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„Monopolisierung“ oder „Kooperation“

Medizinische Versorgungszentren „Monopolisierung“ oder „Kooperation“

Mitglieder der Initiative Notruf 113 fordern auch Vorsicht bei der Einrichtung von weiteren Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) durch private Klinikbetreiber oder deren Tochterfirmen.

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Teure medizinische Versorgung soll bezahlbar sein: Experten streiten darüber, ob Medizinische Versorgungszentren (MVZ) ein Weg sind.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Seit 2004 erlaubt der Gesetzgeber die Einrichtung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zur ambulanten Versorgung von Patienten. Die Idee: Beliebig viele zugelassene Ärzte arbeiten fachübergreifend zusammen. Im Unterschied zu einer Gemeinschaftspraxis sind sie angestellt beim Träger des MVZ. Das Ziel ist die Konzentration der ambulanten Krankenversorgung auf wenige, aber effektive und kostengünstige Zentren. Inzwischen existieren mehr als 1.000 MVZ in Deutschland.

Seit ihrer Zulassung durch den Gesetzgeber stehen die MVZ in der Diskussion: Im Prinzip sehen fast alle darin eine Möglichkeit, die aufgrund der demografischen Entwicklung drohende fachärztliche Unterversorgung im ländlichen Raum abzuwenden oder zumindest zu lindern – so etwa der SPD-Politiker und Arzt Dr. Thomas Spies oder die Grünen-Landtagsabgeordnete Angela Dorn. „Wenn das breit aufgestellt ist und ein Versorgungszentrum fliegende Sprechstunden in der Fläche anbietet, dann ist das ein Fortschritt“, sagt Dorn, die gleichwohl fordert, das Konzept von stationärer und ambulanter Versorgung neu zu regeln.

Andere befürchten, dass große Einheiten zulasten der Versorgung in der Fläche gehen. Der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Christean Wagner ist dennoch skeptisch, was den Betrieb von MVZ durch das Universitätsklinikum angeht: „Ich bin im Grundsatz der Auffassung, dass wir in der Fläche eine wohnortnahe Ärzteversorgung brauchen. Ich beobachte die Bemühungen der Rhönklinik AG medizinische Versorgungszentren einzurichten, die sicherlich unter fachlichen Gesichtspunkten auch ihre Berechtigung haben können, es darf aber nicht dazu führen, dass wir in der Fläche keine erreichbaren Ärzte mehr haben.“

Kritiker sehen aber mit Sorge, dass nicht nur Ärzte, sondern beispielsweise Krankenhäuser oder Heilmittelerbringer wie Physiotherapeuten oder Logopäden ein MVZ einrichten können.

Die Initiative „Notruf 113“ befürchtet eine „Monopolisierung der gesamten Gesundheitsversorgung“ in der Region. „Ein privater Krankenhausbetreiber sollte aus grundsätzlichen Erwägungen ein MVZ nicht betreiben dürfen“, sagt etwa Dr. Ulrike Kretschmann mit Blick auf das Rhön-Klinikum. Sie will das Argument der Kostenreduzierung nicht gelten lassen: Das ökonomische Interesse eines privaten Klinikbetreibers, seine Betten auszulasten und seine Fallzahlen zu steigern, berge die Gefahr, dass Patienten zwischen den ambulanten Medizinischen Versorgungszentren und dem börsennotierten Krankenhausbetreiber hin- und hergeschoben werden.

Mit dieser Befürchtung steht „Notruf 113“ nicht allein: Dr. Thomas Spies etwa teilt die Sorge von Kretschmann, sagte er der OP. Spies fordert eine gesetzliche Neuregelung, die ausschließt, dass ambulante und stationäre Versorgung durch die Krankenkassen wie bisher getrennt abgerechnet werden. Er plädiert außerdem dafür, dass MVZ etwa durch Ärztekooperativen oder aber auch durch den Landkreis geführt werden sollten.

von Till Conrad

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