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Bald Realität? Busfahren mit Autopilot

Mobilitätskonzept Bald Realität? Busfahren mit Autopilot

Das Thema „autonome Mobilität“ nimmt in 
Marburg Fahrt auf: Ende November könnte ein Test mit einem selbstfahrenden Kleinbus am Standort Behringwerke starten.

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Im Juli vergangenen Jahres entstand ein Video für die Teststrecke zum autonomen Fahren vom Hauptbahnhof auf die Lahnberge – mit einem „Erlkönig“ als Modell. Nun soll ein autonom fahrender Bus getestet werden.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Dr. Friedrich Freiherr Waitz von Eschen, Vizepräsident der IHK Kassel-Marburg, informierte während der jüngsten Vollversammlung, die bei der Firma Schneider in Fronhausen stattfand, über den Sachstand. Die Arbeitsgruppe des IHK-Regionalausschusses Marburg unter der Leitung von Peter La­ther sei wieder ein Stück vorangekommen, ein Mobilitätskonzept für die Universitätsstadt zu entwickeln.

Ursprünglich hatte die Gruppe geplant, eine Teststrecke vom Bahnhof zu den Lahnbergen zu entwickeln. „Aber die rechtlichen Rahmenbedingungen geben dies zurzeit noch nicht her“, erläutert Peter Lather auf Nachfrage der OP. Das Thema sei aber auf keinen Fall eingeschlafen – vielmehr habe sich die Arbeitsgruppe nun auf einen Testlauf eines selbstfahrenden Elektrokleinbusses im Hauptwerk in der Marbach des Industrieparks Behringwerke entschlossen. Denn auf einem Privatgelände gebe es mehr Möglichkeiten.

Der Test soll voraussichtlich an fünf Werktagen die Mitarbeiter vom Werkstor zu den einzelnen Unternehmensstandorten auf dem Gelände transportieren. „Noch ist nicht alles final beschlossen, die Verträge sind noch nicht unterzeichnet“, so Lather. Daher könne es durchaus sein, dass der Test auch erst im Frühjahr absolviert werden könnte. Doch stehe man mit Standort-Betreiber Pharmaserv in engem Austausch, „es ist noch sehr viel Detailarbeit nötig, um das Thema voranzutreiben“.

Feldversuch findet auf Nebenstrecke statt

Thomas Madry von der Arbeitsgruppe erläuterte im Gespräch mit der OP, dass das ­Interesse von Pharmaserv sehr groß sei, „denn dort geht es darum, dass viele Menschen von den Parkplätzen zu den Firmen gelangen müssen“. Die Finanzierung sei geklärt – und betrage gut 20.000 Euro. Mit einem Drittel seien Stadt Marburg und Landkreis beteiligt, ein Drittel trage Pharmaserv und ein weiteres Drittel komme von der ­regionalen Wirtschaft.

Großes Thema sei auch die Versicherung, „denn es gibt ja keinen Fahrzeughalter, sondern eine Versicherung, dass Fahrzeugkomponenten funktionieren“, so Madry. Daher sei auch denkbar, dass man einen Vertrag nicht mit dem Fahrzeughersteller schließe, sondern direkt mit einer Versicherung, „die auch Erfahrungswerte sammeln will“.

Rückfragen gebe es auch schon beispielsweise von Mitarbeitern am Standort Behringwerke, „denn dort hat sich der Versuch auch schon herumgesprochen“. Madry betonte, dass es sich um einen Feldversuch handele, „auf einer Nebenstrecke, um Mitarbeitern und auch Management die Möglichkeit zu geben, autonomes Fahren zu erleben“. Dass jemand gefährdet werde, könne man durch die verbaute Technik und Assistenzsysteme ausschließen, „da kann nichts passieren – es sei denn, dass sich jemand mit Vorsatz vor den Bus wirft. Und selbst dann reagiert das System innerhalb von Zentimetern“.

Madry: „Es gibt kein Projekthindernis mehr“

Bei der Strecke werde ganz genau definiert, was Verkehrsweg und was Fußgängerzone sei – dann würden auch verschiedene Szenarien wie Vollbelegung, Transport auf Abruf oder Fahren mit Verkehr auf der Strecke durchgespielt, „um zu sehen, wie zuverlässig die Technik reagiert“. „Es gibt kein Projekthindernis mehr, wo wir sagen, dass es nicht geht“, ist Madry überzeugt.

Der Feldversuch sei für die Arbeitsgruppe „ein Zwischenschritt“, man habe Meilensteine definiert: „Feldversuch auf Betriebsgelände hätten wir dann, am Feldversuch im öffentlichen Raum müssen wir noch arbeiten, denn dafür benötigen wir ein Fahrzeug, das auch im ­öffentlichen Raum zugelassen ist.“ Die weiteren Schritte seien der Regelbetriebe auf einem Betriebsgelände und als „Königsdisziplin“ der Regelbetrieb im öffentlichen Raum.

Daneben hat die Arbeitsgruppe in Gesprächen mit Professoren der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Philipps-Universität Marburg ein Forschungsvorhaben zum Thema „Autonomes und vernetztes Fahren im ländlichen Raum“ angestoßen. Die Idee ist, dass dieses sich auf die Akzeptanz automatisierter Technik durch ­Anwender konzentriert und ­einen besonderen Bezug zum Stadt-Umland-Verkehr aufzeigt.

A49: Lückenschluss soll 
im Jahr 2020 beginnen

Thema der IHK-Vollversammlung war auch der Neubau der Autobahnen 49 und 44 sowie der Bundesstraße 252 – alle drei Projekte befinden sich im Bau. Jürgen Richter, Referatsleiter Straßenbau im Hessischen Wirtschaftsministerium, erläuterte, dass die Verkehrsfreigabe des A49-Streckenabschnitts zwischen Neuental und Schwalmstadt für 2020 geplant sei, für den Abschnitt von Schwalmstadt bis Stadtallendorf bestehe Baurecht. Dies fehle jedoch noch für den Weiterbau bis zur A5, der für 2020 geplant sei und vier Jahre dauern solle.

Die Arbeiten an der A44 zwischen Kassel und Herleshausen sollen Mitte 2023 beendet sein – allerdings ohne den Abschnitt zwischen dem Autobahndreieck Kassel-Ost und der Ausfahrt Helsa-Ost. Dieser befinde sich noch in Planung, teilte Richter mit. Die Ortsumgehung Münchhausen, Wetter, Lahntal (B 252 / B 62) befinde sich „voll im Bau“. Die Verkehrsfreigaben für die drei einzelnen Abschnitte seien für die Jahre 2018 (zwischen Goßfelden und Wetter), 2020 (zwischen Münchhausen und Wetter) und 2021 (Lahntal) eingeplant.

von Andreas Schmidt

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