Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° stark bewölkt

Navigation:
Moderne Hülle für Wissen und Wirtschaft

Neubau in Biedenkopf Moderne Hülle für Wissen und Wirtschaft

Baustelle Berufliche Schulen Biedenkopf: Anstelle der ehemaligen Werkstatt entsteht ein Neubau, der als Wissens- und Wirtschaftscampus dienen soll - für 12,5 Millionen Euro.

Voriger Artikel
Digitalisierung im „Tsunami-Tempo“
Nächster Artikel
Die neue Schwester in Thüringen

Biedenkopf. Die Werkstatt der Beruflichen Schulen Biedenkopf (BSB) ist Geschichte: Sie wurde in den Herbstferien abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen. Und der fällt erheblich größer aus als ursprünglich geplant. Denn statt nur ein neues Werkstattgebäude zu bauen, entsteht laut Erstem Kreisbeigeordneten und Schuldezernenten Marian Zachow (CDU) ein „Wissens- und Wirtschaftscampus“, der neben den BSB auch von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill genutzt werden soll.

 

Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die vermutete „Kostenexplosion“: War zunächst lediglich von einem Neubau des Werkstattgebäudes mit einer teilweisen Nutzung durch die THM für 6,5 Millionen Euro ausgegangen worden, habe sich das Nutzungskonzept nach und nach erweitert, wie Zachow verdeutlicht.

„Es gab einen ersten Entwurf, der als ,Public-private-Partnership-Modell‘ realisiert werden sollte“, erklärt Klaus Herrmann, Leiter des Fachbereichs Schulen und Gebäudemanagement. „Diese Kosten wurden einer erste Haushaltsplanung zugrunde gelegt - das waren aber die reinen Gebäudekosten, ohne Peripherie, Außenanlagen oder Werkstattgebäude“, so Herrmann.

Im Oktober 2013 habe das erweiterte Konzept festgestanden, die neuen Zahlen seien dann auch kommuniziert worden. „Es gab Ende des Jahres eine Informationsveranstaltung für die Schulpolitiker und unter Beteiligung der Fraktionsvorsitzenden - die Information war also immer gegeben“, so Zachow, der damit die geführte Diskussion über die mutmaßliche Kostenexplosion im Kreistag relativiert.

Ziel: Kostenrahmen nicht voll ausschöpfen

„Man kann hier auf keinen Fall ein Versäumnis oder gar eine taktische Fehlinformation festmachen“, sagt Zachow. „Die Zahlen haben sich bis heute nicht verändert“, bekräftigt auch Herrmann. Und Zachow fügt hinzu, dass man auf jeden Fall im Kostenrahmen bleiben werde, „ich habe den Ehrgeiz, sogar unter der veranschlagten Bausumme zu bleiben“, der Neubau solle keine zweite Elbphilharmonie werden.

Der Neubau wird als Passivhaus ausgeführt, dadurch wolle man mit 20 bis 25 Prozent der Energiekosten des bisherigen Gebäudes auskommen.

„Wir haben während der Planungsphase sehr genau verfolgt, dass in Biedenkopf ein Knotenpunkt aus Wissen und Wirtschaft entsteht“, so Zachow. Daher sei man sehr froh, dass es gelungen sei, in dem Neubau THM und IHK unterzubringen. „Außerdem wollen wir das Projekt noch weiterentwickeln, sodass auch die Wirtschaftsförderung und weitere Akteure dort Sprechzeiten anbieten“, erläutert der Kreisbeigeordnete.

Der Grundgedanke sei, dass man „idealerweise einen Gang hat, wenn man irgendwas von Wirtschaft oder Bildung benötigt - das soll man auf dem Campus finden. Wir hoffen auch, dass sich dadurch gute Synergieeffekte ergeben“.

Fast 4000 Quadratmeter Fläche auf zwei Etagen bietet der Neubau für Werkstatt und Hörsäle, Verwaltung und Seminarräume. 65 Prozent der Flächen sind den BSB vorbehalten, die THM wird etwa 25 Prozent nutzen. Und die IHK wird ihre Büros im Sparkassengebäude verlassen und ebenfalls auf dem Campus einziehen. Jeder bekommt einen eigenen Eingang. Dazu gibt es einen großen Veranstaltungsraum sowie zwei Räume als Reserve, die von anderen Netzwerkern genutzt werden können.

„Das Gebäude ist dabei nur die Hülle“, sagt Zachow - der Netzwerkgedanke für das Hinterland stehe im Vordergrund. Das gebe es zwar in Teilen schon im Hinterland, „aber durch einen solchen Ort kann es ganz stark belebt werden“. Auch die Kreishandwerkerschaft Biedenkopf werde in die Planungen einbezogen. Räumlich hätte diese zwar „kein Interesse mit einer festen Präsenz“ gezeigt, aber man wolle sie bitten, sich inhaltlich an den Planungen zu beteiligen.

Es gebe aber Überlegungen, einen Mini-Existenzgründerstützpunkt zu errichten, „um die Berufsschüler und die Studenten immer wieder mit der Frage der Existenzgründung als Perspektive zu konfrontieren“, sagt Zachow. Ihm sei es wichtig, diesen Wirtschaftsaspekt stärker einmünden zu lassen, „um diese einmalige Chance, Wirtschaft und Schule an einem Ort nebeneinander und miteinander hinzubekommen“.

Neue Trafo-Station für die elektrische Versorgung

Mittlerweile sind die Abrissarbeiten zum größten Teil abgeschlossen, der Schulbetrieb kann weitestgehend ungestört ablaufen. Die Parkfläche wurde zunächst provisorisch auf die nebenliegende, jetzt geschotterte, Wiese erweitert, es laufen die Erschließungsarbeiten. „Die elektrische Grundversorgung muss neu aufgebaut werden“, erläutert Herrmann. Dazu werde an der alten B65 eine neue Trafo-Station gebaut, „der Umschluss soll in den Osterferien erfolgen“. Die Vorarbeiten sollen bis zum Frühjahr abgeschlossen sein, der Baubeginn ist für Mitte Mai vorgesehen. Die THM soll zum Wintersemester 2016 einziehen, der Rest des Innenausbaus samt Fertigstellung der Außenanlagen ist 2017 geplant.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr