend zu übernehmen oder mindestens zu steuern, gesehen. Das bedeutet, dass sich die Universitätsklinik Marburg durch Ausbau ihrer ambulanten Versorgungsstrukturen an die Spitze setzt (...)“. Nach Auffassung von Münch könne dies nur „mit einem rigorosen Ausbau der Poliklinik-/MVZ-Struktur mit Stiftungslehrstühlen geschehen“.

Durch die Verantwortungsübernahme in der Lehre würde die Ausbildung der jungen Mediziner sich wesentlich mehr an der ambulanten Tätigkeit der Medizin ausrichten und damit auf den wirklichen Bedarf ausgerichtet. „Die Besetzung der neuen Lehrstühle sollte durch Einsatz von Hausberufungen den örtlichen engagierten Oberärzten eine Perspektive und Motivation, den Veränderungsprozess zu begleiten, geben“, so Münch laut Protokoll. Mit dieser Ausrichtung würden sowohl Forschung als auch Lehre „in völlig neue Ebenen vorstoßen“.

„Interne Diskussion ohne Denkverbote“

Die Marburger Lösung gehe einen anderen Weg „als der in Gießen erfolgreich begonnene und führt zwingend zu einer Profilierung der Universitätsklinik Marburg“. Die neu zu schaffenden Lehrstühle „werden und müssen eine neue wichtige Rolle in der Lehre übernehmen, weil nur so das Studium an den echten zukünftigen Bedarf herangeführt werden kann“.

Auf Anfrage der OP betont die Marburger Geschäftsführung des UKGM, dass der Ausschuss in interner Runde beraten habe. „Es gehört zu seinen natürlichen Aufgaben, sich offen, innovativ und ohne Denkverbote mit Perspektiven und Entwicklungen der Gesundheitsversorgung auseinanderzusetzen.“

Der Ärztliche Direktor und Geschäftsführer am UKGM in Marburg, Professor Jochen Werner, sagte auf Anfrage, die Marburger Klinik sei wie alle anderen Uni-Kliniken in Deutschland an einer Profilstärkung interessiert. Daher seien Ideenfindungen und Diskussionen über Konzepte und strukturelle Veränderungen nichts Neues. Der Fachschwerpunkt in Marburg liege in der Onkologie. Hochschulambulanzen stünden im Zentrum der Diskussion nahezu aller Universitätsklinika.

Konzepte oder detaillierte Planungen zum Ausbau von MVZ seien ihm nicht bekannt. Generell gehe es bei allen Überlegungen zur Netzwerkmedizin auch darum, die Kluft zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten weiter zu reduzieren. In Marburg sei man auf einem sehr guten Weg, was auch in dem kürzlich mit der Ärztevereinigung Prima geschlossenen Kooperations­vertrag Ausdruck finde ( die OP berichtete).

Uni-Präsidentin: Darauf warten wir seit Jahren

Im Protokoll liest sich das etwas anders. Dort heißt es, der Vorschlag einer Ansiedlung von niedergelassenen Ärzten am Klinikum in Marburg sei auf geschlossenen Widerstand der Niedergelassenen gestoßen.

Marburgs Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause erfuhr von der OP über Münchs Vorschlag. Offenbar habe Rhön Interesse, den Marburger Standort zu entwickeln, sagte sie. „Darauf warten wir seit zehn Jahren – seit der Privatisierung der Uni-Klinik.“

Auf Anfrage der OP sagte sie, sie sei an diesen neuen Vorschlägen interessiert. „Wenn es ein Konzept gebe, dann würde ich mich mit Interesse darüber beugen“, sagte sie. Bekannt sei, dass man überlege, Medizin-Studierende mehr in der Ambulanz als hauptsächlich auf den Krankenhausstationen auszubilden. Bisher sei die Allgemeinmedizin bei Stiftungsprofessuren nicht berücksichtigt. Daher wäre die Förderung der Lehre im Prinzip wünschenswert. Das Stiftungsrecht müsse dabei ohnehin beachtet werden.

In der Sache betrachte sie die Überlegungen des Rhön-Aufsichtsratschefs als „nicht so problematisch“. Die Ausdrucks­weise sei eben typisch Münch, so die Präsidentin. Die OP konnte am Mittwoch keine Stellungnahme von Prima erhalten. Die Rhön-Klinikum AG wird am Freitag ihre Bilanz für das vergangene Jahr vorstellen.

von Anna Ntemiris

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